Fußball

Kabinenzoff mit Klub-Boss Ramos arbeitet an seinem Real-Abgang

Um Sergio Ramos könnte es bei Real einsam werden.

Um Sergio Ramos könnte es bei Real einsam werden.

(Foto: REUTERS)

Das überraschende Champions-League-Aus von Real Madrid gegen Ajax Amsterdam ist das Ende einer erstaunlichen Ära im Weltfußball. Die Nachwehen der Königsklassen-Peinlichkeit wirken bis in die Kabine. Dort zündet Klub-Legende Sergio Ramos die höchste Stufe der Provokation.

Sergio Ramos ist kein Sympathieträger. In den Stadien dieser Welt hinterließ der 32-jährige Verteidiger in der Vergangenheit in Serie empörte Beobachter, keine Hitliste der unbeliebtesten Fußballprofis kommt ohne ihn aus und der Begriff "Raubein" wird der Spielweise des Innenverteidigers bei Weitem nicht gerecht. Kurzum: Sergio Ramos ist ein verhaltensauffälliger Troublemaker. Bei Real Madrid, wo der Welt- und Europameister seit 2005 spielt, war ihnen das meistens egal, denn es war ja ihr Troublemaker. Der Wind könnte sich nun aber gedreht haben - und Ramos, der mehr als 400 Spiele für den Klub absolviert hat, sein eigenes Denkmal zerstören. Denn wie jetzt bekannt wurde, soll es nach der Peinlichkeit (1:4) gegen Ajax Amsterdam und dem damit verbundenen Achtelfinal-Aus in der Champions League einen heftigen Streit in der Kabine zwischen Sergio Ramos und dem Präsidenten gegeben haben.

Florentino Perez, der starke Mann bei Real, las seinen Millionen-Stars zunächst die Leviten, angeblich soll sogar das Wort "schändlich" gefallen sein. Auch das zu ausschweifende Privatleben einiger Spieler soll der Klubboss kritisiert haben. Ramos hielt nicht lange still und konterte, dass auch eine verfehlte Transferpolitik Schuld an der Misere sei, die Klubführung hätte einen Stürmer als Ersatz für den abgewanderten Superstar Cristiano Ronaldo holen müssen. Daraufhin soll Perez dem Enfant terrible mit dem Rauswurf gedroht haben. Laut "Marca" und "AS" reagierte Ramos mit der höchsten Provokationsstufe: "Perfekt. Zahle mir, was du mir schuldest, und ich haue ab. Ich habe alles gegeben - für dieses Wappen, für diesen Klub und selbst für dich."

Symbol für den Absturz der Königlichen

Vor dem Zoff war ja auch noch die sportliche Hybris, die dem Nationalspieler gegen Ajax fürchterlich auf die Füße gefallen war: Im Hinspiel, das die "Königlichen" in Amsterdam noch eher schmeichelhaft mit 2:1 für sich entschieden hatten, holte Ramos sich im Gefühl des sicheren Weiterkommens eine Gelbe Karte ab, um im Rückspiel eine Sperre abzusitzen - und dann unvorbelastet ins Viertelfinale gehen zu können. Dass er sich danach im Interview verplapperte und von der Uefa gleich für zwei Champions-League-Spiele gesperrt wurde? Geschenkt.

Der Anfang vom Ende? Sergio Ramos nach seiner Gelben Karte gegen Ajax Amsterdam.

Der Anfang vom Ende? Sergio Ramos nach seiner Gelben Karte gegen Ajax Amsterdam.

(Foto: www.imago-images.de)

Denn die Katastrophe aus Sicht von Real hatte da längst ihren Lauf genommen: "Ramos' Ausfall ist eine offene Wunde für Real, sie werden das spüren", hatte Ajax-Coach Erik ten Hag seinen Matchplan fürs Rückspiel auch auf das Fehlen des Real-Anführers ausgerichtet - und seine Mannschaft schlug gnadenlos zu. Und das taten dann auch die Fans der Holländer: "Ramos bedankt" wurde zum musikalischen Hit des Abends. Es könnte das letzte Mal gewesen sein, dass Sergio Ramos im Estadio Santiago Bernabéu in einem Champions-League-Spiel besungen wird.

Der Innenverteidiger ist in den letzten Wochen zum Symbol für den Absturz des spanischen Rekordmeisters geworden. Der kolportierte "Zahlt-mich-aus-und-werft-mich-raus"-Spruch dürfte Ramos bei den eigenen Anhängern weiteren Kredit kosten, auch wenn er vielleicht nicht ganz ernst gemeint war. Wie "AS" berichtet, trafen sich der Spieler und sein Präsident am Donnerstag zwar zur Aussprache und tauschten Friedensnoten aus. Das Blatt kommentiert das Ergebnis der Unterredung aber wenig freundlich: "Das Gespräch hat kaum dazu beigetragen, die Gräben zuzuschütten, sondern machte eher die Diskrepanz zwischen dem Präsidenten und dem Kapitän des Clubs deutlich." "Marca" will immerhin erkannt haben, "dass die beiden willens sind, das hinter sich zu lassen und wieder eine positive Atmosphäre zu schaffen."

Sollte Klubchef Perez tatsächlich darüber nachdenken, den 32-Jährigen rauszuschmeißen, muss er gar nicht so tief in die Tasche greifen. Ramos' Vertrag läuft im Sommer 2020 aus, sein Jahresgehalt wird auf zehn Millionen Euro geschätzt.

Wahrscheinlicher aber ist, dass sich einige Klubs bei Perez melden, die das Mentalitätsmonster gerne unter Vertrag nehmen würden. Eine Vertragsverlängerung bei Real scheint bei dieser Gemengelage fraglich, zumal Ramos kürzlich eine Gehaltserhöhung von sechs Millionen Euro pro Jahr gefordert haben soll. Laut spanischen Medienberichten soll Ramos verlangt haben, mindestens einen Euro mehr zu verdienen als Topverdiener Gareth Bale. Ramos' Verhandlungsposition hat sich nach dem Kabinen-Zoff aber sicher nicht verbessert.

Quelle: ntv.de, ter/sid