Fußball

WM-Countdown (61) Russlands Schalke-Fans, Derby und WM

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Wie wird man in Russland Schalke-Fan? Das verraten zwei Knappen im Gespräch.

Wenn Schalke 04 morgen Borussia Dortmund zum Revierderby empfängt, drücken auch Moskauer Fußballfans den Königsblauen die Daumen. Ein Gespräch mit zwei "Russischen Knappen" über das Prestige-Duell und deutsche WM-Fans.

Was Daniel Sheremet und Soslan Kesaev am Tag des Revierderbys tun werden? Wahrscheinlich werden sie in ihrer Lieblingskneipe sitzen, wo die Leinwand groß ist und es vierzehn Sorten Bier vom Fass gibt. Schließlich ist das Derby der Tag, an dem alle Schalke-Fans mitfiebern, in Gelsenkirchen wie in Moskau: Daniel und Soslan gehören zu den Russischen Knappen, dem offiziellen Schalke-Fanclub in Russland.

Warum wird man als Russe Schalke-Fan? Jeder hat da so seine eigene Erweckungsgeschichte. Die von Soslan beginnt während der Fußball-WM 1998 in Frankreich, als kleiner Junge bewunderte er erst den dänischen Torwart Peter Schmeichel, dann dessen Teamkollegen Ebbe Sand. Von da war es nur noch ein kleiner Schritt zu Schalke und zum Drama der "Meister der Herzen"-Saison. Viel Trauer für einen elfjährigen Fan.

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Seitdem ist Soslan, heute 28, Schalke treu geblieben. Und Daniel? "Im Jahr 2007 haben mir Freunde von Schalke erzählt und ich habe mich informiert, über die Mannschaft und ihre Geschichte." Heute ist er einer von rund 50 "Russischen Knappen", von denen manche auch in Kasachstan oder in der Ukraine leben. Schalke-Fans, vermutet Soslan, gebe es einige Tausend im Land, ein kleiner Teil von ihnen ist im offiziellen Fan-Club organisiert.

Turniere gegen andere Fanclubs, Gedankenaustausch im russischen Facebook-Gegenstück VKontakte, gemeinsames Bundesliga-Gucken - die Knappen sind aktiv, auch wenn sie naturgemäß ihre Mannschaft nicht so oft selber spielen sehen wie deutsche Fans. Ende März hätte Schalke eigentlich nach Kaliningrad reisen und dort zur Eröffnung des neuen Stadions spielen sollen, "einige von uns wollten Tickets kaufen und hinfahren", erzählt Daniel. Doch dann die Enttäuschung: Das Spiel wurde abgesagt, offiziell wegen schlechten Wetters, "das Stadion war einfach noch nicht fertig."

Unsere Kolumnistin

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie gerade nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Und nun schreibt sie für n-tv.de den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt.

Mit dem Blick auf beiden Länder: Was ist der größte Unterschied zwischen dem deutschen und dem russischen Ligafußball? Zwei Punkte fallen den beiden ein: In Russland seien die Gehälter zu hoch und die Spieler zu geldgierig, findet Daniel. "Die wissen, auch wenn sie nur auf den Platz gehen und nichts tun, bekommen sie ihr Geld. In Deutschland habe ich das Gefühl, dass die Fußballprofis mehr für die Fans und fürs Ergebnis spielen." Soslan hat noch einen anderen Unterschied ausgemacht: "Deutsche Vereine fürchten sich nicht davor, ihrem Nachwuchs eine Chance zu geben, sich in der Bundesliga zu bewähren. Das fehlt in Russland, die Vereine hier kaufen immer nur ausländische Spieler ein, die sich international schon einen Namen gemacht haben."

Nach demselben Prinzip sei man in Russland auch schnell dabei, wenn es darum gehe, Spieler mit einem russischen Pass auszustatten, damit sie für die Nationalmannschaft spielen können. Soslans Kommentar zu Konstantin Rausch und Roman Neustädter fällt darum nüchtern aus: "Hätten sie es in Deutschland in die Nationalelf geschafft, wären sie nicht nach Russland gekommen. Das ist wie mit den Boateng-Brüdern: Jérôme ist gut genug fürs deutsche Team. Kevin-Prince nicht, also spielt er für Ghana."

Das Gespräch kommt auf die Weltmeisterschaft im Sommer, Deutschlands Chancen sehen beide ähnlich: Favorit, starkes Team, mindestens Halbfinale. Anders bei Russlands Aussichten aus. Für Daniel wäre alles, was über die Gruppenphase hinausgeht, ein mittleres Wunder, Soslan ist da optimistischer: "Das hier ist weder Champions League noch Uefa, das hier ist die WM im eigenen Land", da sei vieles möglich. Wie damals, 1992, der dänische Sieg bei der EM.

Ob sich die deutschen Fans wegen des politischen Konflikts mit Russland Sorgen machen müssen, wie sie bei der WM empfangen werden, will ich von den beiden Schalke-Fans noch wissen. Die Reaktion kommt prompt: Auf keinen Fall, bei der Weltmeisterschaft gehe es um Sport, nicht um Politik; Russland und seine Fußballfans wollten der Welt ihre Gastfreundschaft zeigen. Als Schalke damals, 2016, in Krasnodar gespielt habe, sei zwischen den deutschen und russischen Fans auch alles glatt gegangen, "wir haben zusammen gefeiert und gemeinsam Fotos gemacht."

Wir verabschieden uns mit einem Ausblick aufs Revierderby: Wie wird das Ergebnis aussehen, wenn am 15. April gegen zwanzig nach fünf der Schiedsrichter das Spiel in der Veltins-Arena abpfeift? "Natürlich gewinnen wir", sagt Daniel und grinst: "Mit vier zu null."

Alle Folgen des WM-Countdowns finden Sie hier

Quelle: n-tv.de