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Seleção feiert, Engländer stören Nations League ist "die perfekte Idee"

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Cristiano Ronaldo traf nach seiner Halbfinalgala gegen die Schweiz im Endspiel zwar nicht, stand aber dennoch als Symbol für den Titelgewinn Portugals.

(Foto: imago images / Xinhua)

Der Sieg der Portugiesen beschert der Nations League einen stimmungsvollen Ausklang. Spieler und Trainer loben das neue Format. Ärger machen die Engländer.

In der 88. Minute war im Estádio do Dragão von Porto noch einmal die Bühne bereitet für die Ikone des portugiesischen Fußballs. Es gab Freistoß im Finale der Nations League gegen die Niederlande, aus halblinker Position. Cristiano Ronaldo legte sich den Ball zurecht, machte drei Schritte zurück und stand mit gespreizten Beinen da. Die Zuschauer sangen seinen Namen, in Erwartung einer weiteren Großtat. Nach seinen drei Treffern beim 3:1 im Halbfinale gegen die Schweiz wäre es ein passender Abschluss des Mini-Turniers gewesen, wenn er auch im Finale zum Helden geworden wäre mit einem Freistoß-Treffer zum 2:0. Das Publikum wartete, Ronaldo lief an - und schoss deutlich am Tor vorbei.

Der fünfmalige Weltfußballer hat das Endspiel nicht prägen können. Mann des Abends war Gonçalo Guedes, der 22 Jahre alte Stürmer in Diensten des FC Valencia. Ihm gelang nach einer Stunde Portugals 1:0-Siegtor mit einem Schuss von der Strafraumkante. Trotzdem hatte Ronaldo am Ende seinen großen Auftritt, natürlich hatte er ihn. Als Kapitän durfte er den 71 Zentimeter hohen Silberpokal für den Gewinner des neuen Uefa-Wettbewerbs entgegen nehmen.

Ronaldo ist das Symbol für den Erfolg

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Ronaldo ging etwas in die Hocke, holte Schwung und wuchtete die Trophäe in die Höhe, fast so, als wäre sie der Preis für den Sieger der Champions League. Hinter ihm stieg Feuerwerk auf, Silberkonfetti wurde in den Abendhimmel von Porto geblasen. Ronaldo war wieder einmal der Gewinner nach seinem möglicherweise letzten Finale mit der Nationalmannschaft. Er war wieder einmal der Mann, der den Erfolg symbolisiert, auch im Alter von 34 Jahren und trotz der aktuelle Vergewaltigungsvorwürfe gegen ihn, die er bestreitet.

Vermutlich niemand hat die Finalrunde der Nations League so ernst genommen wie er, doch das bedeutet nicht, dass seinen Landsleuten der Titel egal wäre. Im Gegenteil, die Portugiesen waren aufrichtig stolz auf den Erfolg auf heimischem Boden. Die Zuschauer schwenkten ihre Fähnchen, sie sangen "We are the Champions!" und blieben auf ihren Plätzen, bis die Mannschaft ihre Ehrenrunde beendet hatte. Der Sieg der Gastgeber, 15 Jahre nach der Finalniederlage bei der EM im eigenen Land gegen Otto Rehhagels Griechen, war sportlich verdient - und auch aus atmosphärischer Sicht ein würdiges Ende dieses Premieren-Turniers.

Die Spiele am Ende einer langen Saison waren nicht hochwertig, aber sie waren unterhaltsam und hatten jeweils eine eigene Geschichte. Portugals 3:1 im Halbfinale gegen die Schweiz war das Spiel, in dem Ronaldo mit seinem Dreierpack zeigte, dass er sich auch in zunehmendem Alter weigert, alt zu werden. Die Engländer scheiterten beim 1:3 gegen die Niederlande wieder einmal tragikomisch. Im Spiel um den dritten Platz gegen die Schweiz zeigten sie immerhin, dass sie mittlerweile Elfmeter schießen können. Und das Finale war eben das Finale, mit dem glücklichen Ende für die Gastgeber. Nach dem EM-Titel vor drei Jahren gewann Portugal auch den neuen, kleineren Wettbewerb der Uefa. Es ist ein Wettbewerb, dessen Wert noch debattiert wird.

"Die Idee war perfekt"

Die Spieler sprachen davon, dass ihnen ein solches Format gegen ähnlich starke Mannschaften deutlich lieber sei als bedeutungslose Freundschaftsspiele. Auch aus den Worten der Trainer klang Hochachtung für die Neuerung im internationalen Kalender. "Es war ein großartiger Wettbewerb, wenn man sich die ganze Saison anschaut. Die Idee mit der Nations League war perfekt", sagte Ronald Koeman, der Übungsleiter der Niederlande. Die Siege in der Hauptrunde gegen den einstigen Weltmeister Deutschland und den amtierenden Weltmeister Frankreich und der Halbfinal-Erfolg gegen England waren für ihn wichtige Schritte in der Entwicklung des Teams. Portugals Trainer Fernando Santos war in der Stunde des Erfolgs ohnehin beseelt, und das auch noch am Vorabend des Nationalfeiertags, des Dia de Portugal. "Ich bin mir sicher, dass das Turnier ein Klassiker wird", sagte er. Sein Team werde "in die Geschichte eingehen" als erster Sieger des Wettbewerbs.

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Englische Fans sorgten in Porto für Misstöne.

(Foto: imago images / GlobalImagens)

Die Stimmung bei den Spielen in Porto und dem eine knappe Stunde entfernten Guimarães hatte etwas Leichtes, Beschwingtes, doch ein paar Störenfriede gab es auch. Englands Fans belagerten tagelang Portos Innenstadt, besangen den Zweiten Weltkrieg ("Ten German Bombers") und beschämten damit den eigenen Verband, wie schon öfter. Am Abend von Portugals Halbfinale gegen die Schweiz stießen einige von ihnen auf einem zentralen Platz mit der Polizei zusammen. Beim Finale waren viele Engländer im Stadion, obwohl ihre Mannschaft nicht spielte. Sie buhten den niederländischen Verteidiger Virgil Van Dijk vom FC Liverpool aus, weil der FC Liverpool nicht besonders beliebt ist bei den Fans anderer englischer Vereine. Als Reaktion auf die Buh-Rufe gab es vom Rest des Publikums Pfiffe. Sie waren ein Zeichen dafür, dass man grundsätzlich genervt war vom Betragen des englischen Anhangs.

Quelle: n-tv.de

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