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"Das macht mich stolz" Siewert glaubt bei Huddersfield an Wunder

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Jan Siewert sitzt bei seinem Debüt für Huddersfield Town keine Sekunde auf der Bank. Gestik, Mimik, Applaus - das ist ihm wichtig.

(Foto: imago/Sportimage)

Jan Siewert ist der neue Teammanager beim akut abstiegsbedrohten Premier-League-Klub Huddersfield Town. Er folgt auf David Wagner, der ebenfalls von Borussia Dortmund nach England kam. Die Vergleiche scheut Siewert - und hofft auf den Klassenerhalt.

Für einen Verlierer machte Jan Siewert einen erstaunlich beschwingten Eindruck. Er hatte gerade erlebt, wie Huddersfield Town im ersten Spiel unter seiner Leitung eine Niederlage kassiert hatte. 0:1 vor eigenem Publikum gegen den FC Everton, durch ein Gegentor nach nur zwei Minuten, trotz Überzahl in der letzten halben Stunde. Siewert hatte dennoch viele aufmunternde Erkenntnisse gewonnen. "Wir sind zurück gekommen, haben uns Chancen erarbeitet und das Spiel dominiert. Das macht mich stolz", sagte er.

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Der Nachfolger von David Wagner scheint ein optimistischer, positiv denkender Geselle zu sein. Das kann nicht schaden bei seinem neuen Job. Huddersfield Town ist Tabellenletzter in der Premier League. Der Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz beträgt zwölf Punkte. In den vergangenen elf Spielen gab es zehn Niederlagen und ein Unentschieden, und es ist zu befürchten, dass sich die Tristesse fortsetzt. An diesem Samstag ist Huddersfield beim FC Chelsea zu Gast (16 Uhr im Liveticker bei n-tv.de), danach kommt der FC Arsenal (9. Februar, 16 Uhr). Alles andere als der Abstieg am Ende der Saison nach zwei Jahren in Englands höchster Spielklasse wäre ein Wunder.

Nachhaltigkeit wichtiger als Ruhm

Natürlich, sagt Siewert, wenn er auf den drohenden Sturz in die Zweitklassigkeit angesprochen wird: Er hätte den Posten nicht angetreten, wenn er keine Zuversicht hätte. Was soll er auch sonst sagen? Ihm dürfte wie der Klubführung klar sein, dass seine Aufgabe nicht unbedingt der Klassenerhalt ist, sondern der Neuaufbau für die kommenden Saison, dann voraussichtlich eine Etage tiefer. "Er kommt in dem festen Glauben, dass wir den Kampf um den Verbleib in der Premier League noch gewinnen können. Gleichwohl hat er einen langfristigen Vertrag unterschrieben und ist für die langfristige Arbeit hier", sagt Huddersfields Besitzer Dean Hoyle.

Siewerts Verpflichtung zeigt, dass dem Verein die nachhaltige Entwicklung wichtiger ist als vorübergehender Ruhm. Die Klubführung stand schon seit mehr als zwei Jahren mit ihm in Kontakt, damals war Siewert noch Co- und Nachwuchstrainer beim VfL Bochum. Huddersfield wollte gerüstet sein für den Fall, dass Aufstiegs-Architekt Wagner ein Angebot erhalten sollte, dass er nicht hätte ausschlagen können. Nach der Trennung im Zuge der aktuellen Niederlagenserie sprach der Verein nach eigenen Angaben mit keinem anderen Kandidaten als Siewert.

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Siewert folgt auf David Wagner.

(Foto: imago/PRiME Media Images)

Huddersfield geht damit einen bekannten Weg. Der Klub setzt wieder auf einen Trainer, der zuvor die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund betreut hatte, so war es auch schon bei Wagner gewesen. Der neue Mann macht allerdings klar, dass er keine Wagner-Kopie sein will. "Natürlich gibt es Gemeinsamkeiten. Aber ich mache die Dinge auf meine Weise. Man sollte uns nicht vergleichen, das ist unmöglich", sagt er. Es kann belastend sein, immer am Vorgänger gemessen zu werden. Vor allem, wenn dieser Vorgänger Beachtliches geleistet hat und von den Fans als Held verehrt wird.

Applaus nach jeder Aktion

Was Siewert auszeichnet, ist seine Empfänglichkeit für Neues. So sieht das zumindest Ingo Preuß, der Manager der Dortmunder U23. "Er ist offen für Anregungen aus der Mannschaft und dem Funktionsteam. Er ist in seiner Kommunikation nicht eingefahren und gehört nicht zu denjenigen, die meinen, schon alles zu wissen", sagt Preuß im Gespräch mit n-tv.de. Wenn man Siewert bei seinen ersten Auftritten in England beobachtet, erlebt man einen Mann, der einen selbstbewussten, engagierten und dennoch demütigen Eindruck macht.

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Ingo Preuß (l.) kennt Siewert gut aus gemeinsamen BVB-Zeiten.

(Foto: imago/Thomas Bielefeld)

Bei seinen Pressekonferenzen hört er bei jeder Frage aufmerksam zu und bittet um Entschuldigung, wenn er Probleme bei der Verständigung hat. Beim Spiel gegen Everton saß er keine Sekunde auf der Bank, sondern stand die ganze Zeit am Spielfeldrand. Er gestikulierte, zeigte seinen Spielern an, wohin sie zu laufen hatten, und applaudierte nach jeder gelungenen Aktion. Dabei achtete er darauf, nicht die Grenze seiner Coaching-Zone zu übertreten. Selbst wenn er mit dem Vierten Offiziellen diskutierte, blieben seine Füße auf der weißen Markierung.

"Mit erwachsenen Menschen zu tun"

Die Anstellung in Huddersfield ist eine große Aufgabe für Siewert, den mit 36 Jahren jüngsten Trainer der Premier League. Er hantiert bei seinem neuen Klub nicht mehr mit Talenten wie in Dortmund. Stattdessen unterrichtet er Spieler, die mitten im Leben stehen. "In Huddersfield hat er es mit erwachsenen Menschen zu tun, die verheiratet sind und Kinder haben. Wenn man die auf die Tribüne setzt, gibt es sicher andere Reaktionen als bei einem 19-Jährigen", sagt sein ehemaliger Manager Preuß: "Damit hat er noch nicht viel Erfahrung."

Außerdem verspricht die sportliche Lage bei seinem neuen Arbeitgeber nicht viel Freude. Es könnten noch ein paar deprimierende Spiele folgen, vielleicht sogar die eine oder andere krachende Niederlage, bis im Sommer die Vorbereitung auf die neue Saison beginnt. Siewerts Optimismus dürfte in den kommenden Monaten ernsthaft auf die Probe gestellt werden.

Quelle: n-tv.de

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