Fußball

Die absurde Wucht der Wade Nichts Neues bei Neuer. Alle enttäuscht.

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Die Verletzung an der Wade ist nicht so schlimm. Das sagt Manuel Neuer während einer Pressekonferenz beim FC Bayern.

(Foto: imago images / ActionPictures)

Am Dienstag lädt der FC Bayern für den Mittwoch zur Pressekonferenz mit dem verletzten Manuel Neuer. Das muss ja spektakulär werden: mindestens irgendein Rücktritt, wird medial hyperventiliert. Aber alles Quatsch. Es geht nur um die Wade, die ist ein bisschen kaputt.

Der FC Bayern hatte alle gewarnt. Zumindest alle, die auf der Klub-Homepage den Anreißer zum Pressetalk mit Manuel Neuer angeklickt hatten. Es würde in jenem Pressetalk lediglich (das Wort hatten sie freilich nicht genutzt) um die beim letzten Spiel gegen die Fortuna in Düsseldorf erlittene Verletzung des Torwarts gehen und natürlich auch um die anstehenden Spiele in der Fußball-Bundesliga und im DFB-Pokal jeweils gegen Werder Bremen. So hatten sie geschrieben, die Münchener. Sie hatten wirklich alles versucht, um die Wucht von der nur ein bisschen kaputten Wade ihres Kapitäns zu nehmen. Die ist es nämlich, die ihm gerade wehtut. Und über die er (man) sprechen sollte. Über mehr nicht (außer halt Werder).

Und was passierte? Es wurde tatsächlich über die Wade gesprochen. Über Werder. Und auch ein bisschen über seinen Vertreter Sven Ulreich, der seine Sache gut mache. Aber nicht, wie vorab tüchtig gemutmaßt, über einen Neuer-Rücktritt, wovon auch immer. Oder sogar sein Karriereende mit 33 Jahren - wegen sich zuletzt häufender Verletzungen, nach 86 Länder-, 372 Bundesliga- und 100 Champions-League-Spielen.

WAS FÜR EINE ENTTÄUSCHUNG! Nun ist es nicht so, dass irgendjemand Manuel Neuer irgendwas Schlechtes wünscht. Zumindest ist uns niemand bekannt. Selbst jene nicht, die mit aller Fassungslosigkeit beobachten (Anmerk. d. Red.: der Autor des Textes übrigens nicht), wie der nicht mehr übermenschliche Neuer weiter das Tor der deutschen Nationalmannschaft besetzt, obwohl Marc-André ter Stegen alles versucht, um den Bundestrainer Löw von seiner Nummer-eins-Tauglichkeit zu überzeugen. Und dennoch: Das Medienzentrum an der Säbener Straße in München war an diesem Mittwochmittag nicht deswegen bestens besucht, weil die Aufgekreuzten die Nachricht über den geplanten Comeback-Termin des Torwarts am 11. Mai nach der knapp vierwöchigen Zwangspause unbedingt wegtickern wollten. Sondern weil a) Pressekonferenzen mit verletzten Spielern eher ungewöhnlich sind und b) Manuel Neuer kein gewöhnlicher Spieler ist, sondern als Bayern- und DFB-Kapitän ein außergewöhnlicher und in den vergangenen beiden Jahren auch ein außergewöhnlich oft verletzter.

Die wichtigste Wade der Nation bleibt Ballacks

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Aber: In München redete wirklich nur ein verletzter Spieler darüber, wie man sich so als verletzter Spieler fühlt. Nur: Trotz der angekündigten und tatsächlichen Banalität des Ereignisses hatte dieses ob seines ungewöhnlichen Vorlaufs - Neuer verletzte sich am Sonntag, die Einladung kam am Dienstag, der Termin stand aber schon länger fest - in den Medien (auch bei n-tv.de) für ziemlich absurde Auswüchse gesorgt. Mindestens ein Neuer-Rücktritt, so die verbreitete aufgeregte Überzeugung, würde schon verkündet werden. Womöglich sogar das Karriereende des 2014er-Weltmeisters. Warum sonst wollte der Klub die Bewegtbilder des Gesprächs exklusiv live über seine Homepage (andere Streams liefen leicht zeitversetzt) senden? Warum sonst verkaufte der Klub ein Re-Live-Video (eine Aufzeichnung in voller Länge) der Medienrunde vorab als besonderen Service auf fcbayern.com? Wegen einer leicht lädierten Wade? Der nicht mal wichtigsten des Landes - die gehört ja wohl noch immer Michael Ballack.

Tja, so ist es tatsächlich gewesen. So passierte nichts Großes. Nichts Ungeplantes. Nichts Eskalierendes wie beim letzten kurzfristig angesetzten Pressetalk der Münchener mit äußerst unüblicher Besetzung - der Grundgesetzmedienbelehrung (lies: Grundgesetz Medien Belehrung) im Oktober des vergangenen Jahres. Aber immerhin: Neuer geht's ganz gut. Klar, ein bisschen frustriert ist er schon. Wegen der Zwangspause. Diese Verletzung habe sich nicht angedeutet. Er fordert von seiner Mannschaft (als Kapitän darf er das freilich), das sie beide Spiele gegen Bremen gewinnt und warnte, die Bremer seien sehr spielstark und hätten gerade in der Offensive gute Fußballer. Und mahnte sein Team, dass es bis zum Ende der Saison alles gibt. Das (also das Ende) möchte er wieder zwischen den Pfosten stehend erleben. So. Und jetzt soll bitte, bitte niemand enttäuscht sein. Neuer hat doch geliefert.

Am Donnerstag bittet übrigens Trainer Niko Kovac zum Pressetalk. Es geht, so steht es im Anreißer auf der Klubseite, um Werder Bremen. Um Erwartungen und Eindrücke. Der FC Bayern sendet ab 13.30 Uhr live. Als besonderen Service bietet der Klub vorab bereits ein Re-Live-Video an. Alles wie immer. Oha.

Den kompletten Informationsfuror des Pressetalks hat der Kollege Till Erdenberger für Sie hier getickert!

Quelle: n-tv.de

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