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Der Bundesliga-Check: Freiburg Mehmet Scholl gefällt das nicht

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Aufstiegsfeier in Paderborn. Ansonsten sagt Trainer Christian Streich über seinen neuen Spieler Onur Bulut: "Er ist ein geiler Typ, hat eine unglaublich mitreißende Art. Ich würde ihm alles abkaufen - sogar Staubsauger!"

(Foto: imago/Eibner)

Noch vor den neureichen Leipzigern macht der SC Freiburg den Aufstieg klar. Mit den Breisgauern kehrt auch einer der schrägsten Vögel Fußball-Deutschlands zurück in die Fußball-Bundesliga - und er wagt ein Experiment.

Der sofortige Wiederaufstieg schon am 32. Spieltag in Paderborn perfekt, die Spieler stürmen euphorisiert die Pressekonferenz ihres Trainers, und was macht dieser Christian Streich? Er schickt seine Spieler zurück in den Kabinentrakt. "Haut ab, der andere Trainer muss noch was sagen, die kämpfen gegen den Abstieg."

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Er tickt eben etwas anders, der 51-jährige aus Weil am Rhein, der sich in mittlerweile 21 Jahren beim SC Freiburg vom Jugendtrainer zum Coach in der Fußball-Bundesliga entwickelte. Obwohl der Verein unter Streich im Mai 2015 den Gang in die Zweitklassigkeit antreten musste, durfte er bleiben - und zahlte das Vertrauen seiner Chefs mit einer durchaus imposanten und souveränen Saison zurück: 75 Tore und Platz eins vor Emporkömmling RB Leipzig. Doch von Euphorie ist er weit entfernt: "Die Mannschaft ist spannend, aber ich bin mir natürlich bewusst, was Bundesliga heißt. Ich weiß, was auf uns zukommt, und ich habe gehörigen Respekt davor."

Was gibt’s Neues?

Nicht viel, und genau das ist das Neue: In der Vergangenheit traf die Breisgauer im Sommer regelmäßig ein heftiger Aderlass, das bittere Los eines Mittelklasse-Vereins, aber auch Ausweis der konstant guten Arbeit in Freiburg. Doch in diesem Jahr konnte der SCF die Aufstiegshelden halten: Gefragte Spieler wie Überraschungsolympionike Nils Petersen, Freistoßspezialist Vincenzo Grifo und EM-Fahrer Amir Abrashi bleiben dem Klub erhalten. Hinzu kommen nur punktuelle Verstärkungen, ein großer Name ist nicht darunter – bekannt dürfte den Fans am ehesten noch Aleksandar Ignjovski sein, der von Eintracht Frankfurt kam.

Auf was kommt es an?

Hätte, hätte, Viererkette: So könnte am Ende der Saison das Fazit lauten, sollte der SCF wieder den Gang in die Zweite Liga antreten müssen. Allem Anschein nach stellt Trainer Christian Streich nämlich die so erfolgreiche Aufstiegsordnung um, von einer Vierer- auf eine Dreierkette - Mehmet Scholl gefällt das nicht. In der Debatte nach dem Sieg gegen Italien hatte sich Streich übrigens dezidiert auf die Seite des Freiburger Ehrenspielführers Joachim Löw geschlagen: "Die Dreierkette war die absolut richtige Entscheidung." Ob das auch für den SCF gilt?

Was fehlt?

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Der Aufstiegsknipser Nils Petersen reiste zwar ins Trainingslager an, verabschiedete sich dann aber zum Beachsoccer an die Copacabana. Eine optimale Saisonvorbereitung sieht anders aus, aber immer glänzt in Abwesenheit des 21-Tore-Mannes sein Ersatz: Florian Niederlechner, in der Winterpause aus Mainz gekommen, wo sie ihn als Chancentod in Erinnerung haben, traf in der Vorbereitung nach Belieben. Beim 3:1 am Wochenende gegen Darmstadt erzielte er alle Freiburger Tore. Am anderen Ende des Platzes aber tut sich zwischen den Pfosten eine Problemzone auf: Patric Klandt (0 Bundesligaspiele) und Alexander Schwolow (1 Bundesligaspiel) bekommen mit Neuzugang Rafal Gikiewicz einen Konkurrenten um die Torwartposition, der in Braunschweig gut gespielt, aber gewiss nicht überragt hat. Egal, wer aus dem Trio am 1. Spieltag gegen die Hertha beginnt - er muss erst einmal seine Erstligareife beweisen.

Wie lautet das Saisonziel?

Gelegentlich kann der gute alte "Kicker" auch noch überraschen - mit einem Humor, so staubtrocken wie seine Spielberichte. "In München winkt die Meisterschale" steht über dem Saisonplaner der Freiburger geschrieben. An Spieltag 34 reisen sie nach München in die Allianz Arena, nach Lage der Dinge zwar nicht zur eigenen Meisterfeier, aber Selfies mit der Schale sind drin, wenn die Spieler das Klassenziel erreicht haben: Drinbleiben.

Die n-tv.de-Prognose

Ein Platzverweis, eine neue Todfeindschaft mit einem Trainerkollegen und mindestens drei seiner legendären Wutausbrüche – all das sollte für Christian Streich wohl drin sein in dieser Saison. Weil der Schwarzwald-Vulkan ganz nebenbei noch ein ausgewiesener Fachmann ist, der über ein eingespieltes Team verfügt, könnte sich der SCF sogar ähnlich wie Ingolstadt in der vergangenen Saison früh schadlos halten.

Quelle: n-tv.de

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