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Hoeneß im Fußball-Talk Schon ein bisschen schizophren

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Hoeneß stellt sich den unkritischen Fragen.

(Foto: imago/Philippe Ruiz)

Im DFB-Pokal legt der FC Bayern München in der Fußball-Provinz einen peinlichen Auftritt hin, wenig später zeigt sich Klubpräsident Uli Hoeneß schon wieder in Bestform. Zwei Stunden lang gibt er seine Version der Realität zum Besten.

Der FC Bayern München überlässt die Dinge ungern dem Zufall. Das gilt für ein am Freitag erschienenes Interview des neuen Trainers Niko Kovac mit der "Süddeutschen Zeitung", das eine Woche vor Start der Fußball-Bundesliga wohl auch dem Zweck unterstellt war, etwaige noch immer bestehende Zweifel an dessen Eignung für den renommiertesten Trainerjob im deutschen Fußball auszuräumen. Das gilt ebenso für den Zeitpunkt, an dem der FC Bayern die Personalie Kovac als Nachfolger von Jupp Heynckes bekannt gegeben hatte. Auch wenn das Mitte April bei der Frankfurter Eintracht nicht so gut angekommen war.

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Allerdings kann selbst ein Klub wie der FC Bayern dann doch nicht alles vorab nach seinen Wünschen diktieren. Und so entbehrte es nicht einer gewissen Ironie, dass der Auftritt des mächtigsten Klubpräsidenten im deutschen Fußball beim TV-Sender Sky ausgerechnet auf den Tag nach dem mühsamen wie peinlichen 1:0-Sieg in der ersten Runde des DFB-Pokal beim Regionalligisten SV Drochtersen/Assel terminiert war. Rahmenbedingungen, wie sie sich Uli Hoeneß vermutlich ein bisschen anders vorgestellt hatte. Und so wollte er dann auch lieber gar nicht über die Geschehnisse vom Vortag reden. Das wolle man "mal ganz schnell vergessen". Wunsch und Wirklichkeit wieder geradegerückt in der Welt des Uli H.

"Haben den richtigen Trainer geholt"

Viel lieber wollte Hoeneß darüber reden, wie prima es im Münchner Mikrokosmos momentan zugeht. Trainer, Kader, Finanzen – alles schick, danke der Auskunft. Auffällig ungestört von etwaigen kritischen Nachfragen wandte Hoeneß knapp zwei Stunden dafür auf, seine ganz persönliche Version der Realität wiederzugeben. In der der FC Bayern wenig überraschend ziemlich gut, viele andere freilich eher schlecht wegkommen.

Hochzufrieden sei er vor allem mit dem neuen Mann auf der Trainerbank: "Schon nach sechs Wochen kann man sagen, dass wir den richtigen Trainer geholt haben", er sei "zu 100 Prozent überzeugt, dass wir eine richtig erfolgreiche Saison spielen werden." Ohnehin sei es ja so, dass die vom Trainer mitgebrachten Empfehlungen in Form von Titeln keinen Aufschluss darüber gäben, wie erfolgreich ein Engagement sei. Das habe der Fall Carlo Ancelotti gezeigt – der habe auch alles gewonnen und das sei total in die Hose gegangen. Vielleicht war es Hoeneß deswegen auch so wichtig, noch einmal darauf hinzuweisen, dass diesmal in puncto Übungsleiter alles nach Maß gelaufen sei. Also, wenn man mal davon absieht, dass der eigentliche Wunschkandidat Heynckes entgegen der Wunschvorstellung nicht zur Verfügung stand.

Nach der Absage habe man sich für Kovac entschieden, sagte Hoeneß. "Und ob er erste, zweite oder dritte Wahl war, das ist ja nur Spekulation der Medien. Wir haben darüber nie gesprochen und wir werden nicht darüber sprechen." Demonstrativ glücklich sind sie beim FC Bayern mit Kovac. Zumal es dafür, dass es mit Thomas Tuchel nicht geklappt habe, auch einen guten Grund gebe. Der sei ob der Warterei schließlich "nervös geworden und hat in Paris zugesagt, was ich akzeptieren muss. Aber ob er jetzt der bessere Trainer ist als Niko Kovac, das werden wir am Ende der Saison sehen. Das Märchen, dass er unsere erste Wahl war, ist einfach falsch." Eine Aussage des potenziellen Arbeitgebers, die Tuchel sicher aufmerksam zur Kenntnis nehmen wird, zumal Hoeneß in dem Interview mit weiteren Aussagen in Richtung Paris Saint-Germain irritierte. Die Chancen für einen Abgang von Nationalspieler Jérôme Boateng stünden bei 50:50, hatte der erklärt. "Ich glaube, es ist Paris", erklärte Hoeneß. Zumindest sei das der einzige Klub, der derzeit noch in Frage komme. Nur, dass die davon offenbar nichts wissen – wie es heißt, sei man nach der Verpflichtung von Thilo Kehrer vom FC Schalke 04 nicht mehr am Münchner Innenverteidiger interessiert.

Was davon nun fußballerische Falschnachrichten sind? Die Frage dürfte Hoeneß letzten Endes egal sein. Eingeschossen hatte sich der frühere Profi im Gespräch mit Sky ohnehin längst auf ein anderes Thema: Das Geld. Es könne nicht sein, dass die ganze Welt dem FC Bayern vorwerfe, nicht genug in neue Spieler zu investieren und gleichzeitig bemängele, die Münchner seien in der Bundesliga derzeit nicht wirklich anzugreifen. "Wenn wir jetzt auch noch für 400 Millionen Euro Spieler kaufen, kommt keiner mehr an uns vorbei. Wenn wir Ronaldo kaufen, werden wir nicht mit 25, sondern mit 35 Punkten Vorsprung Meister", sagte Hoeneß.

"Früher hat man gegen Fußballvereine gespielt"

Und dennoch kündigte er für das kommende Jahr größere Investitionen an: "Zurzeit sammeln wir etwas Geld ein, um im nächsten Jahr vielleicht mal etwas größer einzukaufen." Gleichzeitig stellte er aber klar, dass man niemals aus reinem Aktionismus auf dem Transfermarkt tätig werde. Der FC Bayern als letzte Bastion der Vernünftigen in einer irre gewordenen Fußballwelt, das war das Bild, welches Hoeneß zu vermitteln suchte. Auch, als es um einen möglichen Abgang von Startorjäger Robert Lewandowski ging. Alles halb so wild, die Lage hätten sie in München stets unter Kontrolle gehabt: "Robert Lewandowski hatten wir immer im Griff, nur seinen Berater nicht. Dem haben wir keine Gesprächszeit gegeben. Karl-Heinz, Hasan und ich haben uns fest vorgenommen, dass wir stur bleiben. Wir wollen der Fußballwelt beweisen, dass auch bei Angeboten, die weit über 100 Millionen liegen und lagen, ein Verein mal Nein sagt und das werden wir durchziehen."

Wenn der "FC Katar" oder der "SV Shangai" das machen wollten, wäre das ihre Sache. "Früher hat man gegen Fußballvereine gespielt und nicht gegen Staaten." Dass auch ein FC Bayern sich von dieser Entwicklung nicht ganz freimachen kann, schien Hoeneß in dem Moment entfallen. Ein Blick auf den Ärmel des aktuellen Bayern-Trikots hätte jedenfalls gereicht, um die eigene Verbindung zum Emirat auszumachen. Dort prangt das Logo von Qatar Airways. Diese ganze Welt sei, erklärte Hoeneß, eben schon ein bisschen schizophren.

Quelle: n-tv.de

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