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Debüt mit Orientierungsproblemen Erschöpfte "Ergänzung" Ronaldo wird in Riad gefeiert

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Noch ohne Tor, immerhin auf dem Platz. Das saudische Liga-Debüt von Cristiano Ronaldo ist keines für die Geschichtsbücher, doch der 200-Millionen-Mann wirkt als sehr gute "Ergänzung" seiner Mannschaft am Erfolg gegen Al-Ettifaq mit. Die Fans feiern ihn und einer auch den Gewinn eines Autos.

Der Personenkult um den ehemaligen Spitzenspieler Cristiano Ronaldo hatte auch die klare Sicht der Dinge seines Vereins ein wenig eingetrübt. "Die ganze Welt schaut zu", prahlte Al-Nassr in den sozialen Medien und meinte wohl eher die Welt, die sich nicht für die heimischen Ligen interessiert. In der Bundesliga kämpften zu dieser Zeit Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen um Punkte und in der Premier League duellierten sich Arsenal und Manchester United. In Saudi-Arabien, beim lang erwarteten Ligadebüt von Cristiano Ronaldo, blieb Al-Nassr dank des 1:0 gegen Al-Ettifaq durch einen Treffer des 28-jährigen Brasilianers Talisca Spitzenreiter der saudischen Liga. Auch wenn das die Welt nicht so sehr interessierte.

Trotzdem war die Aufmerksamkeit für ein Spiel der saudischen Liga natürlich höher als jemals zuvor. Und so konnten die anwesenden Journalisten aus den Fußball-Hochburgen auch über die Skurrilitäten des Liga-Alltags in der bis zu Ronaldos Transfers vollkommen unbekannten Liga berichten. Ein Fan, vermeldete der US-Sender ESPN, wurde in der Halbzeitpause zum Gewinner eines Autos erkoren. Ronaldo, der bei Al-Nassr rund 200 Millionen Euro pro Jahr verdienen soll, hatte unterdessen mit den Umständen zu kämpfen. Beim Warmlaufen lief der so erfahrene Angreifer direkt in die falsche Hälfte und musste von seinen Mitspielern eingefangen werden. Die Fans störte es wenig. Sie riefen "Ronaldo, Ronaldo" und "Siu" und feierten den Star vor der gelben Wand Riads. Bis sie nicht mehr konnten.

Garcia betont Belastung

Beim 1:0 seines Klubs Al-Nassr blieb Ronaldo ohne Torerfolg, unterhielt jedoch die Zuschauer mit seinen Übersteigern und Tricks. Und später kassierte er von seinem Trainer Rudi Garcia auch noch ein dickes Lob. "Es ist eine positive Ergänzung, wenn du einen Spieler wie Ronaldo hast, denn er hilft, die Verteidiger abzulenken, was bei unserem Tor passiert ist", arbeitete der Franzose die Leistung seines neuen Superstars heraus. Zugleich machte er auf den ungewohnten Spielrhythmus aufmerksam. Immerhin, erklärte Garcia, habe CR7 erst ein paar Tage zuvor beim (sportlich bedeutungslosen Test-)Spiel zwischen einer Riad-Auswahl und Paris Saint-Germain teilgenommen. Das dürfe man einfach nicht vergessen und auch, dass "er nicht genug Pause hatte".

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"Wo bitte geht es hier zum Aufwärmen?"

(Foto: IMAGO/MB Media Solutions)

Nach seinem verzögerten Debüt für Al-Nassr aufgrund einer noch in der Premier League gegen Ronaldo verhängten Sperre, geht es jetzt Schlag auf Schlag für den Portugiesen. Bereits am Donnerstag wartet mit Al-Ittihad ein starker Gegner im Halbfinale des saudischen Super Cups. Danach ist erst einmal über eine Woche Entspannung angesagt. Erst am 3. Februar geht es in der Liga weiter bei Al-Fateh, eine Pflichtaufgabe für Al-Nassr.

"Selbst mit Ronaldo ist es nicht einfach, die saudische Liga zu gewinnen. Die Konkurrenz ist stark", warnte sodann auch Trainer Garcia vor den Unwägbarkeiten des Fußballs. Mit Supercup-Gegner Al-Ittihad und Titelverteidiger Al-Hilal lauern gleich zwei Teams auf Punktverluste von Al-Nassr. Noch müssen die beiden Klubs ohne echtes Zugpferd auskommen, doch das könnte sich bald schon ändern.

Wer geht noch in die Wüste?

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Denn Ronaldo soll nicht der letzte Fußballer von Weltformat sein, der seinen sportlichen Lebensabend im gigantischen Wüstenkönigreich am Golf verlebt. Der saudische Sportminister, Prinz Abdulaziz bin Turki Al-Faisal, sicherte jüngst erst seine Unterstützung für weitere "Qualitätsdeals mit internationalen Stars" zu. Die Gerüchte um Lionel Messis Transfer in die Wüste sind mal heißer und mal kälter, werden gewiss nicht abreißen, bis der Weltmeister seine Unterschrift unter einen neuen Vertrag bei Paris Saint-Germain setzt.

Bis es so weit ist, wird die Aufmerksamkeit erst einmal auf Al-Nassr und Superstar Ronaldo liegen. Der, so hieß es in den Berichten, verließ abgeschirmt von seiner Security eine Stunde nach Spielende das Stadion in Richtung seines Hotels, einem riesigen, Riad-überblickenden Flaschenöffner. Schon bald wird er sein erstes Tor schießen und dann schaut die Welt noch einmal auf Al-Nassr. Bis dahin dürfte das Interesse der Weltöffentlichkeit jedoch deutlich abklingen. So sehr Al-Nassr sich auch das Gegenteil wünscht.

(Dieser Artikel wurde am Montag, 23. Januar 2023 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, sue

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