Fußball

In Gedanken beim BVB Schalker setzen auf ein Heimspiel bei Ajax

d6ff63ff887bf7526c192d4293e7619b.jpg

Setzt auf die Reiselust der Schalker Fans: Benedikt Höwedes, hier mit Thilo Kehrer.

(Foto: imago/Team 2)

Sie träumen vom großen europäischen Wurf. Stichwort: Eurofighter. Vorher müssen Schalkes Fußballer allerdings erst einmal in Amsterdam ran. In der "uitverkochte" Arena hofft Kapitän Benedikt Höwedes auf die Fans.

Worum geht's?

Der Anschlag auf den Bus der Nachbarn von der Dortmunder Borussia beschäftigt auch die Fußballprofis aus Gelsenkirchen vor dem Spiel heute in Amsterdam. "Getrennt in den Farben, vereint gegen Gewalt", hatte Benedikt Höwedes, der Kapitän des FC Schalke 04, noch am Dienstagabend getwittert. "In solchen Momenten hält man im Revier fest zusammen", teilte der Verein mit. Auch Holger Badstuber war "in Gedanken in Dortmund. Erschreckend, was dort passiert ist". Der Amsterdamsche Football Club Ajax teilte am Mittwoch mit, er werde die Vorkehrungen zur Sicherheit der Zuschauer nicht verstärken. Die Bedrohungsstufe habe sich im Vergleich zu den vergangenen Monaten nicht verändert. Und auch der Bundesligist will alles so machen wie stets. "Nach Auswertung aller Hinweise gibt es keine Erkenntnisse, die auf eine Gefährdung bei der Anreise der Schalker Fußballer nach Amsterdam hindeuten", sagte Torsten Sziesze, Sprecher der Gelsenkirchener Polizei. Da fällt es schwer, eine passende Überleitung zum Sportlichen zu finden. Deshalb an dieser Stelle ein Schnitt.

*Datenschutz

In Gelsenkirchen träumen sie nicht erst seit dem Achtelfinale dieser Fußball-Europaliga und dem ebenso willensstarken wie glücklichen Weiterkommen gegen die Bundesligakonkurrenz aus Mönchengladbach davon, dass die Schalker des Jahres 2017 es denen des Jahres 1997 gleichtun. Seinerzeit gewann die Mannschaft von Trainer Huub Stevens einigermaßen sensationell den Uefa-Cup und darf seitdem nur noch Eurofighter genannt werden. Aber bis zum Titeltriumph ist es dann doch noch ein arg langer Weg. Erst einmal steht heute (ab 21 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) in der schmucken und mit ihren 53.631 Plätzen binnen vier Tagen ausverkauften Amsterdam-Arena das Hinspiel des Viertelfinals gegen Ajax an. Oder wie es die Niederländer sagen: "Ajax speelt tegen Schalke 04 in de kwartfinale van de Europa League in een uitverkochte Amsterdam Arena." Höwedes ist sich sicher, "dass uns sehr viele Schalker begleiten und für Heimspiel-Atmosphäre sorgen."

Wie ist die Ausgangslage?

Amsterdam - Schalke 04, 21.05 Uhr

Ajax Amsterdam: Onana - Veltman, Sanchez, de Ligt, Viergever - Klaassen, van de Beek, Ziyech - David Neres, Traoré, Younes. Trainer: Bosz
FC Schalke 04: Fährmann - Kehrer, Höwedes, Nastasic, Kolasinac - Goretzka, Bentaleb - Caligiuri, Meyer, Schöpf - Burgstaller. - Trainer: Weinzierl
Schiedsrichter: Karassew (Russland)

Wenn sich die Schalker etwas wünschen dürften, dann das, was sich wohl jede Mannschaft wünscht, die im Europapokal zuerst auswärts antritt - ein Ergebnis, das für das Rückspiel alle Chancen aufs Weiterkommen birgt. In diesem Fall findet das in genau einer Woche, mithin am Donnerstag, 20. April statt. Um ein solches Ergebnis zu erzielen, ist es stets gut, ein Tor zu schießen. Grundsätzlich geben sie sich in Gelsenkirchen zurückhaltend. "Ich würde sagen, es ist fifty-fifty. In meinen Augen gibt es keinen wirklichen Favoriten", sagte Verteidiger Thilo Kehrer dem "Kicker". Und der jüngst in der Bundesliga groß aufspielende Max Meyer konstatierte: "In der Bundesliga haben wir auswärts bisher nicht allzu erfolgreich gespielt, in der Europa League ist das aber anders. Das sollte uns Mut geben." Allerdings sei Ajax eine "junge, talentierte, technisch sehr begabte Mannschaft. Da müssen wir höllisch aufpassen".

Wie sind die Schalker drauf?

c6675ba1fd917289d6a8dbe7928aec04.jpg

Jetzt geht's los: Markus Weinzierl.

