Fußball

HSV-Hoffnung van der Vaart Rafael, der Retter? Eigentlich unmöglich

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Rafael van der Vaart könnte der große Retter des HSV im Relegationsrückspiel gegen den Karlsruher SC werden.

(Foto: imago/nph)

Der Hamburger SV ist das letzte verbliebene Gründungsmitglied in der 1. Bundesliga. Das kann sich heute ändern. Um das zu verhindern, setzt der HSV auf einen Spieler, der wie kein Zweiter für den Untergang des Klubs steht.

Was ist das eigentlich für eine bizarre Situation: In den vergangenen Wochen wurde Rafael van der Vaart für so ziemlich alles verantwortlich gemacht, was im Spiel des stark abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten Hamburger SV so schief lief. Und heute Abend, im Rückspiel der Relegation gegen den Karlsruher SC (ab 19 Uhr im Live-Ticker bei n-tv.de), soll ausgerechnet der Niederländer das Bundesliga-Urgestein vor dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte bewahren. Der einstige Kapitän wird aller Voraussicht nach den gesperrten Gojko Kacar im defensiven Mittelfeld der Hansestädter ersetzen.

Eigentlich - und dieses Wort an sich ist schon der Haken an der Geschichte - ist alles ganz einfach. Folgendes Szenario ist nötig, um eine neue, eine verrückte, eine ja fast romantische Heldengeschichte im Fußball zu schreiben: Rafael van der Vaart spielt von Beginn an. In seinem letzten Spiel für den HSV, sein Vertrag wurde nicht verlängert, erinnert sich der 32-Jährige noch einmal an einstige Qualitäten: Kreativität und Torgefahr. Er bringt sie ein und führt seinen Klub zum Klassenerhalt. Van der Vaart, die Krisenfigur? Wer sagt denn sowas? Van der Vaart, die Klub-Legende! Na bitte! Und er selbst ist heiß, es allen noch einmal, ein letztes Mal zu beweisen: "Ich möchte helfen, dass wir erstklassig bleiben. Dann kann ich mit einem guten Gefühl weggehen."

Aber kommen wir an dieser Stelle noch einmal auf das Wort "eigentlich" zu sprechen. Denn eigentlich ist das oben aufgezeigte Szenario heute Abend unmöglich. Der Niederländer steht wie kein zweiter Spieler im Kader der Hamburger für den Niedergang des Klubs. Einst erfolgreich, läuft's derzeit so richtig mies. Und die Erinnerungen an die guten, gemeinsamen Zeiten in blau-weiß-schwarz verblassen immer mehr.

Ein Supertalent, das Träume erfüllt

Es ist der Sommer 2005. Der HSV überrascht mit einem Transferhammer. Das Supertalent Rafael van der Vaart, gerade einmal 22 Jahre alt, wechselt an die Alster. Und mit ihm die Träume von neuen glorreichen Zeiten - national, wie international. Und wie die Träume in Erfüllung gehen. In seiner ersten Saison führt der Spielmacher Hamburg in die Champions League, danach noch zweimal in den Uefa-Cup. Van der Vaart glänzt als Kreativkraft, Ideengeber und Vollstrecker - ehe er im Sommer 2008 für 15 Millionen Euro zu Real Madrid wechselte.

Vier Jahre später kehrt der Niederländer zurück. Der Hamburger SV, inzwischen eher Abstiegskandidat als Europacup-Anwärter, überweist 13 Millionen Euro an Tottenham Hotspur. Verbunden ist die teuerste Spielerinvestition der Klub-Historie erneut mit großen Träumen – national, wie international. Und wieder geht es gut los. Mit dem Rückkehrer orientiert sich der HSV nach oben. Nach Platz 14 in der Vorsaison, geht's in der Spielzeit 2012/2013 rauf auf Rang sieben. Von nun an geht's bergab - und zwar mit vollem Tempo.

Und exemplarisch für diesen Untergang steht ausgerechnet Rafael van der Vaart. Der Niederländer wird zum Gesicht des Hamburger Misserfolgs. Zwei Jahre knüppelharter Abstiegskampf haben das einstige Talent mit Weltklassefähigkeiten komplett entzaubert. Kreativität und Spielwitz blieben auf der Strecke, einstige Torgefahr verflog, die Gegenspieler rannten ihm davon. "Was van der Vaart auf dem Platz abliefert, hat mit Fußball nichts zu tun. Das ist ein Alibi-Fußballer", hatte HSV-Torhüterlegende Uli Stein im vergangenen Jahr geschimpft.

Und nun also soll der Dauerkritisierte den Klub retten, dabei helfen das Märchen vom letzten Bundesliga-Urgestein fortzuschreiben. Er kann dem Verein und den Fans noch ein letztes Mal einen Traum erfüllen. Er kann eine neue Heldengeschichte schreiben, sich zu einer Klub-Legende machen. Eigentlich unvorstellbar. Eigentlich unmöglich. Obwohl? Eigentlich ist ja nur ein harmloses Wort, eine Einschränkung, nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Quelle: n-tv.de

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