Fußball

Pochettino zerstört einen Traum Messis Rückpass für die Geschichtsbücher

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Messi hat schon wieder Geschichte geschrieben.

(Foto: imago images/PanoramiC)

Am 29. August 2021 wird Lionel Messi endgültig zu einem Spieler von Paris Saint-Germain. Da debütiert er in Reims im Nordosten Frankreichs. Der Superklub gewinnt durch zwei Tore von Kylian Mbappé. Den zieht es zu Real Madrid. Doch für eine knappe halbe Stunde sind sie in einer Mannschaft.

Nach 58 Minuten ging ein Raunen durch das Stade Auguste Delaune. Alle, auch die Fans von Stade de Reims, waren gekommen, um Lionel Messi zu sehen. Der argentinische Weltstar trägt neuerdings das Trikot von Paris Saint-Germain und der Spielplan hatte den Superklub an diesem Sonntag, dem 29. August 2021 in den Nordosten Frankreichs nach Reims geführt. Die Fans hatten lange gewartet, verfolgten seine Bewegungen am Spielfeldrand bald mehr als das Spiel.

Kurz darauf folgte der historische Moment. Messi stand endlich wieder auf dem Platz. Aber nach 21 langen Jahren bei Barcelona eben nun für PSG. Er ersetzte um 22.09 Uhr und in der 66. Minute Neymar. Trainer Mauricio Pochettino zerstörte einen Traum, den Traum, Messi, Neymar und Kylian Mbappé gemeinsam auf dem Platz zu sehen. Und doch ließ er die Zuschauer schwelgen. Bei jedem Ballkontakt des Argentiniers brandete Jubel auf. Sein erster Ballkontakt? Ein Pass in die Abwehr. Das war auch dem Regisseur der Übertragung eine Wiederholung wert.

Im Kunst-Nebel und mit PSG-Maske war Messi rund 90 Minuten zuvor auf das Spielfeld geschritten. Er setzte sich direkt auf die Ersatzbank im Stade Auguste Delaune. Das langersehnte Debüt ließ noch auf sich warten. Auch die Wieder-Vereinigung mit seinem alten Barca-Buddy Neymar. Dazu kam es nicht. Aber immerhin der vermutlich einzige Auftritt gemeinsam Kylian Mbappé, der immer noch nicht bei Real Madrid unterschrieben hat, aber wahrscheinlich auf dem Weg ist.

Mbappé trifft doppelt

Noch aber ist er bei Paris Saint-Germain, diesem vom katarischen Besitzer Nasser Al-Kehlaifi unter Marketinggesichtspunkten zusammengestellten Gebilde, das nur noch im entferntesten Sinne mit einer klassischen Fußball-Mannschaft zu tun hat, aber nun endlich die Champions League gewinnen soll. Das ist Paris bislang nicht gelungen. Auch andere Vereine haben Spieler und manchmal auch eine bessere Strategie, so wie Bayern, gegen die PSG 2020 im Finale der Champions League scheiterte.

Mbappé war also noch da. Und er sorgte für die Tore. Nach feinem Zusammenspiel zwischen Achraf Hakimi, der vor der Saison für 60 Millionen Euro von Inter gekommen war, und Messi-Landsmann Ángel Di María köpfte der Weltklasse-Stürmer den Ball nach einer Flanke des Argentiniers ins Tor. Da waren gerade 15 Minuten gespielt. Der Sieg des Superklubs war nie gefährdet. Besonders nicht nach Mbappés Doppelpack nach starker Vorarbeit Hakimis in der 63. Minute, unmittelbar vor der historischen Einwechslung. So wie Bayern der Bundesliga enteilt ist, so ist auch PSG der Ligue 1 enteilt, trotz der verpassten Meisterschaft in der vergangenen Saison.

Messi beobachtete das alles von der Bank. Das Warten ging weiter. Letztmals hatte er Mitte Juli auf dem Platz gestanden. Da war er am Ziel. Sieger der Copa America. Endlich hatte er seinen ersten Titel mit der argentinischen Nationalmannschaft gewonnen. In Rio de Janeiro. Im legendären Maracana-Stadion. Gegen Brasilien. Endlich. Er stemmte den Pokal in den Abendhimmel und danach galt der Fußballer Lionel Messi als verschwunden. Der 34-Jährige war aber weiter präsent, mehr als alle anderen Fußballer. Denn "Messi macht den Fußball magisch", wie es PSG-Boss Al-Kehlaifi nach der Verpflichtung erzählte. Magie verkauft sich auch ohne Fußball.

Der Rückzug ins Digitale

Und so sah man ihn mit seinen Kindern im Garten kicken und Reporter berichteten hektisch von seinen neuesten Reiseplänen, sie grübelten über die Zukunft des Argentiniers. Was würde nur passieren? So ging es lange Zeit. Er wird schon bei Barcelona bleiben, hieß es. Dass Lionel Messi ein Fußballer, sogar ein sehr guter, ist, war da etwas in Vergessenheit geraten. Er war nun ein Objekt. Das ist die Natur des Transfermarkts. Aber Messi inszenierte sich auch als eins. Dazu später mehr. Nach Messis tränenreichem Barcelona-Abschied und seiner mit einem unglaublichen Aufruhr verbundenen Ankunft in Paris hatte es lange bis zum Debüt gedauert. Schlagzeilen schrieb er trotzdem weiter.

Die elonmuskhaften Nebengeräusche des Transfers verstärkten diesen Eindruck. Messi war in einer anderen Realität gelandet. In seinem "Vergütungspaket" beim Wechsel war auch eine größere Zahl sogenannter Fan-Token erhalten, die der neueste Schrei im Raubtierkapitalismus des Fantasie-Fußballs der Superclubs sind. Mit der Kryptowährung, die den Vereinen massive Umsätze beschert, soll den Fans eine nicht vorhandene Nähe zum Verein suggeriert werden.

In einer App können sie sinnbefreit über Torhymnen, tolle Tore, sensationelle Spieler und, wie beim FC Barcelona, Kunstwerke in Umkleidekabinen abstimmen. Einige Tage später veröffentlichte Messi seine ersten NFTs. Das sind nicht austauschbare Token. Einmalig. Ein einzigartiger digitaler Vermögenswert. Sie werden mit Gemälden verglichen. Auch sie gibt es nur einmal. Sie basieren natürlich auf einer Blockchain.

Der Handel mit ihnen nimmt absurde Ausmaße an. NBA-Profi Stephen Curry erwarb kürzlich einen "Tweed-Wearing Bored Ape NFT", ein NFT in Form eines gelangweilten Affen in Tweed für nur 180.000 US-Dollar. Ein toller Markt für Messi, dem bei der Vorstellung seines "Messiverse" die Worte "Fußball ist wie Kunst - zeitlos" in den Mund gelegt wurden. Die Kunstwerke tragen so wunderbare Namen wie "Man From The Future", "Worth The Weight" und "The King Piece". Eines der Kunstwerke zeigte Messi noch im Barcelona-Trikot. Mit Gigantismus gegen die vor allen Dingen vom deutschen Fußball ausgerufene neue Demut.

Auf dem Platz hat Messi die Menschen mit seinem Spiel verzaubert. Er ist der wahrscheinlich größte Künstler, der je auf dem Platz gestanden hat. An diesem Sonntag im August kehrte er endlich aus der digitalen Welt zurück. Der Superstar hat die Fantasie-Welt verlassen. Das ist gut.

Quelle: ntv.de

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