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"Sehr aufschlussreiches Jahr" Niko Kovac sorgt für Nebel beim FC Bayern

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Niko Kovac

(Foto: dpa)

Ein Remis und einen Sieg braucht Niko Kovac noch, um die Saison beim FC Bayern mit dem Double zu krönen. Er würde zwei Argumente sammeln, die seine Position in München festigen. Vor dem Bundesliga-Finale aber überrascht der Trainer mit einer emotionalen Pressekonferenz.

Den Meistertitel zum Abschied vom FC Bayern, den möchte Arjen Robben gerne noch mitnehmen. Das hat der Niederländer diese Woche angekündigt. Am liebsten würde er noch einmal ein Spiel der Münchener entscheiden, wie er es so oft getan hatte in den vergangenen zehn Jahren. Auf Vorlage von Franck Ribéry. Einmal, zweimal - dann hätte er auch noch die Marke von 100 Ligatoren geknackt. Dann hätte er den FC Bayern mutmaßlich zum 29. und seinen Trainer zum ersten Meistertitel geschossen. Ob's so kommt? Nun, über die Aufstellung mochte Niko Kovac an diesem Donnerstagmittag bei Spieltagspressekonferenz nicht sprechen. Ob Robben spielt? Von Beginn an? Kein Bekenntnis. "Ich lasse sie da jetzt im Nebel", sagte er.

Mit Bekenntnissen tun sie sich ja aktuell ohnehin sehr schwer beim FC Bayern. Eigentlich vor allem, wenn es um ihren Trainer geht. Niko Kovac erlebt seit Wochen den Meinungsextremismus seiner Vorgesetzten. Dieser changiert irgendwo zwischen Wunschtrainer und unerwünschter Trainer. Ob nun aber erwünscht oder nicht, einen Wunsch hat das sehr heterogen sprechende Münchener Chefkollektiv um Präsident Uli Hoeneß, um Klubchef Karl-Heinz-Rummenigge und um Sportdirektor Hasan Salihamidzic an den Trainer vor diesem 34. Spieltag der Fußball-Bundesliga: Gemeinsam mit seiner Mannschaft soll er nun bitte den zweiten Matchball zur Meisterschaft verwandeln, am Samstag gegen die immer noch um die Champions League kämpfende Eintracht aus Frankfurt (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de).

Ein Sieg reicht zum 29. Titel der Klubgeschichte. Ein Remis auch, dafür hatten die Bayern mit ihren Statement-Siegen im März und April gesorgt. Denn das Torverhältnis auf Verfolger Borussia Dortmund ist auf plus 17 angewachsen. Nur bei der Niederlage droht tatsächlich noch eine "Scheißsaison". So hatte Salihamidzic am vergangenen Samstag im Sportstudio ein Ende ohne Schale genannt. Der Mann, den sie Brazzo nennen, löste mit seinem ZDF-Auftritt reichlich Verwirrung aus und verlieh der ohnehin unsäglichen Dauerdiskussion um den Trainer eine unnötige Wucht.

Nicht nur hatte er den Druck durch seine Was-wäre-wenn-Saisonbilanz erhöht, er hatte auch den Verbleib von Kovac über das Saisonende offengelassen. Zwar versprach er ihm die "volle Unterstützung" und fand, dass "die Fakten für den Trainer sprechen", mildern konnte er das immense Kopfschütteln der Medien und Experten nicht. In der Woche vor dem Titelfinale überlagerte das nächste Nicht-Bekenntnis eines Bosses jedes andere Thema. Kovac berührt das nicht. Zumindest sagt er das. Was soll er auch sagen? Für ihn seien diese Diskussionen "Nebensächlichkeiten. Alles, was gesagt wird, was überlegt wird, was nicht gesagt wird - das interessiert mich nicht. Ich möchte Meister werden mit meiner Mannschaft, mit meinem Klub".

"Möchte den Vertrag gerne erfüllen"

Und der darf auch in der kommenden Saison FC Bayern heißen. "Ich habe hier einen Vertrag, der nach dieser Saison noch zwei Jahre geht. Und den möchte ich gerne erfüllen", erklärte Kovac. Wie immer sehr höflich. Klingt so ein Bekenntnis zum Verein? Nach dem war er von einem Journalisten im Presseraum an der Säbener Straße gefragt worden. Aufgeben, das wird er nicht. Das hat es bei ihm nicht gegeben, das wird es bei ihm nie geben. "Was kommt, kommt", sagt Kovac. Rein sportlich wähnt er die Basis für die Zukunft gelegt. Seit dem 3:3 zuhause gegen Fortuna Düsseldorf auf dem Höhepunkt des Krisenherbsts im November 2018 "haben wir eine gute Entwicklung genommen. Es geht in die richtige Richtung". Er gehe, so sagte er dann weiter, davon aus, "dass es auch die nächste Saison so sein wird". Dass er trotz vielen Siegen, wenigen Remis' und nur zwei Niederlagen seit dem Düsseldorf aber wohl mindestens einen Pokal für eine Weiterbeschäftigung braucht, das ist dem 47-jährigen bewusst. "Wir wollen und müssen Titel holen."

Das ist der Zwang, dem die Angestellten des Klubs unterliegen. Es ist aber kein Zwang, den Kovac sich selbst auferlegt. "Ich bin total unabhängig. Wenn ich irgendwann nicht mehr hier bin, werde ich mein Leben genauso weiterleben wie vorher." Und weil diese Worte nun etwas zu sehr nach Abschied interpretiert werden könnten, sagte er auch: "Ich mache das aus Freude, für mich ist das Geld nicht das primäre Ziel. Ich kann und will es beeinflussen mit guter Leistung - und wenn es anders ist, irgendwann mal, dann ist das so." Dass mit der Freude ist aber so eine Sache.

Die strahlte der Klub in dieser Saison selten aus. Das Handeln vor allem der Alphatiere wurde häufiger als gewöhnlich mit Kopfschütteln verfolgt. Auch bei Kovac hat diese, seine erste Saison in München Spuren, vielleicht Narben hinterlassen. Als er nach seiner persönlichen Bewertung gefragt wurde, sagte er: "Es war sehr aufschluss- und lehrreich. Ich habe gemerkt, wie schwierig es ist, Mensch zu bleiben. Wir müssen eine gewisse Ebene haben, die nie unterschritten werden darf. Ich habe immer gesagt: So, wie ich jemanden behandle, möchte ich auch behandelt werden. Wir müssen einfach mal den Mitmenschen sehen und mehr Empathie an den Tag legen. Nicht immer draufhauen. Ein Beispiel: Wenn ich Ihnen jetzt eine kleben würde, hätten Sie kurzzeitig Schmerzen, aber es würde vorüber gehen. Viel schlimmer aber ist: die Seele. Das tut viel mehr weh, das geht nicht weg." An wen er seine emotionalen Worte gerichtet waren? An die Medien? An die Klubchefs? An so manchen Spieler? Nichts als Nebel.

Quelle: n-tv.de

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