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Christian Streich peilt mit dem SC Freiburg den erneuten Klassenerhalt an - und mehr Ruhe.
Christian Streich peilt mit dem SC Freiburg den erneuten Klassenerhalt an - und mehr Ruhe.(Foto: picture alliance / Federico Gamb)
Freitag, 10. August 2018

Bundesliga-Check: SC Freiburg: Rumpel-Streich pimpt seine "kranke" Truppe

Von Christoph Rieke

Der Hattrick soll's sein: Die Fußballer des SC Freiburg wollen auch in dieser Saison in der Bundesliga bleiben - und ihren Trainer vor erneutem Herzrasen bewahren. Dank einer veritablen Transferbilanz sind sie guter Dinge. Und dann ist da noch Mogli.

Oommmm! Noch einmal tief durchatmen bitte, bevor am 25. August mit dem Heimspiel gegen die Frankfurter Eintracht die Spielzeit beginnt. Erst am letzten Spieltag der vergangenen Saison sicherte sich der SC Freiburg mit Platz 15 den Verbleib in der Fußball-Bundesliga. Das war so nervenzehrend, dass selbst beim Rumpelstilzchen an der Seitenlinie aka Christian Streich der Energietank leer zu sein schien und er auf Wutausbrüche verzichtete. Immerhin konnten sich die SC-Kicker nach dem Heimsieg gegen Augsburg schwarze T-Shirts mit der Aufschrift "SChaffer. Mir sin noch debii" überstreifen. Übersetzung für alle Nils Petersens außerhalb Badens: "GeSChafft. Wir sind noch dabei." Das klingt nach viel Erleichterung, aber auch nach Unglaube. Inmitten der Ekstase fand eine Kiste Bier den Weg aufs Spielfeld. Und weil sie es im Schwarzwald gerne krachen lassen, kam etwas später noch eine zweite dazu. Trainer Streich lobte den Nicht-Abstieg nüchtern als "außergewöhnliche Leistung". In der Tat: Mit 32 Treffern belegte Freiburg in der Tortabelle den vorletzten Tabellenrang. Schlechter waren nur die Strafraumirrlichter des Hamburger SV. Ein Wunder, dass der Sportclub nicht zur Relegations-Ehrenrunde nach Kiel musste. Wundersam wäre aber auch, wenn auf Streich und seine Spieler nach der "extrem komplizierten Saison" nun keine strapaziöse Spielzeit warten würde.

Was gibt's Neues?

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Mogli ist da. Der ist allerdings weder ein Wolfsjunge aus dem Schwarzwald noch ein neuer Spieler. Nein, er ist ein Hund - und hat Dominique Heintz aus Köln mitgebracht. "Mein Hund hat mehr Follower als die halbe Freiburger Mannschaft, darüber haben wir auch schon gelacht", sagte der Innenverteidiger, also Heintz, der "Sport Bild". Im Abonnenten-Duell @heintzi versus @mogli_heintzi auf Instagram liegt der Mensch also vor dem possierlichen Fellwesen.

Neben den Heintzis gibt's noch andere irre Neuzugänge im Breisgau. Hierbei sei daran erinnert, dass Trainer Streich in einem seiner legendären Philosophieseminare, die im Schwarzwald-Stadion als Pressekonferenzen tarnbenannt sind, sagte: "Der Gott des Geldes wird immer größer und irgendwann verschlingt er alles." Auf den ersten Blick fällt die SC-Opfergabe bescheiden aus. Für 12,1 Millionen Euro hat der Klub sein Team gepimpt. Bei genauerem Hinsehen (und zum Beispiel im Vergleich zum 1. FC Nürnberg) haben die Freiburger allerdings geklotzt.

Mit fünf Millionen Euro Ablöse ist Ex-HSV-Stürmer Luca Waldschmidt nach Admir Mehmedi der zweitteuerste Zugang der Klubhistorie. Der Preis erklärt sich von selbst, der 22-Jährige hat in der vergangenen Saison immerhin ein Tor geschossen. Neben Waldschmidt und Heintz kamen Torwart Mark Flekken aus Duisburg, der verletzte Rechtsaußen Brandon Borrello aus Kaiserslautern und Mittelfeldmann Jérôme Gondorf aus Bremen. Der bisher ausgeliehene Innenverteidiger Philipp Lienhart will - Obacht - nicht zu Real Madrid zurückkehren und bleibt an der Dreisam. Der Rest rekrutiert sich aus dem Nachwuchs. Das ist auch gut so, denn in der Vergangenheit hat sich die Arbeit der Freiburger Fußballschule oft ausgezahlt, den Füchsletagen sei Dank.

Auf wen kommt es an?

Auf jeden Einzelnen. Streich sagt: "Spielerisch müssen wir unbedingt besser werden als letzte Saison." Für Petersen gilt das nur bedingt. Der Fast-WM-Fahrer und Fast-Fußballer-des-Jahres ist die personifizierte Garantie auf den Klassenerhalt. Wieder mal. In der vergangenen Saison erzielte er 15 der 32 Tore. Längst hat es sich für den Jokerkönig ausgejokert, der 1,88-Meter-Mann aus Wernigerode ist nun Stammkraft. Allein, auf Dauer sollte und kann sich Freiburg nicht auf sein Schätzle verlassen. Wie gut, dass Florian Niederlechner nach einer gefühlten Ewigkeit wieder genesen ist und berechtigte Hoffnungen auf zusätzliche Torgefahr weckt.

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Apropos Torgefahr: Sollte Neuzugang Flekken an Stammtorwart Alexander Schwolow vorbeikommen, ist Vorsicht geboten - zumindest legt dies seine Slapstick-Einlage aus der vergangenen Saison im Trikot des MSV Duisburg nahe. Er selbst ist von sich überzeugt: "Ich will es Schwolli so schwierig wie möglich machen und werde ihm Feuer unterm Arsch machen", sagte der 25 Jahre alte Niederländer. Prima!

Was fehlt?

Ein Heilmittel für Mike Frantz. Der ist "fußballkrank", wie er jüngst der "Bild"-Zeitung verriet. Der Mann ist süchtig nach Fußball. Wie praktisch, dass der 31-jährige Junkie nun die Kapitänsbinde trägt - wie blöd, dass es diesmal mindestens zwei Spiele weniger gibt als vergangene Saison. Immerhin muss der SCF nicht nochmal nach Domžale juckeln, um vergeblich um die Qualifikation zur Europa League zu kämpfen. Stattdessen kann sich der Sportclub ganz auf Liga und Pokal konzentrieren. Ebenfalls fehlen wird Mittelfeldmaschine Julian Schuster. Der Ex-Kapitän wurde befördert und ist ab sofort "Verbindungstrainer" zwischen Profis, U23 und U19. Viel bitterer ist aber der Verlust gleich zweier Top-Innenverteidiger: Marc-Oliver Kempf zog es ins württembergische Stuttgart und das verlässliche Abwehrjuwel Çağlar Söyüncü hat sich kurz vor dem Ende der englischen Transferfrist Leicester City angeschlossen. Im Gegensatz zum VfB-Transfer erhält Freiburg für den jungen Türken wenigstens ä Badze Geld: Etwa 15,8 Millionen Euro - viel Schmerzensgeld, das tunlichst in einen Linksverteidiger investiert werden sollte. Denn nominell ist Christian Günter der Einzige auf dieser Position.

Wie lautet das Saisonziel?

Heißsporn Streich sehnt sich einfach nach Ruhe. Der dienstälteste Trainer der Liga wünscht sich eine Saison, in der "es sich nicht am letzten Spieltag entscheidet, ob wir absteigen oder drinbleiben. Aber das hofft man ja immer", sagte er dem "Kicker". Das tun ganz bestimmt auch die Fans. "Ich will sie mit Siegen glücklich machen. Natürlich wollen wir in der Liga bleiben, dieses Ziel steht über allem." Unterstützt wird er dabei gewiss von Zugang Heintz (und Hund).

Der hegt den kecken Plan, wie Teamkollege Petersen über exzellente Leistungen in Freiburg ins Nationalteam aufzurücken. "Warum sollte es dann nicht klappen?", sagte er mit Blick auf die Post-WM-Trümmerarbeit beim DFB - schließlich wisse man nicht, "wie die Karten beim Neuaufbau gemischt werden".

Die Prognose von n-tv.de

Hoffentlich hat Streich einen Plan, der gscheid ist. Die Stabilität der Mannschaft ist gegeben, dazu bedarf es aber einer klugen Taktik, um erfolgreicher zu kicken als in der vergangenen Saison. Allein, bis zum badischen Freudentanz anlässlich des Nicht-Abstiegs-Hattricks ist es noch ein nerven- und vkräftezehrender Weg. Wenn die Verletzungen und merkwürdige Schiedsrichterentscheidungen ausbleiben, dürfte sich der Sportclub einen Platz im Tabellenmittelfeld sichern. Ansonsten wird Streich wieder bruddelig.

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Quelle: n-tv.de