Fußball

Verstrickungen der Fußballwelt "Panama Papers" belasten auch Messi

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Die Familie Messi versuchte sich in den vergangenen Jahren auch im Dribbling mit Millionen.

(Foto: imago/Xinhua)

Auch zahlreiche Sportstars und Funktionäre sollen laut den "Panama Papers" in zweifelhafte Finanzgeschäfte verwickelt sein. Darunter befindet sich kein Geringerer als Weltfußballer Lionel Messi. Gegen den läuft ohnehin schon ein Steuerprozess.

Lionel Messi gehört weltweit zu den Großverdienern unter den Spitzensportlern. Der argentinische Vize-Weltmeister und Weltfußballer soll nach Angaben von "France Football" allein 2015 rund 65 Millionen Euro eingestrichen haben, wobei sein Bruttosalär beim FC Barcelona stattliche 36 Millionen Euro betragen haben soll.

Doch welcher Anteil von seinem Jahresverdienst wurde auch rechtmäßig versteuert? Das ist die Gretchenfrage, die viele Fans von "La Pulga", dem Floh, beschäftigen. Der 28-jährige Messi gehört zu den Sport-Weltstars, die in den sogenannten "Panama Papers" auftauchen. Über Briefkastenfirmen und dubiose Finanzdeals sollen sie Einnahmen verschleiert haben.

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Oh wie schön ist Panama: Das dachte sich einst auch Michel Platini.

(Foto: dpa)

Auch der für sechs Jahre suspendierte Uefa-Präsident Michel Platini und der für zwölf Jahre aus dem Verkehr gezogene einstige Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke sind anscheinend involviert. Außerdem gibt es Fifa-Ermittlungen gegen Juan Pedro Damiani, Mitglied des Fifa-Ethikkomitees, wegen eines möglichen Verstoßes gegen den Fifa-Ethik-Code.

Das berichteten unter anderem die "Süddeutsche Zeitung" und das Internationale Netzwerk investigativer Journalisten ICIJ. Ein riesiges Datenvolumen aus den letzten Jahrzehnten, das von der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca mit Sitz in Panama stammt, wurde analysiert und entschlüsselt.

Prozess in Spanien

Barca-Superstar Messi soll im Verbund mit seinem Vater und Manager Jorge Horacio Messi von 2005 an zum Schein seine Bildrechte an Offshore-Firmen übertragen haben. Der spanische Fiskus schaute offensichtlich in die Röhre. Am 31. Mai beginnt in Spanien deshalb ein Prozess gegen die Messis wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung.

Lionel und Jorge Messi sollen zwischen 2007 und 2009 Steuern in Höhe von insgesamt 4,1 Millionen Euro hinterzogen haben. Der spanische Fiskus hat für die beiden Argentinier eine Haftstrafe von je 22,5 Monaten gefordert, eine Gefängnisstrafe ist jedoch unwahrscheinlich. Messi hat die Steuerforderung inzwischen beglichen - plus Zinsen.

Nach SZ-Informationen soll in den "Panama Papers" nun eine bislang unbekannte Scheinfirma auftauchen mit dem Namen "Mega Star Enterprises", die im Besitz der Messis ist. Der Weltfußballer reagierte erbost auf die Veröffentlichungen und kündigte an, die SZ und den Rechercheverbund ICIJ zu verklagen. Man fühle sich denunziert.

Offshore-Aktivitäten von Platini

Platini soll nach Angaben des ICIJ im Jahr 2007 ebenfalls eine Offshore-Firma in Panama gegründet haben. Der einstige französische Weltstar war wegen einer ominösen 1,8-Millionen-Euro-Zahlung durch den ehemaligen Fifa-Boss Joseph Blatter (Schweiz) im Jahr 2011 für sechs Jahre von der Fifa-Ethikkommission gesperrt worden. Die gleiche Sperre hatte auch der Walliser Blatter erhalten. Beide haben den Internationalen Sportgerichtshof Cas angerufen, um die Sperre aufheben zu lassen.

Platini ließ der französischen Nachrichtenagentur AFP über seine Medienanwälte mitteilen, dass er seine gesamten finanziellen Einkünfte und Besitzverhältnisse den Schweizer Behörden seit 2007 zugänglich gemacht habe. Als Uefa-Chef hatte Platini seinen Wohnsitz in der Nähe der Zentrale der Europäischen Fußball-Union (Uefa) in Nyon.

Valcke, vom Weltverband Fifa Anfang des Jahres fristlos gefeuert, taucht offenbar in den Unterlagen als Eigentümer einer im Juli 2013 gegründeten Offshore-Firma auf und soll darüber eine Yacht erworben haben. "Veröffentlichen Sie, was Sie wollen", antwortete Valcke auf SZ-Anfrage. Die Firma existiere nicht mehr, habe keine Gelder gehabt und "nie ein Bankkonto besessen und nie Geschäftsaktivitäten gehabt".

Aber auch die Fifa kommt nicht zur Ruhe. Gegen den Uruguayer Damiani, Präsident von Penarol Montevideo, hat die Fifa-Ethikkommission aufgrund mutmaßlicher Geschäftsverbindungen mit dem im Korruptionsskandal geständigen Eugenio Figueredo (Uruguay) interne Vorermittlungen eingeleitet. Das bestätigte die Fifa. Nach den Medien-Enthüllungen überprüfe die Ermittlungskammer des Ethikkomitees, ob ein Verstoß gegen den Ethik-Code der Fifa vorliege, anschließend werde über weitere Schritte entschieden.

Quelle: n-tv.de, Ralph Durry, sid

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