Fußball

Pokal-Aus, Ronaldo und Ted Lasso Ralf Rangnick und das Theater der Albträume

273601882.jpg

Ralf Rangnick peitscht die Mannschaft an, Ronaldo wartet.

(Foto: picture alliance / empics)

Ralf Rangnick wird Ende 2021 Trainer bei Manchester United. Übergangsweise bis zum Ende der Saison. Im Theater der Träume, dem Stadion der Red Devils, scheint er am Ziel seiner Träume angekommen zu sein. Aber nach gerade zwölf Spielen befindet er sich in einer ersten großen Krise.

Ralf Rangnick hatte sich das sicher ganz anders vorgestellt. Bei seiner Ankunft noch als der deutsche Taktik-Guru dieser Tage, als der Mentor aller erfolgreichen deutschen Trainer, ja als Begründer einer eigenen Schule, der Rangnick-Schule, gepriesen, verspürt der 63-Jährige nach gerade einmal zwölf Spielen an der Seitenlinie massiven Gegenwind. Im Pokal ausgeschieden, in der Liga nicht in der Spur, die Cristiano-Ronaldo-Situation. Der Tanker Manchester United lässt sich nicht befrieden. Jetzt wird sein Co-Trainer auch noch mit Ted Lasso verglichen. Die Situation für den "Godfather of Gegenpressing" ist kompliziert. Old Trafford, das Stadion von Manchester United, entwickelt sich für ihn langsam zum Theater der Albträume. Aus vielen Gründen.

Da ist Cristiano Ronaldo. Der eben schon 36 Jahre alt ist und dessen Karriere näher an ihrem Ende als an ihrem Höhepunkt ist. Der jedoch, unbestritten, der größte Star ist, den Rangnick je trainiert hat. Denn auf seinen Stationen bei Ulm, Hannover, Schalke, Hoffenheim und Leipzig war es immer wieder um die Entwicklung einer Spielidee gegangen, mit meist international eher unbekannten Spielern und immer ohne Weltstars. Von denen gibt es nur einige wenige. Es stellt allein schon eine Herausforderung dar, sie zu trainieren.

Doch Weltstars auf dem Weg ins Rentnerdasein zu begleiten, in ein unfreiwilliges zudem, ist die nächste Stufe. Das bekam Rangnick unter der Woche beim peinlichen 1:1 gegen den FC Burnley zu spüren. Zwar legen die Red Devils in der ersten Halbzeit eine durchaus ansehnliche Leistung auf den Platz, doch über ein 1:0 kamen sie nicht hinaus. Auf Vorlage des gerade erst von Wolfsburg verpflichteten Wout Weghorst erzielte Jay Rodriguez kurz nach der Pause den Ausgleich für die Clarets. Dabei blieb es. Auch als Cristiano Ronaldo auf den Platz kam. Der war zuvor beinahe 70 Minuten auf der Bank geblieben.

Ronaldo trifft nicht mehr

Vielleicht auch, weil er bei der Pokalpleite gegen den Zweitligisten Middlesborough früh einen Elfmeter vergab. "Ich glaube nicht, dass wir da viele Dinge hätten besser machen können - vom Tore schießen abgesehen", hatte Rangnick nach dem bitteren Aus im Elfmeterschießen gesagt und Ronaldo im Spiel in Burnley auf der Bank schmoren lassen. Für den Superstar erst das zweite Mal seit seiner Rückkehr nach Manchester. Glücklich war er nicht. Am Unentschieden ändern konnte er auch nichts. Im Jahr 2022 ist er noch ohne Treffer.

Mit dem Unentschieden stürzte Manchester United auf Rang sechs und somit aus den Top vier der Premier League. Die Champions-League-Qualifikation, die immer erwartet wird, ist noch lange nicht garantiert. Von hinten drängen die Tottenham Hotspur und mit dem fünftplatzierten Arsenal gibt es einen weiteren starken Konkurrenten um den letzten Platz hinter den gesetzten Teams von Manchester City, Liverpool und Chelsea. Keine gute Situation nach zwölf Pflichtspielen, in denen United zwar nur neun Gegentreffer kassierte, aber auch selten traf. Die Presse wetzt das Messer. Ärgerlich genug alles.

