Fußball

"Weltklasse" im Glückspulli RB Leipzig startet in Königsklasse durch

Im dritten Anlauf schafft RB Leipzig den ersehnten ersten Champions-League-Sieg. Gegen den FC Porto berauscht sich das Team mit einer "Weltklasse"-Leistung. Coach Hasenhüttl greift erfolgreich in die Taktik-, aber auch die Kleiderkiste.

Ralph Hasenhüttl muss schmunzeln, als er am Ende dieses grandiosen Champions-League-Abends in Leipzig nach seinem Outfit gefragt wurde. Vor dem furiosen 3:2 (3:2)-Erfolg von RB Leipzig gegen den FC Porto hatte der RB-Chefcoach seinen schwarzen Anzug samt Krawatte wieder gegen sein Glücksoutfit getauscht: blauer Pullover, blaue Hose, weiße Sneaker. "Wenn man mit einer Klamotte zweimal nicht gewinnt, ist die Chance, dass ich sie noch ein drittes Mal anziehe, gering", erklärte Hasenhüttl. "Zwei Chancen hat er gehabt der Anzug, jetzt hängt er wieder im Schrank."

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Euphorie im Glückspulli: Ralph Hasenhüttl.

(Foto: imago/opokupix)

Hasenhüttls Kleidertausch vom staatstragenden "Königsklassen"-Aufzug zum "Blaumann" ist nicht nur für Modefans interessant, sondern passt als Metapher ganz hervorragend zum "historischen" (Hasenhüttl) ersten Champions-League-Sieg von RB Leipzig. Genau wie der Trainer seinen Anzug legten die Leipziger Spieler gegen Porto ihre Hemmungen ab und boten eine mutige, leidenschaftliche, selbstbewusste und vor allem in Halbzeit eins eine spielerisch furiose Leistung.

"Wir haben in der ersten Hälfte Weltklasse gespielt haben", schwärmte Mittelfeldmann Kevin Kampl. "Wir hatten nach vorn super Aktionen, hinten gute Ballgewinne, haben schnell nach vorn gespielt und dem Gegner aus dem Spiel heraus kaum Chancen gelassen." Und Emil Forsberg, nicht eben für Gefühlsausbrüche bekannt, sagte euphorisiert: "Das war ein geiles Fußballspiel heute. Wir sind eine tolle Mannschaft mit super Typen überall, die miteinander spielen wollen. Das haben wir heute gezeigt."

Verteidiger Willi Orban hatte vor 41.500 Zuschauern nach einem Schuss des abermals starken Bruma zur frühen Führung abgestaubt (4.). Ein Doppelschlag von Emil Forsberg (38.), der genial von Marcel Sabitzer bedient wurde, und Jean-Kévin Augustin, der Doppelpass mit Portos Abwehrspielern spielte (41.) sorgten auf Leipziger Seite für ein Torespektakel. Da RB zwei Standards in der Luft nicht konsequent genug verteidigte und Aboubakar (18.) und Marcano (44.) jeweils nach Kopfballablagen trafen, war die Partie nach fünf Treffern zur Pause dennoch noch völlig offen.

Hervorragend ausbalanciert

Zwar standen beide Teams in der zweiten Hälfte kompakter. Doch während Porto keine einzige gefährliche Szene mehr hatte, kreierte RB durch Bruma (62.), den zu eigensinnigen Augustin (73.) und den eingewechselten Timo Werner (84.) weiter Gefahr im Strafraum des portugiesischen Meisters. Die Balance zwischen defensiver Stabilität, um ja kein weiteres Gegentor zu kassieren, und Druck in der Offensive, um weiter gefährlich zu bleiben und möglichst ein viertes Tor nachzulegen, fand Rasenballsport in der zweiten Hälfte hervorragend.

"Wir haben bewiesen, dass wir gegen Topmannschaften gewinnen können", sagte Kapitän Willi Orban stolz. "Man hat in der zweiten Hälfte gemerkt, dass wir in der Spielanlage reifer werden. Wir werden cooler, können Ballbesitzfußball und mutig nach vorn spielen, auch wenn wir in Führung gegangen sind. Das hilft uns enorm."

Nach der bisweilen mühsamen ersten Saisonphase, in der auch Spieler und Trainer noch Zweifel am eigenen Vermögen hatten und sich erst ein neuer Teamspirit bilden musste, ist nun förmlich zu greifen, wie das Team zu sich selbst gefunden hat.

Das hat auch viel mit der mutigen Auf- und Einstellung von Trainer Ralph Hasenhüttl zu tun, die er dem Team nach der ersten Orientierungsphase nun im zweiten Level nach der Länderspielpause verordnete. "Im dritten Champions-League-Spiel gab es keine Ausreden mehr, ich wollte, dass wir spielen, was wir auch können", sagte Hasenhüttl. "Nach dem Spiel in Dortmund sind wir heute vollgepumpt mit Selbstvertrauen in dieses Spiel reingegangen."

KuK als brillante Doppelsechs

Dass RB Leipzig wieder zurück zu seinem leidenschaftlichen Feuerwerk-Fußball zurückgefunden hat, hängt viel mit Kevin Kampl zusammen. Der 20-Millionen-Euro-Zugang aus Leverkusen fügte sich nach kurzer Eingewöhnungszeit perfekt in die Mannschaft ein und glänzt derzeit neben Naby Keita als Dreh- und Angelpunkt im Spiel. Dabei wurde es als Wagnis interpretiert, zwei so spielstarke und offensivhungrige Akteure wie Keita und Kampl auf der Doppelsechs aufzubieten. Doch das riskante Manöver ging in Dortmund ebenso gut auf wie gegen Porto. "Im Moment sind wir mit Keita und Kampl auf der Sechs bärenstark", lobte Hasenhüttl. "Das ist ein Augenschmaus, was die beiden spielen."

Wohlgemerkt nicht nur in der Offensive, wenn Kampl den Ball vor sich hertreibt und wunderbare Diagonalbälle spielt oder Keita, das Spielgerät eng am Fuß, die Lücke für den tödlichen Pass sucht. Sondern auch in der Defensive, wo sich beide Techniker nicht zu schade sind, aufopferungsvoll zu kämpfen, jedem Ball nachzugehen. Kevin Kampl, der nach dem Spiel in den Stadionkatakomben am längsten von den Journalisten befragt wurde, sagte: "Es heißt zwar, die Aufstellung sei mutig, aber sie ist nicht zu mutig. Wir haben heute ebenso wie in Dortmund aus dem Spiel heraus nicht viel zugelassen." Klar, seien Keita und er eher offensive Typen. "Aber wir haben darüber miteinander gesprochen, wir wissen, was wir zu tun haben."

Mit nun vier Punkten hat es RBL als Gruppenzweiter selbst in der Hand, die Vorrunde zu überstehen. "Wir haben gezeigt, dass man mit uns rechnen muss", sagte Forsberg. "Wir haben alle Chancen weiterzukommen." Und Hasenhüttl, der den Glückspullover inzwischen ausgezogen hatte, prophezeite: "Wenn wir die Leichtsinnsfehler im Defensivverhalten noch in den Griff bekommen, dann haben wir eine schöne Zukunft vor uns." Bis zum Samstag, wenn der VfB Stuttgart in Leipzig, muss das blaue Glücks-Outfit wieder frisch gewaschen sein.

Quelle: ntv.de

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