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Krisen-Saisonstart bei PSG Tuchel muss in Paris das Chaos bändigen

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Krisenmanager: Thomas Tuchel, Paris Saint-Germain.

(Foto: imago images / Imaginechina)

Eigentlich müsste sein Engagement bei Paris Saint-Germain ein Traumjob für Thomas Tuchel sein. Doch statt sich über die immensen finanziellen Ressourcen freuen zu können, muss sich der deutsche Fußballtrainer vor dem Saisonstart der Ligue 1 als Krisenmanager beweisen.

Paris Saint-Germain ist an sich einer der großen Preistreiber im europäischen Fußball. Mit den Milliarden von Qatar Sports Investments hatten die Verantwortlichen beim französischen Meister in den vergangenen Jahren sehr viele sehr teure Spieler gekauft - darunter Neymar und Kylian Mbappé. Doch in diesem Sommer hat PSG bisher lediglich drei bekannte Profis unter Vertrag genommen. Idrissa Gueye kam für 32 Millionen Euro von Everton, Abdou Diallo für ebenfalls 32 Millionen von Borussia Dortmund, Pablo Sarabia für 18 Millionen vom FC Sevilla und Ander Herrera ablösefrei von Manchester United. Eine großangelegte Transferoffensive sieht in der heutigen Zeit anders aus. Und am Sonntag (ab 21 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) beginnt mit der Partie Olympique Nimes die Saison in der Ligue 1.

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Noch läuft es für Tuchel nicht ideal bei PSG.

(Foto: imago images / VCG)

Dabei ist der Wunsch nach Erfolg auf europäischer Ebene so groß wie eh und je. Denn trotz der hohen Investitionen in den vergangenen Jahren kam PSG nie über das Viertelfinale in der Champions League hinaus. Experten wie Fans rätseln, woran das liegen könnte: Vielleicht mangelte es dem Starensemble an Einmütigkeit, vielleicht ist die heimische Ligue 1 zu schwach, vielleicht fehlte es den Trainern am Konzept.

Seit gut einem Jahr haben die Pariser mit dem 45 Jahre alten Tuchel einen Konzepttrainer, der zu den kompetentesten Fachmännern im Profifußball zählt, aber nicht unumstritten ist. Denn seine Transfers sind nicht immer durchschaubar. Bei Borussia Dortmund drang er darauf, André Schürrle für 30 Millionen Euro aus Wolfsburg zu verpflichten. Dieses sportliche Missverständnis belastete den Gehaltsetat des BVB bis heute - erst vor wenigen Tagen wurde der Weltmeister an Spartak Moskau verliehen.

Eine Ansammlung an Individualisten

Gleichzeitig ist Tuchel dafür bekannt, jungen Talenten und aus seiner Sicht unterschätzten Kickern eine Chance zu geben. Auch in Paris ist das zu beobachten. Im Sommer 2018 holte er Thilo Kehrer, Juan Bernat und Eric Maxim Choupo-Moting an die Seine. Kehrer ist immerhin deutscher Nationalspieler, aber Choupo-Moting, den Tuchel noch aus seiner Mainzer Zeit kennt, passt nun so gar nicht zum PSG von heute. Tuchel scheint es wichtig zu sein, neben den Neymars und Mbappés einige zuverlässige Teamplayer zu haben, die ihm bedingungslos folgen und seine taktischen Ideen umsetzen. Was dagegen spricht, ist der Abgang einiger Eigengewächse wie Adrien Rabiot, Moussa Diaby, Christopher Nkunku und Timothy Weah, die allesamt in den vergangenen Wochen das Weite suchten.

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So könnte PSG zum Saisonstart bei Olympique Nimes spielen.

Der katarische Staat stieg über seine Holding QSI im Jahr 2011 bei Paris ein und übernahm den Klub. Das Bild von PSG hat sich seitdem drastisch verändert. Präsident Nasser Al-Khelaifi wünscht sich nichts sehnlicher als einen Champions-League-Titel und damit internationale Anerkennung für das Engagement Katars, dem Gastgeber der nächsten Weltmeisterschaft. Seit 2011 geht PSG aber auch hauptsächlich mit der Brechstange vor. Die vergleichsweise geringe Attraktivität des Vereins und der französischen Liga wurde mit hohen Gehältern ausgeglichen, um Stars nach Paris zu bringen.

Doch genau dieser Plan hat ein regelrechtes Chaos verursacht. Das wird gerade an der Personalie Neymar deutlich. Der 27-Jährige darf laut Sportdirektor Leonardo bei einem passenden Angebot gehen. Ursprünglich wollten die Pariser aber ihre Mannschaft um den Superstar herum aufbauen. Nur dieser hat mit Eskapaden und einer nicht vorhandenen Bindung zu Verein und Team mittlerweile die meisten gegen sich aufgebracht. Da ist die Aussage von Julian Draxler, dass die Zusammenarbeit mit Neymar und manch anderem Top-Star "manchmal nicht einfach" wäre, wohl noch diplomatisch formuliert.

Zudem kursieren seit langem Wechselgerüchte um Neymar. Medienberichten zufolge soll der FC Barcelona an einer Rückkehr interessiert sein, was aber angesichts der Verpflichtung von Antoine Griezmann in diesem Sommer nicht mehr realistisch erscheint. Vize-Präsident Jordi Cardoner dementierte, dass Verhandlungen geführt werden. Derweil soll laut dem englischen TV-Sender Sky Sports Barças größter Rivale um Neymar buhlen. Real Madrid traf sich angeblich am Mittwochabend mit Neymar und möchte den Top-Star von PSG für den Umbau der eigenen Offensive in die spanische Hauptstadt locken.

Viel zu verbessern

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Zusammen gelacht haben Neymar (links) und Mbappé in den vergangenen Wochen wenig - der Brasilianer will wohl weg aus Paris.

(Foto: imago images / PanoramiC)

All das sind natürlich keine guten Arbeitsbedingungen für Tuchel, der irgendwie alle Stars unter einen Hut bekommen und zugleich der Mannschaft seine Idee von Fußball eintrichtern muss. Al-Khelaifi misst den Trainer schlussendlich an den Ergebnissen, besonders dem Abschneiden auf internationaler Bühne. Da spielt die momentane Unruhe eine untergeordnete Rolle - zumal Tuchel dem Team mit Kehrer, Diallo und Co. allmählich ein zweites Gesicht nach seinen Vorstellungen verpasst.

Doch noch tüftelt er an der richtigen Spielidee, um einerseits die Stars einzubinden, aber eben auch keinen Harakiri-Fußball mit unbändigem Offensivdrang Neymar und Mbappés zuliebe zu praktizieren. Zuletzt bemängelte der deutsche Cheftrainer sehr dezidiert, dass seine Spieler die PS nicht auf die Straße bekommen. "Wir verlieren zu viele Bälle in der eigenen Hälfte. Das gefällt uns überhaupt nicht", sagte er und brachte die Gesamtsituation mit einem Satz auf den Punkt: "Es gibt viel zu verbessern."

Quelle: n-tv.de

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