Ted Lasso als Co-Trainer

Aber dann ist da noch Chris Armas. Der Co-Trainer von Ralf Rangnick war mal Nationalspieler in den USA, dann ein recht erfolgloser Trainer bei den New York Red Bulls und Toronto FC in der MLS. Bei der RB-Filiale in New York war er einst vom Co-Trainer zum Trainer aufgestiegen, als Rangnick Jesse Marsch davon überzeugte, in Leipzig Co-Trainer unter ihm zu werden. Die Wege sind kurz im Red-Bull-Imperium. Bei Armas folgte auf Red Bull erst einmal Toronto, dort wurde er nach nur zwei Siegen in 15 Spielen und einer 1:7-Pleite gegen DC United im vergangenen Juli gefeuert. Er war verfügbar und er kannte den legendären Red-Bull-Fußball. Aber auch: ohne Arbeitserfahrung außerhalb der MLS.

Das, so berichtet der US-Sender ESPN, sorgt nun alles für Hohn und Spott in der Kabine des englischen Traditionsvereins. Der ist seit dem Abgang von Sir Alex Ferguson im Jahr 2013 auf Identitätssuche und zehrt von den Erfolgen der Vergangenheit. Anders als Ted Lasso. Der ist ein aufstrebender US-Trainer, der zwar keine Ahnung von Fußball hat, aber sonst sehr sympathisch ist. Er findet sich trotzdem irgendwann im englischen Profi-Fußball wieder. Zumindest in der gleichnamigen fiktionalen Apple-Plus-Serie. So einen Eindruck soll Armas auf die Mannschaft hinterlassen. Total nett, irgendwie, aber auch sehr unglücklich agierend. Ein vernichtendes Urteil für den Rangnick-Co, der einen Großteil der Trainingseinheiten leiten soll.

Aber da hört das Klagen der Stars von Manchester United nicht auf. Wenn Rangnick trainiert, moppern sie, so heißt es, auch rum. Weil dann an der Grundstruktur des Spiels gearbeitet wird. An den elementaren Bedingungen für Rangnicks Gegenpressing. Die Spieler aber wollen lieber individuelle Skills verbessern. Das passiert nicht, heißt es. Alles ärgerlich.

Ein renommierter Journalist als Berater

Bleibt nur noch die Frage: Denken sich das die Medien alles aus? Nein. Stimmt das dann alles? Vielleicht. Noch viel mehr als in Deutschland haben die unterschiedlichsten Parteien ein Interesse daran, mit ihren Informationen in den Medien zu stehen. Auch aus diesem Grund verpflichtete Rangnick kürzlich den in Deutschland und England renommierten Journalisten Raphael Honigstein. Der soll den Deutschen in seinen verbleibenden Monaten im Theater der Träume in einem besseren Bild erscheinen lassen. Im Sommer endet die Zeit ohnehin. Dann kommt ein anderer Trainer, oder Team-Manager. Die "Times" spielt die Namen der Favoriten: Aktuell führen PSG-Trainer Mauricio Pochettino und Ajax-Coach Erik ten Hag die Hitliste an. Pochettino, der in Paris von Zinedine Zidane abgelöst werden soll, habe in der Mannschaft mehrere prominente Fürsprecher, heißt es.

Auf seiner wahrscheinlichen Abschiedstour durch die Premier League geht es für Rangnick und Manchester United am Wochenende mit einem Spiel gegen Southampton weiter. Dort trainiert nun seit geraumer Zeit schon Ralph Hasenhüttl, der mit Rangnick gemeinsam in Leipzig arbeitete. Der 54-jährige Hasenhüttl ist längst in England angekommen. Er hat den Rückhalt seines Vereins, einen Vertrag bis 2024 und keine Pläne für die Zeit danach. Dann will er "des hohen Energieaufwands" wegen als Trainer aufhören und noch andere Dinge erleben. Er ist gelassener, aber er war auch immer nur ein Rangnick-Schüler. Lehrer haben es nicht leicht. Schon gar nicht, wenn sie keine Titel vorzuweisen haben.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen