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Juventus Turin gegen FC Barcelona "Schlacht im Mittelfeld"

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Barcelonas Superstar Lionel Messi ist einfach nicht auszuschalten.

(Foto: imago/Alterphotos)

Der überragende FC Barcelona und der italienische Serienmeister Juventus haben sich mit teils herausragenden Leistungen ins Finale der Champions League vorgearbeitet. Das Endspiel in Berlin wird ein Duell zweier Spielphilosophien.

Wer gewinnt das Finale der Fußball-Champions-League? Das wissen wir natürlich auch nicht. Aber wenn sich am Samstag (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) der FC Barcelona, de spanische Meister und Pokalsieger, und Juventus Turin, der italienischer Meister und Pokalsieger, im Berliner Olympiastadion gegenüberstehen, dürfen wir gespannt sein, was sich die beiden Trainer überlegt haben: Auf der einen Seite Juve und Massimiliano Allegri, der vorm Finale von "kompakt stehen" spricht und Barças Stärken ausschalten möchte. Auf der anderen Seite Barcelona mit Luis Enrique, der das Augenmerk wieder ganz auf "Ball halten" legt, "so wie wir es immer machen".

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Juventus könnte im 4-3-1-2 mit klaren Zuordnungen im Mittelfeld spielen. Allerdings wären dann gegebenenfalls die Flügel offen für Vorstöße der katalanischen Außenverteidiger. Dani Alves ist ein wichtiger Faktor, was die Einbindung von Lionel Messi betrifft.

Die Katalanen sind gewissermaßen die ignorantere Mannschaft. Barça reagiert selten darauf, was der Gegner vorhat oder im Spiel umsetzt. Dass Enrique seine Taktik überhaupt grundlegend anpasste, war zuletzt im Clásico gegen Real Madrid vor zweieinhalb Monaten der Fall. Und auch auf Pep Guardiolas Ideen im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Bayern München hatte Enrique keine Antwort. Er brauchte sie schlichtweg nicht. Sein Team kombinierte sich durch die Manndeckung der Münchener und kam zu einigen Großchancen. Es war daraufhin Guardiola, der schon nach einer Viertelstunde seinen Plan über den Haufen warf. Was Barça auszeichnet, sind eine Philosophie und ein taktisches System, die über Jahrzehnte hinweg gewachsen sind. Die Wurzeln gehen auf Johan Cruyff und dessen Zeit als Trainer in den 1990er-Jahren zurück. Schon er ließ im 4-3-3 spielen. Seine "falsche Neun" hieß damals Romário. Sein Sergio Busquets war Pep Guardiola.

Punktgenaue Pässe in Verbindung mit ständigem Verschieben und sauberem Positionsspiel prägen diesen Stil, der in der legendären Jugendakademie La Masia antrainiert wird. Doch taktisch kann das System noch so ausgereift sein. Ein einzelner La-Masia-Absolvent macht gewiss den Unterschied aus, warum Barça nicht nur eine sehr erfolgreiche Spitzenmannschaft dieser Ära ist, sondern warum sie innerhalb eines Jahrzehnts nun zum vierten Mal die Champions League gewinnen kann: Lionel Messi. Rhythmusgeber Busquets, Schnittstellenpasser Iniesta, Dribbler Neymar – sie alle könnten zumindest in einzelnen Partien verteidigt werden, wenn doch nur die Nummer 10 der Katalanen kein Außerirdischer wäre. Messi, der mit 27 Jahren schon in die Sphären der Pelés und Di Stéfanos aufsteigt, ist die Pointe vieler Angriffe.

Ein Bollwerk um die hüftsteifen Innenverteidiger

Das weiß natürlich auch Juve-Trainer Allegri. Er ist sich im Klaren darüber, dass seine zuweilen hüftsteifen Innenverteidiger Bonucci und Barzagli im direkten Eins-gegen-Eins gegen Messi nicht besser als Jérôme Boateng aussähen. Deshalb könnte der 47-Jährige auf ein altes Juve-System zurückgreifen.

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Mit einer 3-5-2-Formation wäre der Raum um Messi herum besser verdichtet. Die Italiener würden in diesem Fall jedoch tiefer hinten drin stehen und das Mittelfeld dem Gegner überlassen.

Als Allegri im Sommer von Antonio Conte übernahm, integrierte er sein Lieblingssystem in Form eines 4-3-1-2. Dabei spielt natürlich Andrea Pirlo im Zentrum und wird umgeben von laufstarken Akteuren wie Arturo Vidal und Claudio Marchisio. Vorn stürmen Carlos Tévez und Álvaro Morata, die mit ihrem Tempo äußerst gefährlich im Konterspiel sind, wenngleich oftmals ohne große Unterstützung beim Umschalten. Unter Conte spielten die Turiner noch in einem 3-5-2, was zum Alternativsystem in dieser Saison wurde. Hierbei tauscht Allegri einfach den Zehner gegen einen weiteren Innenverteidiger.

Im Mittelfeld wirkt Juve dann etwas strukturierter und zugleich wird die Abwehrlinie verdichtet. Gerade gegen Barça und Messi könnte das Zweitsystem zur favorisierten Option werden. Denn im 3-5-2 ziehen die Italiener ein Dreieck um Messi herum. Linker Innenverteidiger, Linksverteidiger und linker Mittelfeldspieler würden so den Argentinier einfacher einkreisen und im besten Fall von den Zuspielen der Mannschaft abschneiden. Gegen die Dreierabwehrkette könnte allerdings die personelle Situation sprechen. Stammverteidiger Giorgio Chiellini fällt definitiv aus. Ersatzmann Andrea Barzagli ist angeschlagen. Damit würden unter Umständen nur noch Bonucci und Ogbonna übrig bleiben, die auf diesem Niveau im Abwehrzentrum agieren können.

Außerdem war das 3-5-2-System bisher eher eine Maßnahme Allegris, wenn die Turiner einen Vorsprung verteidigen wollten. Denn auf dem Feld ist dann der Abstand zum gegnerischen Tor immens. Aufgrund von Barças starkem Gegenpressing über Busquets und Co. würden die Katalanen den Ball häufig direkt zurückgewinnen und den Gegner einschnüren. Das ist über längere Zeit hinweg eigentlich nicht durchzuhalten. Zudem kämen Pirlos Qualitäten nicht zum Tragen. Der 36-Jährige braucht Anspielstationen nach vorn, damit seine Pässe Wirkung zeigen.

Luis Enrique sagte, es wäre ihm lieber, "wenn Pirlo nicht so viel Einfluss auf das Spiel nehmen würde." Der Respekt vorm Altmeister ist immer noch da. Lange Bälle von Pirlo auf Tévez und Morata, die mit ihren teils unorthodoxen Läufen jede Abwehr verwirren können, stellen ein erfolgversprechendes Mittel für die Italiener dar. Beide Teams, so unterschiedlich ihre taktischen Ansätze auch sind, wollen zunächst Sicherheit im Spielfeldzentrum gewinnen und von dort aus ihre Stärken - Kurzpassspiel bei Barça und schnelles Umschaltspiel bei Juve - ausnutzen. Barcelonas Stratege Sergio Busquets bringt es auf den Punkt: "Es wird eine Schlacht im Mittelfeld."

Quelle: n-tv.de

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