Fußball

"Die ganze Welt gegen uns" Trainer Stevens motzt, Schalke schäumt

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Männer am Rande des Nervenzusammenbruchs, Folge 2856: Huub Stevens.

(Foto: imago images / DeFodi)

Der FC Schalke 04 verliert in der 99. Minute, durch einen Handelfmeter nach Videobeweis. Damit stecken die Gelsenkirchener weiter im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga. Trainer Huub Stevens schäumt und wettert, selbst der Gegner aus Frankfurt hat ein wenig Mitleid.

Mit hochrotem Kopf lief Huub Stevens dem Schiedsrichter hinterher, trat wutentbrannt einen Bierbecher in die Luft und schimpfte wie ein Rohrspatz. Nach dem spätesten Elfmeter in der Bundesliga-Geschichte war der Interimstrainer von Schalke 04 außer sich. "Wenn die ganze Welt gegen uns ist, dann ist es geil, dagegen anzukämpfen", sagte der 65-Jährige, als er sich nach dem denkwürdigen 1:2 (1:1) gegen Eintracht Frankfurt wieder ein wenig beruhigt hatte. Sascha Stegemann hatte der Niederländer als Ziel seines Zorns ausgewählt.

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Gefreut haben sich die Frankfurter dann doch.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Der Referee aus Niederkassel hatte nach einem Handspiel in der Nachspielzeit und Videobeweis auf Strafstoß gegen die abgestürzten Gelsenkirchener entschieden, und Luka Jovic mit seinem Tor in der 99. Minute den Abstiegskampf der Schalker wieder verschärft. "Eine Frechheit" nannte Sportvorstand Jochen Schneider die Entscheidung, "einen kapitalen Fehler des Videoschiedsrichters". Selbst Frankfurts Trainer Adi Hütter, der nach dem sechsten Bundesligasieg in Folge eigentlich freudestrahlend die Champions League in den Blick nehmen könnte, hatte Mitleid. "Ich kann mit Schalke mitfühlen."

Dabei hatten Stegemann und die Videoassistenten Martin Petersen und Tobias Reichel in der spielentscheidenden Szene alles richtig gemacht. Dem Schalker Daniel Caligiuri war der Ball nach einem Schuss von Filip Kostic an den ausgestreckten Arm gesprungen. Die Schalker sahen die Schuld für die unnatürliche Körperhaltung allerdings beim Eintracht-Kapitän David Abraham. "Er hat ihm einen Schubs gegeben", meinte Stevens, und Schneider assistierte: "Deshalb ist er aus dem Gleichgewicht gekommen."

"Du bist lächerlich"

Der "weggenommene" Punkt, wie Schneider es sagte, tat Schalke nicht nur weh, weil der Relegationsplatz nach der neunten Heimniederlage sechs Runden vor Schluss nur noch fünf Zähler entfernt ist. Sondern vor allem, weil der aufopferungsvolle Kampf nicht belohnt wurde. Vielleicht auch deshalb war Stevens knapp eine Stunde nach dem Sudden Death in der Overtime noch so aufgebracht, dass er in der Mixed Zone einen Journalisten anblaffte. "Hör auf! Ich antworte nicht mehr", knurrte er. "Du bist lächerlich."

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Erst Rot, dann Gelb-Rot: Suat Serdar.

(Foto: imago images / Team 2)

Dabei war er nur nach der Gelb-Roten Karte für Suat Serdar (90.+4) gefragt worden. Das Foul des U21-Nationalspielers, bis dahin der beste Schalker Feldspieler, hatte zu dem Freistoß geführt, der die turbulente Schlussszene erst möglich machte. Serdar, der mit seinem Ausgleich zum 1:1 (21.) 392 Bundesliga-Minuten ohne Heimtor beendet hatte, wird Schalke am Freitag im nächsten Abstiegsendspiel beim 1. FC Nürnberg fehlen. Besonders bitter, weil der Ex-Mainzer nach monatelang schwachen Leistungen unter Stevens aufgeblüht ist.

Die Frankfurter, die am Donnerstag (ab 21 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) als letzter deutscher Klub im internationalen Geschäft im Viertelfinale der Europaliga bei Benfica Lissabon antreten, waren durch Ante Rebic früh in Führung gegangen (13.). Nach dem ersten Gegentor nach 500 Pflichtspielminuten hatten sie aber ihre Dominanz und ihren Rhythmus verloren. Dank des "glücklichen Sieges" (Hütter) stellten sie dennoch eine Bestmarke ihrer Klubgeschichte auf. Aber die sechs Dreier in Serie sind für den Trainer schon Vergangenheit, ihn interessiert nur die Zukunft: "Wir wollen so viele Punkte holen, dass unser Traum von der Champions League lebt. Das ist wichtiger als der Vereinsrekord."

Quelle: ntv.de, Thomas Lipinski, sid