Fußball

Bundesliga-Check: FC Augsburg Niederlechner soll für Langeweile knipsen

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Florian Niederlechner soll beim FC Augsburg die Spannung rausnehmen und für mehr Flexibilität sorgen.

(Foto: imago images / Krieger)

Klammheimlich hat sich der FC Augsburg in acht Jahren Bundesliga zu einer Konstante gemausert. Nach einer überraschend aufregenden Saison soll es nun wieder ruhiger werden - manche ersehnen gar Langeweile. Hoffnung macht ein Neuzugang, der nicht nur sportlich zu den Schwaben passt.

Der FC Augsburg ist um eine Attraktion ärmer. Innenverteidiger Martin Hinteregger verlässt den Tabellen-15. der vergangenen Bundesliga-Saison endgültig. Und zwar in Richtung Eintracht Frankfurt, der Österreicher hat seinen Willen bekommen. Nachdem er zum Trainingsstart knallhart mit einem Rucksack seines neuen Herzensvereins angerückt war und wenig subtil verdeutlichte, dass er lieber gestern als heute zu seinem Leihklub zurückkehren möchte.

Der neue Trainer Martin Schmidt hatte seine Philosophie so beschrieben: "Ich will ein Team auf dem Platz haben, nicht elf Einzelspieler." Im Zusammenhang mit Hinteregger klingt das fast erleichtert. Jetzt kann also wieder Ruhe einkehren bei den so bodenständigen Schwaben, nicht wenige Fans werden genauso aufatmen wie Podcasterin Kristell Gnahm (siehe unten). Denn genug Aufregendes gibt es zum Start der neuen Saison auch so.

Was gibt‘s Neues?

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Martin Schmidt ist beinahe schon eine Konstante beim FCA: Der Trainer übernahm sein Team im April.

(Foto: imago images / Krieger)

Beim FC Augsburg der neuen Saison wäre es fast einfacher, zu fragen, was denn beim Alten bleibt. Da ist Trainer Martin Schmidt gefühlt schon ein alter Hase bei den Schwaben - schließlich ist der 52-Jährige bereits seit 9. April Chefcoach und hat schon wahnsinnige sechs Spiele mit Augsburg auf dem Buckel. Dennoch sagt Insiderin Gnahm: "Wir haben einen neuen Trainer, der nur ganz wenige Spiele in der alten Saison hatte. Ich bin wahnsinnig gespannt, was Martin Schmidt mit dem Team machen kann." Zumal das Team ebenfalls neu zusammengestellt ist: 13 Zugänge hat der Schweizer bereits im Kader, 14 Spieler haben den Klub dagegen verlassen - inklusive des streitlustigen Hinteregger. Manager Stefan Reuter sagte der "Sport Bild" zufolge: "Wir brauchen Frische im Verein. Es war alles vielleicht etwas eingefahren." Und prompt sorgte er selbst an strategischer Position für frischen Wind: Für die Planung des Kaders ist neuerdings Timon Pauls verantwortlich. Der 27-Jährige war zuvor Nachwuchs-Chefscout des FC Bayern.

Aber sein Kader ist nicht mal das auffälligste Neue. Das richtig Neue spielt sich nämlich hinter den Kulissen ab. Das Rehateam wurde deutlich vergrößert, der Kraftraum bietet mehr Platz für tägliche Schikanen und auch die Leistungsdiagnostik wurde professionalisiert. Schmidt erklärte im "Kicker" den Grund: "Erfolg ist vielleicht nicht planbar, Leistung jedoch schon."

Auf wen kommt es an?

"An Florian Niederlechner werden wir sehr viel Freude haben", sagt Gnahm. "Er hat in den Testspielen schon gezeigt, dass er wirklich das Zeug zum Top-Neuzugang hat." Und dann gibt es ja noch das wohl triftigste Argument, sagt sie mit einem Lachen: "Außerdem heißt er Niederlechner und wechselt jetzt zu uns an den Lech. Es ist doch eigentlich ein Wunder, dass er nicht schon immer bei uns gespielt hat." Niederlechner kommt als Unterstützung für Alfred Finnbogason. Der Isländer war in der vergangenen Saison mit zehn Treffern der erfolgreichste Augsburger Torschütze. Aber der 30-Jährige konnte nur in 18 Partien mitmischen, den Rest der Zeit war er verletzt - und genau da liegt das größte Problem. Als Ersatz kam im vergangenen Jahr Julian Schieber - was allerdings aufgrund dessen eigener Verletzungssorgen nach hinten losging. Niederlechner dagegen "hat schon ganz viele Tore geschossen, er kommt mit ganz vielen Vorschusslorbeeren aus Freiburg", so Gnahm.

Was fehlt?

Ein Torwart. Also einer, auf den sich in Augsburg alle einigen können. Vertraut man dem Mannschaftsfoto, könnte Fabian Giefer die neue Nummer eins werden, schließlich sitzt der 29-Jährige in der Mitte der drei Torhüter. Er ist einer, der alles mitbringt für eine moderne Besetzung auf seiner Position. Sein Talent ist groß, seine Paraden sehenswert. Hätte er nicht einen Makel: Giefer fällt immer wieder durch fiese Patzer auf. Und genau diese dürften laut Gnahm Vorurteile gegen ihn schüren. Mit Andreas Luthe, dem Oldie unter den Keepern, könnte die Expertin "gut leben", er sei aber eher einer, den man im Ernstfall von der Bank bringen kann. Laut "Estadio Deportivo" hat der FCA zudem ein Angebot für Sergio Rico vom FC Sevilla abgegeben, klar ist aber noch nichts.

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Das Ende mit Schrecken ist nicht vergessen.

