Was er dem DFB-Team für WM rätSammer traut Kovac die Meisterschaft mit BVB zu

Geht es um Fußball, hat Matthias Sammer immer eine klare Meinung. So auch zum Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für die anstehende WM. Er plädiert für zwei Bayern-Profis. Auch zu "seinem" BVB äußert er sich - sehr positiv.
Matthias Sammer hofft auf ein Comeback von Manuel Neuer in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko. "Manuel ist so gut, dass man ihn mitnehmen muss. Ich sehe keine Konstellation, in der Manuel der Gruppe nicht guttun würde", sagte der Europameister von 1996 der "Sport Bild": "Dafür muss er selbst das aber auch wollen."
Der 39-jährige Neuer ist für Sammer noch immer ein "Weltklasse-Torhüter mit einer Weltklasse-Ausstrahlung. Dazu kommt ein Weltklasse-Charakter." Neuer stehe für das Außergewöhnliche: "Selbst wenn ihn das Alter zwei, drei Prozentpunkte kostet, ist er immer noch außergewöhnlich."
Eine Rückkehr des Weltmeisters von 2014 ist allerdings fraglich. Bayern Münchens Kapitän hatte unlängst erklärt, den Fokus ganz klar auf den Verein zu legen: "Fakt ist, dass ich absichtlich zurückgetreten bin." Auf Shootingstar Lennart Karl sieht Sammer derweil "gute WM-Chancen" zukommen: "Er kann der Mannschaft etwas geben und beim Turnier reinwachsen. Alter sollte bei der Nominierung keine Rolle spielen."
Lob für Nachfolger Eberl beim FC Bayern
Der 17-Jährige hat sich bei Bayern durchgesetzt, wo "die Erwartungshaltungen in den Himmel steigen", so Sammer über das "nicht immer einfache" Umfeld. Dort ist nach Sammers Abgang als Sportvorstand 2016 inzwischen Max Eberl in dieser Position. Und hatte es anfangs mit Patron Uli Hoeneß nicht ganz leicht. "Die Aussagen von Uli Hoeneß waren unangenehm für Max, für die Leute draußen vielleicht sogar rüber. Aber: Bayern München ist Ulis Kind. Er beschützt sein Kind. Und das geht so weit, dass es manchmal auch zulasten von Menschen oder Mitarbeitern geht", so Sammer. "Das kann man kritisch sehen, ist aber auch die höchste Form der Professionalität. Max Eberl ist immer ruhig geblieben." Inzwischen, so Sammer weiter, tragen "nahezu alle Personalentscheidungen beim derzeit so erfolgreichen FC Bayern, ob Trainer oder Topspieler, die Handschrift von Max Eberl."
Sammer selbst ist bekanntlich seit Längerem externer Berater beim Liga-Konkurrenten Borussia Dortmund. Dort steht auch eine Personalie in der Kritik: Trainer Niko Kovac, dessen Team nur vier der vergangenen zehn Pflichtspiele gewonnen hatte. Unentschieden in der Liga beim Hamburger SV oder in Freiburg und in der Champions League gegen den FK Bodö/Glimt hatten für Diskussionen gesorgt, dazu war die Borussia im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Bayer Leverkusen ausgeschieden.
Kovac einer wie Hitzfeld, Heynckes, Ancelotti
"Die Partien, die wir nur remis gespielt haben, hätten wir in der Vergangenheit verloren. Speziell in Hinrunden", merkte Sammer derweil an - und nahm Kovac in Schutz. "Weder Ottmar Hitzfeld, Jupp Heynckes noch Carlo Ancelotti gehörten zu der Kategorie Trainer, die den Fußball mit ihrem Stil außergewöhnlich geprägt haben. Aber sie waren sehr erfolgreich. Und das ist das Wesentliche. Wir sollten sehen, was Niko faktisch verbessert hat: weniger Gegentore, mehr erzielte Tore. Bessere Körperlichkeit, besserer Geist."
Sammer geht sogar noch weiter und traut Kovac den großen Wurf zu. Der Kroate könne "definitiv" ein Titel-Trainer für den BVB sein. Aktuell steht Dortmund unter Kovac, der im Februar 2025 übernommen hatte, auf Platz zwei der Tabelle - neun Punkte hinter Spitzenreiter Bayern München.
Kovac hatte Nuri Sahin als BVB-Coach beerbt und den Verein nach einem Fehlstart noch in die Königsklasse geführt. Nach Sammers Ansicht ist jedoch noch mehr drin: "Im Moment ist Dortmund sicher gut genug, um in der Meisterschaft unter die ersten Vier zu kommen. Ich glaube aber auch, dass wir die Begeisterung, die Freude und das Unbequeme schaffen könnten, um auf das 'i' ein Pünktchen stellen zu können."