Fußball

"Ballert sich den Arsch voll" Thorsten Legat erfüllt sich einen Traum

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Mehr gearbeitet als gespielt: Thorsten Legat vor 15 Jahren im Trikot des FC Schalke 04.

Schon immer wollte er den FC Remscheid trainieren. Nun ist Thorsten Legat am Ziel. "Nichtsdestotrotz freue ich mich darauf." Auch sonst glänzt der ehemalige Fußballprofi bei seiner Vorstellung - auf dass das Phrasenschwein platze.

Thorsten Legat hatte einen Traum. Und das will etwas heißen. Er hat in seiner Heimatstadt für den VfL Bochum gespielt, für Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, den VfB Stuttgart und für den FC Schalke 04, insgesamt 243 Mal in der Bundesliga. Er hat eher Fußball gearbeitet als gespielt, und das eher aggressiv als filigran. Er hat damit einiges erreicht. Jedenfalls mehr als viele, die davon träumen, Profi zu werden. Er war und ist auch bekannt für seine Sprüche und Anekdoten, manche davon sind tatsächlich witzig. Bei den Schalkern hat er es einmal aufs Mannschaftsfoto geschafft - mit bis unter die Achseln hochgezogener Hose. Wer will, kann sich das im "Kicker"-Sonderheft für die Saison 2000/2001 anschauen.

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Weniger witzig waren die Sachen, mit denen er anderen und sich das Leben schwer gemacht hat. Er hat sich jenseits des Rasens mehrmals geprügelt, hat seinen Mitspieler Pablo Thiam rassistisch beleidigt und flog deshalb Ende 1999 beim VfB Stuttgart raus. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er ein Buch, in dem er schildert, wie sein Vater die Familie geschlagen, ihn misshandelt und sexuell missbraucht hat. "Er war einfach nur ein mieses Schwein." Das Buch sei für ihn eine Befreiung gewesen, sagte Legat: "Die Leute denken doch alle, dass ich ein Psycho bin, einen Knall habe. Das ist nicht so. Ich will nun zeigen, warum ich manchmal so war und alles ausgelebt habe, manchmal auch aggressiv. Aber eigentlich habe ich einen weichen Kern, bin ein Familienmensch".

"Nichtsdestotrotz freue ich mich darauf"

Seit elf Jahren arbeitet Legat als Trainer, er sei, sagt er, "ein Instinkttrainer. Mein Lebenselixier ist Fußball. Für mich gibt's nur Fußball, Fußball." Seit einer Woche nun ist er beim FC Remscheid in der Landesliga. Damit ist sein Traum in Erfüllung gegangen - mit 47 Jahren. Womit wir endgültig wieder bei der lustigen Seite des Thorsten Legat sind - auch wenn sich der Verdacht aufdrängt, dass er das bei seinem ersten Auftritt in Remscheid nicht alles so witzig gemeint hat, wie es sich anhört. Das Phrasenschwein ist jedenfalls geplatzt.

"Mein größter Wunsch war halt, einmal für den FC Remscheid Trainer sein zu dürfen. Das ist jetzt eingetroffen. Nichtsdestotrotz freue ich mich darauf." An die Mannschaft, die zu Legats Einstand im Röntgen-Stadion zu Remscheid gleich mit 1:0 gegen den Tabellenzweiten Cronberger SC gewann und sich damit gleich auf Platz 14 verbesserte, richtete der neue Trainer gleich eine klare Ansage im Kampf gegen den Abstieg: "Wenn die Leute meinen, sie müssten aufhören, nur weil sie den Finger gebrochen haben am Finger - Fußballspielen kann jeder! Hier wird jedes Mal jetzt ordentlich Fußball trainiert, hier wird jedes Mal diszipliniert trainiert." Und: "Der Rasen muss brennen."

Wobei ihm nichts Menschliches fremd sei, er wisse ja, wie das sei: "Man geht auch mal freitags schön weg und ballert sich den Arsch voll." Aber: "Nicht mehr bei mir." Ansonsten gelte: "Großkotze brauchen wir jetzt hier nicht." Sondern Typen mit "Eier in der Buxe". Schließlich gebe es viel zu tun. "Momentan ist die Fitnesszulassung der Mannschaft bei 70 Prozent." Und niemand wisse besser als er: "Die Einstellung ist immer Fakt". Also, so Legats Fazit: "Ich kann in den Köpfen der Spieler sagen, dass sich hier in Remscheid andere Zeiten ändern werden." Hier spricht einer, der sich einen Traum erfüllt habe. "Ich brauche mir nichts mehr beweisen. Das einzige, was ich mir beweisen möchte, ist einfach nur sportlicher Erfolg." Aber Obacht: "Ich denke, ich bin kein Messias."

Quelle: n-tv.de

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