(Foto: imago images / regios24)

Auch auf der Rechtsverteidigerposition könnte es noch Nachschub geben, wünscht sich Gnahm. Dort spielte in der letzten Partie der abgelaufenen Saison der 18-jährige Simon Asta. Nun ja, wenn das Ergebnis 1:8 lautet … Raphael Framberger ist wie Asta aus dem eigenen Nachwuchs hochgerückt, kuriert aber derzeit einen Kreuzbandriss aus. Im Trainingslager spielte rechts mit dem aus Darmstadt zurückgekehrten Tim Rieder einer, der eigentlich Innenverteidiger ist. Bleibt nach derzeitigem Stand noch Georg Teigl, der allerdings erst sechs Bundesligaspiele in einer Startelf bestritten hat, obwohl er schon 28 Jahre alt ist. Wer also der kommende Rechtsverteidiger der Augsburger sein könnte, ist (noch) unklar. Das neueste Gerücht auf transfermarkt.de lautet Kevin Rüegg vom FC Zürich. Der 20-jährige Schweizer hat demnach einen Marktwert von sechs Millionen Euro, was vor allem mit Blick auf die kolportierten zwölf Millionen Ablöse, die es für Hinteregger gab, nicht allzu kostspielig wäre. Ein anderes Problem gibt es allerdings: Rüegg musste sich Ende Mai einer Knie-OP unterziehen und ist noch nicht wieder fit.

Was sagt die Insiderin?

"Die vergangene Saison würde ich unter 'Gerade noch einmal gut gegangen' und 'Glück gehabt, dass sich andere noch dümmer angestellt haben' verbuchen. Die Mannschaft hatte viel von dem verloren, was den FCA bislang immer in der Liga gehalten hat und wir haben die Saison mit Ach und Krach über die Ziellinie gebracht. Wenn du am letzten Spieltag mit 1:8 gegen Wolfsburg verlierst, geht die Sommerpause mit einem ganz schlechten Gefühl los. Von daher wünsche ich mir diesmal eine total langweilige Saison. Wir könnten einfach nur im Mittelfeld vor uns hindümpeln, keine lange Siegesserie und keine lange Niederlagenserie haben, sondern immer mal gewinnen, mal Unentschieden spielen und mal wieder ein bisschen verlieren. So etwas total Langweiliges wäre schön. Weil die letzte Saison viel zu aufregend war, gerade für Augsburger Verhältnisse.

Wir sind eigentlich eine graue Maus, diese Unruhe von außen, da wissen wir gar nicht mit umzugehen. Wir hatten diese eine Woche in der Winterpause, in der plötzlich Jens Lehmann verpflichtet wurde und dann der Ärger mit Caiuby war und das Hin und Her mit Martin Hinteregger - das war ganz, ganz wild und ich habe meinen Verein nicht wiedererkannt. Ich wünsche mir, dass wir uns das komplett sparen, dass es wieder der FCA ist, den ich kenne und schätze. Der weder nach unten arg zittern muss, noch fünf Spiele hintereinander gewinnt und plötzlich wieder in andere Regionen der Tabelle kommt. Da drehen wieder alle durch und denken an Liverpool. Also ganz langweilig und ein paar Spieltage vor Schluss auf Platz zwölf rumhängen, das wäre super."

(Kristell Gnahm podcastet über ihren FC Augsburg unter "Auf die Zirbelnuss", der in jedem Podcatcher sowie über meinsportpodcast.de zu finden ist. Außerdem ist sie eine der Expertinnen bei "Früf – Frauen reden über Fußball", ebenfalls zu finden in jedem Podcatcher.)

Wie lautet das Saisonziel?

"Meine ganz große Hoffnung ist, dass die Mannschaft und die Vereinsführung aus dem vergangenen Saisonstart gelernt hat und nicht mit zu viel Optimismus reingeht, sondern mit der nötigen realistischen Einschätzung", sagt Gnahm. "Bei uns geht es nur um den Klassenerhalt und erstmal um überhaupt nichts anderes. Alles andere ist völlig egal." Schmidt sieht das laut "Kicker" ganz genauso, allerdings mit einer großen Portion Selbstbewusstsein: "Wir werden auf einem Platz landen, durch den wir 2020/21 in die zehnte Bundesliga-Saison der FCA-Geschichte gehen können."

Die Prognose von n-tv.de

Das Startprogramm

Borussia Dortmund (A)

1. FC Union Berlin (H)

Werder Bremen (A)

Eintracht Frankfurt (H)

SC Freiburg (A)

Bayer 04 Leverkusen (H)

Sanfter Einstieg nach horrormäßigem Ausklang? Nichts da! Für den FCA startet die neue Saison bei Borussia Dortmund, viel schwerer geht es bekanntlich nicht, wobei Schmidt das völlig anders sieht: "Dortmund und Bayern auswärts sind die einfachsten Spiele im Jahr. Da unterschätzt das Team den Gegner sicherlich nicht und die Erwartungshaltung ist nicht so hoch." Also heißen die harten Brocken etwa 1. FC Union, SC Paderborn und SC Freiburg. Die Klubs, die potenziell doch bitte mithelfen sollen, dass es in Augsburg langweilig zugeht und die schön in der Tabelle unten stehen dürfen. Nun, das klappt wohl nur mit einem starken Rückhalt im Tor - und wenn es in Augsburg ruhig bleibt. Immerhin endet die Saison nicht beim VfL Wolfsburg, sondern zu Hause gegen Leipzig. Bis dahin warten 34 Spieltage, nach denen es heißt: Herzlichen Glückwunsch, Sie haben Ihr Saisonziel erreicht.

Quelle: ntv.de