Fußball

Wahl zum Weltfußballer Ronaldo natürlich! Oder doch nicht?

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Ein Weltfußballer am Boden: Ist Cristiano Ronaldo wirklich der Beste?

(Foto: imago/Xinhua)

Es ist seit Jahren die immer gleiche Frage: Wer ist der beste Fußballer der Welt? Ronaldo oder Messi? Die Antwort ist in diesem Jahr ganz einfach. Zumindest, wenn es nach der Statistik geht. Aber da ist ja noch Manuel Neuer.

Cristiano Ronaldo heißt der beste Fußballer auf dem Planeten. Ist so. Punkt! In seiner Heimatstadt haben sie ihm bereits ein Denkmal gebaut - sehr zur Freude von CR7, so sein Spitzname. "Ich bin dafür, dass Leute noch zu Lebzeiten geehrt werden", erklärte er bei der Einweihung ganz bescheiden. So gehört sich das. Zweifel, dass er der Beste ist? Nicht bei ihm. Nicht bei uns. Oder doch?

Nun, an dieser Stelle wird der Aufschrei groß sein. Was für eine frivole These, ausgerechnet Ronaldo, der im Sommer im Kreise seiner portugiesischen Nationalmannschaftskollegen so unglücklich über den Platz schlich wie Michael Wendler durch das Dschungelcamp. Dieser Ronaldo soll besser sein als Manuel Neuer? Und das in dem Jahr, in dem Deutschland Weltmeister wurde. In dem der Torwart des FC Bayern München der Welt bewiesen hat, dass ein Keeper, wenn es ihm auf der Linie zu langweilig wird, alles kann - außer vielleicht Tore schießen. Stimmt alles. Aber bedienen wir uns an dieser Stelle einer Floskel: Statistiken lügen nicht.

Ein eher dezenter Start, ein furioses Finale

Der eitle Portugiese von Real Madrid ist das lebende Spektakel auf dem Rasen. Nach einer für ein Denkmal eher dezenten Rückrunde in der spanischen Primera Division mit nur 14 Toren und sagen wir mal immerhin versöhnlichen acht Treffern in der Champions League, drehte der 29-Jährige die Schlagzahl in der zweiten Jahreshälfte ein bisschen höher. Seine Bilanz: 26 Ligatore in 15 Spielen und 5 Tore bei 6 Königsklassen-Auftritten. Das ist eines Denkmals würdig und eines Weltfußballers allemal.

Denn: Den Ballon d'Or, den goldenen Ball, so heißt die Auszeichnung, erhält heute Abend der beste Fußballer des Jahres mit den herausragendsten Leistungen des Jahres. Den Ballon d'Or erhält nicht derjenige, der seine Mannschaft besser macht. Denn dann hätte ja auch ein Pierre-Michel Lasogga nominiert werden können. Schließlich hat der seinen Hamburger SV im Sommer so gut gemacht, dass der Klub weiter der einzige Dauerbrenner in der Bundesliga ist. Aber Spaß beiseite. Die einfachste Lesart für die Auszeichnung als Weltfußballer ist also: der Beste bekommt den Ball. Und die einfachste Antwort lautet daher: Herzlichen Glückwunsch, CR7!

Aber es gibt, wie immer, zwei Seiten der Medaille. Und, siehe da, plötzlich ist die Frage, ob der Stürmer aus Madrid wirklich der allerallerbeste Fußballer dieses Planeten ist, gar nicht mehr so leicht zu beantworten. Denn in seinem Verein ist er umgeben von vielen der Besten. Da spielt er einen Doppelpass mit dem 91-Millionen-Euro Waliser Gareth Bale, da bekommt er den Ball vom weltmeisterlichen Toni Kroos angereicht. In diesem Umfeld zu glänzen, darf für Cristiano Ronaldo kein Problem sein. Die Frage, ob er die Mannschaft besser macht, ist müßig. Natürlich macht er das. Aber ist er wirklich immer und überall unverzichtbar?

Eine Antwort darauf findet sich am ehesten in seiner Nationalmannschaft. Denn bei den kriselnden Portugiesen sollte Ronaldo doch eigentlich absolut unersetzlich sein. Mit seinen überragenden Fähigkeiten muss er seine Landesauswahl besser machen - macht er aber nicht. Portugal scheidet bei der WM sang- und klanglos aus - mittendrin ein überforderter CR7 mit weinerlichem Blick. Sieht so ein Weltfußballer aus? Irgendwie nicht.

Bleibt also nur noch Manuel Neuer: Der schießt zwar keine Tore, macht aber sonst fast alles. Hält den Kasten sauber, grätscht wenn nötig die Gegenspieler weg, pusht seine Mitspieler, hat eine positive Körpersprache. Manuel Neuer ist Weltmeister und natürlich auch Deutscher Meister. Er ist Pokalsieger, hat im vergangenen Jahr alle wichtigen Titel gewonnen, außer der Champions League. Das muss doch reichen, verdammt nochmal! Ein Weltfußballer muss nicht immer Tore schießen. Nein, ein Weltfußballer darf gerne auch mal eine Mannschaft zur besten der Welt machen. Manuel Neuer hat das gleich zweimal geschafft: mit Deutschland und den Bayern - trotz verpasstem Königsklassen-Titel.

Achso, da war ja noch einer, hätten wir fast vergessen: Lionel Messi. Der war 2014 auch gut. Richtig gut sogar. Aber, Obacht, er hat weniger Tore geschossen als Ronaldo - 36 in der Liga und 10 in der Königsklasse. Und seine Mannschaften, Barcelona und Argentinien? Die waren nicht so erfolgreich wie die von Manuel Neuer. Kürzen wir es an dieser Stelle einfach ab: Excusa, Senor Messi, das kann diesmal einfach nicht reichen. Muss es auch nicht, denn Sie haben ja schon vier goldene Bälle. Reicht irgendwie auch, oder?

Quelle: n-tv.de

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