Fußball

Perfektes Umfeld Podolski hat die Chance auf ein Happy-End

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Warmer Empfang für Podolski in Mailand. Bei Inter will der Nationalspieler endlich wieder regelmäßig spielen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Lukas Podolski wollte weg aus London. Er wollte wieder Fußballspielen. Bei Inter Mailand will er sein Glück finden. Ist der 29-Jährige zu feige für den Konkurrenzkampf? Oder ist der Gang nach Italien die richtige Entscheidung?

Ein deutscher Fußball-Weltmeister in Italien. Das gab’s doch schon einmal. Richtig. Anfang der 90er Jahre tummelte sich unter anderem mit Lothar Matthäus, Andreas Brehme und Jürgen Klinsmann gleich ein ganzer Haufen begabter Kicker in der italienischen Elite-Klasse Serie A. Und sie waren erfolgreich. Und sie wurden geliebt. Und genau das, will Lukas Podolski auch. Erfolgreich sein, geliebt werden. Alles richtig gemacht also?

Nun, der Wechsel des gebürtigen Polen erinnert ein bisschen an die Neuverfilmung eines alten Klassikers. Die Vorfreude ist groß, die Spannung auch. Kann der Neue halten, was die Alten so begeisternd vorspielten? Lukas Podolski möchte sich beweisen. Er ist der Protagonist in der Neuverfilmung. Ein alter Filmheld quasi, der seine letzte Chance auf eine große Rolle erhält. Er will an vergangene Erfolge anknüpfen. Für sich, für den Verein. Das ist eine große Herausforderung.

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Viel Grund zum Jubeln hatte Lukas Podolski zuletzt bei Arsenal London nicht.

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Lukas Podolski kann diese Herausforderung bewältigen. Natürlich, er ist Weltmeister. Das ist ein Gütesiegel. Eines, was beim ambitionierten Londoner Klub Arsenal zuletzt nicht mehr geschätzt wurde. Zwar hat der Prinz auch bei den Gunners immer mal wieder gezeigt, dass sich der Trainer auf ihn verlassen kann. In fünf Champions-League-Einsätze traf er in dieser Saison immerhin dreimal. Keine schlechte Quote. Und trotzdem durfte er in der Liga kaum mal beweisen, was er beweisen wollte. Dass er ein Spieler ist, der regelmäßig auf dem höchstem Niveau bestehen kann.

Arsenal-Coach Arsene Wenger hat Podolski das nicht mehr zugetraut. Der Franzose bevorzugt in seinem offensiven System Spieler, die wendig sind, flexibel, kreativ, immer eine pfiffige Idee im Kopf haben. Ähnlich wie Bundestrainer Joachim Löw. Doch der Flügelstürmer ist ein anderer Typ. Eher robust als smart. Zielstrebig und abschlussstark zwar, aber oft auch ein wenig eindimensional, zuletzt fehlte ihm immer häufiger ein Plan B in seinen Aktionen. Das macht es leichter, ihn aus dem Spiel zu nehmen als seine trickreichen Konkurrenten Danny Welbeck und Alexis Sanchez oder die Nationalmannschaftskollegen Marco Reus und Mario Götze. Das wissen seine beiden Trainer. Wenger zog seine Konsequenzen. Löw bislang noch nicht.

Ein bisschen Glanz für das traurige Mailand

Im derzeit fußballtristen Mailand wartet auf den Deutschen ein anderes Terrain. Die Ansprüche des ehemals so stolzen italienischen Top-Klubs sind deutlich zurückhaltender als die der Gunners. Der 18-fache italienische Meister klemmt im Mittelfeld der Liga fest. Eine Perspektive Richtung Europa, das ist der fromme Wunsch der Fans. Verhalten für einen Verein, der früher Magnet für internationale Stars war. Vorbei sind die Zeiten, als Spieler wie Lothar Matthäus, Ronaldo oder Luis Figo für die Interisti aufliefen. Die internationalen Top-Stars treten mittlerweile lieber in Spanien, England oder bei den Bayern vor den Ball. Und genau hier liegt die Chance für Podolski.

Der 29-Jährige kommt als Weltmeister. Er hat eine lesenswerte Vita, das sportliche Talent und die Persönlichkeit, um sich in die Herzen der Klub-Anhänger zu spielen. Mit seinen Erfolgen, seinem kräftigen Bums im linken Fuß und dem rheinischen Frohsinn gibt Podolski den leidgeprüften Inter-Fans im Moment das, was die brauchen: ein bisschen internationalen Glanz und die Hoffnung auf bessere Zeiten. Und die Fans und die Verantwortlichen geben ihrem neuen Hoffungsträger zunächst das, was er sich wünscht: Liebe, Anerkennung und Vertrauen.

Es liegt nun an Podolski in diesem gemäßigteren Umfeld zu beweisen, dass er kann, was Arsene Wenger und andere Experten ihm nicht mehr zugetraut haben: regelmäßig auf höchstem Niveau spielen. Verkrampft er nicht an den eigenen Ansprüchen, denen der Fans und der Verantwortlichen, war die Flucht nach Italien die richtige Entscheidung. Setzt er sich in Mailand nicht durch, sind auch die Nationalelf und die Europameisterschaft 2016 künftig kein Thema mehr. Podolskis Karriere wäre mit dem Makel behaftet, kein ganz Großer gewesen zu sein, trotz vier Sternen auf der Brust. Es gäbe wahrlich Schlimmeres. Und trotzdem, Glück auf in Mailand!

Quelle: ntv.de