Fußball

Nächstes Urteil im Fifa-Prozess Richterin schickt "Krebsgeschwür" in Haft

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Jose Maria Marin wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe und zu einer sechsstelligen Geldbuße verurteilt.

(Foto: imago/Xinhua)

Jahrelang bereichert sich der frühere brasilianische Fußballboss Jose Maria Marin auf Kosten des Verbandes. Nun muss der 86-Jährige dafür mehrere Jahre in Haft. Bei der Urteilsverkündung findet die Richterin deutliche Worte für Marins verbrecherische Umtriebe.

Mit seinen schmutzigen Geschäften finanzierte sich Jose Maria Marin einst Luxusreisen und Shoppingtouren auf den Prachtstraßen von Paris und Las Vegas. Nun muss der frühere Präsident des brasilianischen Fußballverbands damit rechnen, nie wieder in Freiheit leben zu können. Als erstes "Schwergewicht" im großen Fifa-Prozess wurde der 86-Jährige am Mittwoch zu vier Jahren Haft und einer Millionenstrafe verurteilt.

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Marin bereicherte sich jahrelang an der Vergabe von TV-Rechten.

(Foto: imago/Agencia EFE)

"Herr Marin sagt, er liebt den Sport", begründete Richterin Pamela Chen ihr Urteil: "Aber er und seine Mitverschwörer waren wie ein Krebsgeschwür. Er ließ sich mit Millionensummen bestechen, die er eigentlich nicht brauchte. Er hätte Nein sagen sollen, und das hätte er auch gekonnt. Er hatte absolut keinen Grund für diese Verbrechen. Aber er sah nicht ein, dass er falsch handelte."

Die Jury des New Yorker Gerichts hatte Marin zusammen mit dem früheren Fifa-Vizepräsidenten Juan Angel Napout (60/Paraguay) Ende 2017 wegen mehrerer Korruptionsvergehen schuldig gesprochen. Der Brasilianer hat über Jahre hinweg für die Vergabe von TV-Rechten in Südamerika Bestechungsgelder angenommen - und davon in Saus und Braus gelebt. Bei Hermes in Paris soll er laut Anklageschrift einmal knapp 18.000 Euro ausgegeben, bei Bulgari in Las Vegas sogar 43.000 Dollar bezahlt haben.

"Vertrauen der Fußballverbände missbraucht"

Chen belegte ihn deshalb mit einer Geldstrafe von umgerechnet einer Million Euro und Rückzahlungen in Höhe von 2,8 Millionen Euro. "Er hat das Vertrauen der Fußballverbände missbraucht, denen er eigentlich dienen sollte", sagte Chen, die noch deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft (zehn Jahre Haft, 5,7 Millionen Euro Strafe) geblieben war: "Seine Verbrechen waren geprägt von purer und ungebremster Gier."

13 Monate hat Marin bereits hinter Gittern verbracht, zunächst in Auslieferungshaft in der Schweiz, seit Dezember dann im Metropolitan Detention Center in Brooklyn. Vor der Verkündung des Strafmaßes brach der Brasilianer zwischenzeitlich in Tränen aus. Seine Anwälte gehen davon aus, dass Marin nach 18 weiteren Monaten wegen guter Führung auf eine Entlassung hoffen könnte. Insgesamt richtet sich die Anklageschrift der US-Strafverfolger gegen 42 Beschuldigte, darunter viele Ex-Offizielle sowie Mitarbeiter von Sportrechteagenturen. Über die Hälfte hat sich schuldig bekannt, drei sind inzwischen gestorben.

Hausarrest im Trump Tower

Marin gehörte zu jenen Funktionären, die im Mai 2015 in einem Zürcher Luxushotel verhaftet worden waren. Der Zugriff löste damals den großen Fifa-Skandal aus, der den Weltverband implodieren ließ und auch zum Sturz des damaligen Fifa-Präsidenten Joseph Blatter führte. Vor einem ersten Urteilsspruch kurz vor Weihnachten verbrachte Marin zwei Jahre in Hausarrest. Der Brasilianer hinterlegte 12,9 Millionen Euro Kaution, um in seinem Appartement im New Yorker Trump Tower leben zu können, das er nur selten verließ, um in die Kirche zu gehen. Die Vorwürfe hatten seine Anwälte im Prozess stets zurückgewiesen oder relativiert.

Der Fifa-Prozess hatte im vergangenen Jahr kurz vor Weihnachten erschreckende Details der dunklen Machenschaften im Weltfußball ans Licht gebracht. Vor allem über Süd- und Mittelamerika lag für lange Zeit ein riesiges Korruptionsnetzwerk, in dem sich die Spitzenfunktionäre nach Lust und Laune bereichern konnten. Blatters Fifa war teilweise involviert - oder verschloss die Augen. Oft beschuldigt wurden die früheren Spitzenfunktionäre Nicolas Leoz (89/Paraguay) und Ricardo Teixeira (71/Brasilien), Marins fast allmächtiger Vorgänger an der brasilianischen Verbandsspitze. Beide standen in der Hackordnung noch über Marin oder Napout, sie setzen sich aber vehement gegen die Auslieferung aus ihren Heimatländern in die USA zur Wehr.

Quelle: ntv.de, Jan Mies, sid