Fußball

Lewandowski ist kein Weltstar Messi-Auszeichnung verhöhnt die Bundesliga

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Was glitzert denn da? Es ist Lionel Messi.

(Foto: picture alliance/dpa/MAXPPP)

Beim Ballon d'Or kann es nur einen Gewinner geben: Robert Lewandowski. Das ist im Vorfeld die Wahrnehmung beim FC Bayern, in Deutschland. Danach mischt sich ein unangenehmes Skandal-Geheul in den Chor der Messi-Gratulanten. Dabei bildet die Wahl nur den Stellenwert der Bundesliga ab.

Robert Lewandowski wirkte für einen kurzen Moment wie versteinert. Lionel Messi nicht. Schon vorher wirkte der Bundesliga-Star trotz all seiner Bemühungen, sich gemeinsam mit seiner Frau Anna als Celebrity zu inszenieren, seltsam deplatziert in der Riege der Top-Stars des Weltfußballs. Deplatziert neben Kylian Mbappé, der Zukunft des Fußballs, und deplatziert neben Lionel Messi, dessen Name auch in den letzten Winkel der Welt strahlt.

So sehr Lewandowski sich auch an diesem Abend bemüht: Er bleibt hölzern, ein wenig bieder und wenig schrill. Wie immer, wenn der Pole außerhalb des Platzes auftritt und ein anderer wird. Fremd in einer Welt, in der Glamour und Inszenierung ebenso schwer wiegen wie Leistung. Der Torjäger steht damit auch für das Image-Problem der Bundesliga, die international selten wahrgenommen wird.

Also stand Messi auf, betrat die Bühne und war zum siebten Mal der Gewinner des Ballon d'Or. Seine wahrscheinlich letzte große individuelle Auszeichnung. Ein wenig auch für sein Lebenswerk. Für das, was er dem Fußball über all die Jahre gebracht hatte. Aber eben nicht nur eine Auszeichnung für sein Lebenswerk, denn seine Leistungen auf dem Platz waren auch im letzten Jahr von durchaus überragender Relevanz gewesen.

Messi auch sportlich noch relevant

Auch wenn sein Start bei Paris St. Germain bislang wenig beachtenswert war. Aber natürlich wurde Messi nicht als Paris-Spieler ausgezeichnet, sondern für seine Leistungen in Barcelona, wo er seinen Verein noch einmal in die Champions League führte, und natürlich noch viel mehr für seinen außerordentlichen Auftritt bei der Copa. Erster Titel mit Argentinien, mit Abstand bester Spieler des Turniers. Das hinterlässt Eindruck, auch bei denen, die ihre Stimme abgeben durften: den Journalisten aus aller Welt.

Dabei hätte doch eigentlich Lewandowski auf der Bühne stehen sollen. Bereits im Vorjahr. Die Wahl war aber ausgefallen. Ein Ärgernis für den Polen, der nach dem historischen Lauf der Bayern in der Champions League als einzig logischer Favorit auf die begehrte Trophäe galt. In diesem zweiten Pandemie-Jahr aber eben nicht. "Du hättest es auch verdient gehabt", sagte Messi in seiner Rede.

Nur ein Titel mit den Bayern - der längst bedeutungslose Meistertitel in Deutschland - ein frühes Ausscheiden in der Champions League, eine schwache Europameisterschaft gegen Messis historische Leistung mit Argentinien, dem Gewinner der Copa in diesem Sommer. Das glitzert mehr als der 41-Tore-Rekord in der Bundesliga, der national historisch war, aber international nur zur Kenntnis genommen wurde. Da waren Gerd Müllers Tore nur ein Rekord, den es zu schlagen galt, und nicht etwas, was für die Ewigkeit geschaffen war.

Was die Wahl über die Bundesliga verrät

Lewandowskis zweiter Platz ist ein Zeichen für den internationalen Stellenwert der Bundesliga. Rekorde, und mögen sie noch so historisch sein, zählen in einer Liga, die seit nunmehr einem knappen Jahrzehnt bereits vor dem Saisonauftakt entschieden scheint, nicht so sehr. Zu dominant sind die Bayern und zu schwach ist ein Großteil der Gegner.

Was sich auch bei den wenigen Spielen zeigt, die von der DFL auf dem umkämpften Weltmarkt platziert werden können. Meist also der Klassiker, das vermeintliche Top-Spiel Bayern München gegen Borussia Dortmund. Die letzten fünf Liga-Vergleiche gewann der Rekordmeister. Sie erzielten dabei 17 Tore, der BVB nur 4 und somit 4 weniger als Lewandowski alleine, der so gerne gegen seinen alten Klub trifft. Insgesamt sind es 20 Treffer in nur 14 Ligaspielen.

Lewandowski und die Bayern befinden sich in einem klassischen Dilemma. Ihr Meister-Abo ist die Basis für ihre jährlichen Angriffe auf die Champions League. Doch mit ihrer Dominanz hat sich die Liga auch aus dem Kreis der Top-Ligen verabschiedet. Der wird ohnehin kleiner. Die Premier League überstrahlt alles, danach wird es dünn. Trotz der großen Barcelona-Krise und dem Abschied der Weltstars Messi und Ronaldo richtet sich der Blick danach auf die spanische Liga, die zudem dank der historischen Verbindung nach Südamerika einen ganzen Kontinent in der Hinterhand hat.

Noch kann Lewandowski seine Zukunft ändern

All das sprach gegen Lewandowski, der sich trotzdem nur knapp geschlagen geben musste. Aber es war im Vorfeld eben bei Weitem nicht so klar, wie es unter anderem Thomas Müller glauben machen wollte. "Lewy muss das Ding holen - fertig!", hatte der gesagt. Fertig. Den Ballon d'Or holen, so wie Bayern die Meisterschaft holt. So einfach ist das nicht.

Trotz Julian Nagelsmanns Wahlempfehlung für seinen Spieler weit im Vorfeld der Veranstaltung. Trotz des großen Bayern-Trosses mit Trainer, Sportdirektor, Sportvorstand und Präsident, der sich auf den Weg nach Paris gemacht hat, um dem Star zu gratulieren, und später Trost spenden musste. Dabei ist der zweite Platz bei all diesen Widerständen sehr respektabel. Seit Matthias Sammers Sieg 1996 kam nie ein Bundesliga-Spieler näher an den Titel. Das beweist: Lewandowskis Leistungen wurden durchaus gesehen. Nur wurden sie richtig eingeordnet.

All das beleidigte Skandal-Geheul des Boulevards nützt wenig. Es ist klar: Für die Bayern und Lewandowski ist die Bundesliga zu klein geworden. Die Bayern haben sich gegen die Super League ausgesprochen. Für sie ist die Liga aktuell noch ihre Heimat. Für Lewandowskis Streben nach internationaler Anerkennung aber ist sie längst zu klein geworden. Noch bleiben ihm wenige Jahre, das zu ändern.

Quelle: ntv.de

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