Fußball

BVB-Boss Watzke warnt Ohne Geisterspiele "säuft die Bundesliga ab"

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Wählte drastische Worte, weil es für ihn um "die Rettung des Fußballs geht": BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bangt um die Bundesliga.

(Foto: dpa)

Für Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist eine Saison-Fortsetzung mit Geisterspielen für die Fußball-Bundesliga unumgänglich. Denn dabei ginge es um nicht weniger als "um die Rettung des Fußballs". Eine Sonderstellung seines Sports erkennt der BVB-Boss aber nicht.

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund hat die Bedeutung einer Saison-Fortsetzung mit Geisterspielen für die Fußball-Bundesliga mit drastischen Worten bekräftigt. "Wenn wir die nächsten Monate nicht mehr spielen, dann säuft die ganze Bundesliga ab. Dann wird es die in der Form nicht mehr geben, wie wir sie gekannt haben", sagte Watzke dem TV-Sender Sky. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hofft im Mai auf eine Wiederaufnahme der wegen der Coronavirus-Pandemie unterbrochenen Spielzeit. Dafür hat die DFL ein medizinisches Konzept vorgelegt. Mit Geisterspielen sollen die verbleibenden neun Spieltage in der Bundesliga und der 2. Liga absolviert werden. Dann könnten die Klubs auch über den Rest der vereinbarten TV-Gelder verfügen. Dabei steht eine Summe von angeblich 300 Millionen Euro auf dem Spiel.

Watzke versicherte, dass er die Kritik vieler Fangruppen verstehe, die sich teils vehement gegen Geisterspiele ausgesprochen hatten. "Natürlich weiß ich auch, dass viele Fans sagen, die Stimmung im Stadion ist doch nicht da, die kommt doch im Fernsehen nicht so rüber. Das ist völlig klar", sagte der 60-Jährige. Es gehe aber nicht um eine Kleinigkeit für die Liga. "Es geht ja hier um die Rettung des Fußballs", sagte Watzke.

"Wir wollen nicht benachteiligt werden"

Die Sorgen um Fan-Massen vor den Stadien bei Geisterspielen in der Fußball-Bundesliga hält Watzke für unbegründet. "Ich kenne keine Fan-Gruppierung, die für Aufläufe vor den Stadien sorgen wird", sagte der 60-Jährige. Sollte es solche "Exzesse" geben und damit gegen die Abstandsregeln in der Corona-Pandemie verstoßen werden, "wäre wieder Schluss mit einem Spielbetrieb", so Watzke. Aber er betonte: "Den Fußball unter Generalverdacht zu stellen, ist auch nicht in Ordnung." Zuvor hatte unter anderem die Gewerkschaft der Polizei (GdP) davor gewarnt, dass Fans sich in größeren Gruppen bei Geisterspielen vor den Arenen versammeln könnten. "Das wäre verheerend. Es darf während dieser Pandemie nicht zu großen Menschenansammlungen vor den Stadiontoren kommen. Das ist nicht nur verboten, es wäre unverantwortlich", sagte GdP-Vize Jörg Radek in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Der BVB-Boss fuhr in der Sendung "Wontorra - Allein zu Hause" fort und konterte der großen Kritik, die der DFL und der Bundesliga in den letzten Tagen nach Vorstellung des Konzepts zu einer möglichen Wiederaufnahme des Spielbetriebs entgegenschlug: "Wir wollen nicht im Ansatz eine Sonderstellung. Aber nochmal, es ist auch nicht mit Breitensport zu vergleichen, sondern wir wollen unseren Berufen nachgehen." Man wolle keine "staatlichen Hilfen und gar nichts", so Watzke. "Wir haben ein Konzept entwickelt, was uns viel Geld kostet. Aber das tun wir alles, damit wir wieder unserem Beruf nachgehen. Wir wollen keine Sonderstellung, definitiv nicht, wir wollen aber auch nicht benachteiligt werden", sagte der 60-Jährige.

"Müssen halt Zweikämpfe machen"

Eine Nachbesserung am Sicherheitskonzept schloss Watzke aus. "Mehr geht nicht", sagte er. "Wenn man unser Konzept jetzt ablehnt, wird sich auch in acht Wochen daran nichts ändern", so der BVB-Boss: "Wir haben ein Maximum an Sicherheit entwickelt. Dass wir Zweikämpfe machen müssen, ist halt so. Auch wenn der Friseur aufmacht, gibt es Körperkontakt. Er kann es mit Maske abfedern. Wir federn es ab, indem wir unsere Spieler bestmöglich isolieren und Dauer-Tests machen." Sowieso laufe ein möglicher Wiederbeginn unter Bewährung. "Wir machen keine Exzesse, das ist doch klar."

"Nur weil der Fußball vielleicht innerhalb der Gesellschaft eine sehr relevante Rolle eingenommen hat, aber daraus kann ja jetzt nicht der Schluss sein, wir müssen jetzt alles versuchen zu verhindern, dass irgendjemand noch sagt, der Fußball beansprucht eine Sonderrolle", ergänzte Watzke.

Die DFL hatte am Donnerstag ihr Konzept für eine mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Bundesliga und 2. Bundesliga in der Corona-Krise vorgestellt. Dieses sieht Geisterspiele vor - schon am 9. Mai könnte es weitergehen. Allerdings sind die Klubs auf die Politik angewiesen. Sie muss die Pläne absegnen.

Quelle: ntv.de, dbe/dpa/sid