(Foto: AP)

Seit dem kanterähnlichen Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg am Wochenende in der Bundesliga dem Vernehmen nach bestens. Trainer Markus Weinzierl kündigte gar an, nun beginne die Saison so richtig; was sechs Spieltage vor deren Ende eine interessante Aussage ist. Andererseits sind es nur noch vier Punkte bis zum sechsten Platz in der Tabelle, der dazu berechtigt, wieder in eben jener Europaliga zu spielen. Und bis zum ersten europäischen Titel seit 20 Jahren sind es theoretisch noch fünf Partien. So müssen die Schalker nun die Frage beantworten: Lassen sie die Eurofighter auferstehen und spielen als Europaligasieger in der kommenden Saison gar in der Champions League? Oder müssen sie am Ende der ersten Saison mit Weinzierl und Manager Christian Heidel ernüchtert feststellen, dass das doch alles ziemlich verkorkst war? Olaf Thon, einst der Chef auf dem Platz beim Uefa-Cup-Triumph ist da ganz guter Dinge: Dieser spezielle Geist der Eurofighter lebt wieder auf Schalke", schrieb er im "Kicker". Der ehemalige Angreifer Marc Wilmots, der seitdem nur noch Kampfschwein genannt werden darf, sagte dem "Stadtspiegel Gelsenkirchen": "Die Schalker sind etwas stärker als Ajax. Und wenn sie weiterkommen und nicht schon im Halbfinale auf Manchester United treffen, ist alles möglich." Und der damalige Mittelfeldspieler Ingo Anderbrügge erzählte: "Die Stimmung hat uns damals getragen, und sie kann die Spieler auch diesmal tragen." Bleibt die Frage, ob das alles nicht ein wenig zu sehr rückwärtsgewandt ist.

Was macht Ajax so?

ec1987abc3796619ccd5647e12d56f2b.jpg

Interesse? Klaas-Jan Huntelaar.

(Foto: imago/Udo Gottschalk)

Zur Einstimmung auf dieses niederländisch-deutsche Duell gewann Ajax am Wochenende sogar noch um ein Tor höher als die Schalker, mit 5:1 beim Nijmegen Eendracht Combinatie. Und weil Feyenoord nur 2:2 bei der NEC Zwolle spielte, haben die Amsterdamer und ihr Trainer Peter Bosz mittlerweile nur noch einen Punkt Rückstand auf Tabellenführer der Erendivisie, nachdem sie die Rotterdamer Anfang des Monats mit 2:1 besiegt hatten. Vier Spieltage stehen noch aus, da rechnet sich das junge Team um den 24 Jahre alten Kapitän Davy Klaassen durchaus noch etwas in Sachen Meisterschaft aus. Die überregionale Zeitung "AD" jedenfalls titelte: "Ajax is zeker van zijn zaak" - Ajax ist von sich überzeugt. Nach dem Sieg im "De Klassieker" hatte Heiko Westermann, einst deutscher Nationalspieler und nun bei Ajax im Grunde nicht einmal Ergänzungsspieler, mit Blick auf die Partie gegen Schalke konstatiert: "Wenn wir mit der Intensität wie heute spielen, hat es hier jede Mannschaft schwer. Dann gewinnen wir hier auf jeden Fall." Apropos Klaassen: Am torgefährlichen Mittelfeldspieler, der bisher elf Mal für die niederländische Nationalmannschaft auflief, sind angeblich, genau, die Schalker sehr interessiert. Die Amsterdamer wiederum sind durchaus an Klaas-Jan Huntelaar interessiert, der in dieser Woche angekündigt hatte, im Sommer nach Auslaufen seines Vertrags die Schalker verlassen zu wollen - und von 2006 bis 2009 bereits für Ajax gespielt hat. Bosz dementierte sein Interesse zumindest nicht: "Klaas-Jan ist ein Super-Spieler. Aber ich bin nur der Trainer."

War sonst noch was?

Ansonsten ist Westermann ein wenig unzufrieden. Der Mann war, wir erwähnten es, Nationalspieler, 27 Mal lief er zwischen 2008 und 2014 für die DFB-Elf auf. Und auch an den FC Schalke 04, für den er zwischen 2007 und 2010 92 Mal auflief, hat er sehr gute Erinnerungen. "Es war sportlich der Höhepunkt meiner Karriere." Nun aber sitzt der 33 Jahre alte Verteidiger, nachdem er im Sommer von Betis Sevilla aus Spanien gekommen war, bei Ajax auf der Bank - und kommt da nicht so richtig weg. "Natürlich ärgere ich mich, dass ich nicht spiele." Er sei aber "niemandem böse". Er weiß, wie der Hase läuft, auch in den Niederlanden. Statt seiner spielt Matthijs de Ligt in der Innenverteidigung neben dem Kolumbianer Davinson Sanchez. Westermann weiß, warum: "Wenn ein 17-Jähriger wie ein 25-Jähriger spielt und in die Nationalmannschaft kommt, wird Ajax nicht stattdessen mich spielen lassen." Und es läuft ja, wie oben erwähnt, nicht schlecht für Amsterdam. Und Westermann? Schaut zu. "Die anderen machen ihre Sache super. Von daher hat der Trainer keine Not, etwas zu ändern."

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema