Fußball

Nach PSG-Niederlage gegen Rennes Tuchel steht in Paris schon unter Druck

Schwierige Zeiten für Thomas Tuchel (45). Nach der ersten Saison-Niederlage gegen Stade Rennes wird über seine Zukunft als Trainer bei Paris Saint-Germain spekuliert.

Schwierige Zeiten für Thomas Tuchel (45). Nach der ersten Saison-Niederlage gegen Stade Rennes wird schon jetzt über seine Zukunft als Trainer bei Paris Saint-Germain spekuliert.

(Foto: imago images / PanoramiC)

Zwei Spieltage ist die Saison in Frankreich alt. Und schon wird spekuliert, wie lange der deutsche Thomas Tuchel noch Trainer des Fußball-Serienmeisters Paris Saint-Germain bleibt. Auslöser ist die Niederlage bei Stade Rennes - doch die Gründe für den Ärger sind vielschichtiger.

Die Saison in der französischen Ligue 1 ist noch jung. Doch nach der Niederlage des Serienmeisters Paris Saint-Germain PSG bei Pokalsieger Stade Rennes steht der deutsche Trainer Thomas Tuchel schon gehörig unter Druck. Erste Medien spekulieren bereits über ein baldiges Ende seiner Zeit beim Scheichklub aus der Hauptstadt. Das mag überzogen klingen. Eine Niederlage am zweiten Spieltag, das kann schließlich passieren.

Auf der Pressekonferenz im Anschluss an das Spiel gegen Rennes mahnt Thomas Tuchel zur Ruhe. Solche Spiele könnten zu diesem frühen Zeitpunkt passieren, so der Trainer.

Thomas Tuchel mahnt zur Ruhe: Solche Spiele könnten zu diesem frühen Zeitpunkt passieren.

(Foto: REUTERS)

"Wir sind nicht auf unserem besten Niveau, aber es haben auch einige Spieler gefehlt. Solche Situationen sind normal im August", sagte der frühere Bundesliga-Coach nach dem 1:2 (1:1) am Sonntagabend. "Wir müssen jetzt Geduld haben und Vertrauen in uns. Wir können nicht alles in Frage stellen nach einem schlechten Ergebnis", forderte Tuchel. Nur geht es nicht mehr bloß um "ein schlechtes Spiel" im August 2019. Es sind zwei andere Faktoren, die ihn belasten.

Zum einen ist da die saisonübergreifende Serie von Auswärtsniederlagen. Fünf der jüngsten sechs Spiele gingen verloren. Die vergangenen sechs Monate gehören - einschließlich des verlorenen Pokalfinales gegen Rennes und des Achtelfinal-Aus gegen Manchester United in der Champions League - zu den schlechtesten seit der Übernahme des Klubs durch die "Qatar Sports Investment" 2011.

Der Mannschaft fehlen Wille und Teamgeist

Zum anderen ist da die Art und Weise, wie das Spiel in Rennes verloren wurde. Es fehlte an Leidenschaft, Willen und Konzentration. Die französische Boulevardzeitung "Le Parisien" schreibt: "Es ist noch immer eine Mannschaft, die sich lieber auf ihrem Talent ausruht, statt ein gemeinsames Ziel zu verfolgen, und die sich mitunter auf die Fehler der schwachen Konkurrenz in der Ligue 1 verlässt." Tatsächlich fiel das Tor für PSG nach einem kapitalen Fehlpass von Rennes' Kapitän Damien da Silva, der den Ball statt zum eigenen Torwart zum freistehenden Edinson Cavani spielte. Der Uruguayer musste nur noch einschieben.

Ratlos: Verteidiger Thiago Silva (34) nach der Niederlage am Sonntag Abend.

Ratlos: Verteidiger Thiago Silva nach der Niederlage am Sonntagabend.

(Foto: imago images / PanoramiC)

Auf der anderen Seite verteidigte PSG oft unkonzentriert, leistete sich zu viele Fehler in der Rückwärtsbewegung und war nicht nur beim Kopfball von Romain del Castillo zum 2:1 zu weit weg vom Gegenspieler. Verteidiger Thiago Silva war nach dem Spiel selber ratlos. In einem Interview sagte er Canal+: "Es war ein schwieriges Spiel, es ist auch schwierig, darüber zu reden. Wir waren nachlässig, ich weiß nicht warum. Rennes war defensiv solider, aufmerksamer und ich weiß nicht genau, was da passiert ist." Und eurosport.fr analysierte: "Es wird immer schwerer, den Pariser Trainer zu entlasten. Sein Spielplan war zufällig. Der Deutsche hat zu keinem Zeitpunkt taktische Antworten gefunden. Und seine Spieler offenbarten immer die gleichen Lücken in der Konzentration und in der Intensität des Rückzugs in die Defensive."

Die Sportzeitung "L'Equipe" schätzt zudem die Entscheidung von Tuchel für eine Rückkehr zum 5-3-2 als Fehler ein - noch in der Vorbereitung ließ er in einer 4-3-3-Formation spielen. Die französischen Sportjournalisten zitierten eine für Tuchel unerfreuliche Statistik: "Es war erst das dritte Mal seit der Übernahme durch die Kataris, dass PSG ein Spiel im August verlor. In den beiden ersten Fällen konnten sie nicht die Meisterschaft gewinnen."

Neymar fehlt auf und hemmt neben dem Platz

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Tuchel nicht allein verantwortlich ist für die Unruhe im Klub. Seit Wochen belastet der Transfer-Poker um Superstar Neymar das Team. Solange nicht klar ist, ob und wohin der eigenwillige Brasilianer wechselt, kann PSG schwer planen, ob neue Spieler gebraucht werden. Dabei wären Verstärkungen auf mindestens zwei Positionen dringend notwendig: Zum einen ist fraglich, ob Stammtorwart Alphonse Areola auf allerhöchstem Niveau ein sicherer Rückhalt ist. Nach den Abgängen von Gianluigi Buffon und Kevin Trapp stehen ohnehin nur noch zwei Keeper im Kader. Ein Torwart muss also sicher noch unter Vertrag genommen werden - vielleicht sogar eine neue Nummer Eins.

Auch der deutsche Nationalspieler Julian Draxler (25) muss sich Kritik gefallen lassen. Gegen Rennes konnte er nicht auf sich aufmerksam machen.

Auch der deutsche Nationalspieler Julian Draxler muss sich Kritik gefallen lassen. Gegen Rennes konnte er nicht auf sich aufmerksam machen.

(Foto: REUTERS)

Auch in der Offensive fehlt noch ein Hochkaräter. In der Spitze ist Cavani derzeit Alleinunterhalter. Und auf den Flügeln fehlt ohne Neymar ein Kreativspieler, der mit Kylian Mbappé auch stabile Abwehrketten wie die von Stade Rennes aushebeln kann. Der derzeitigen Lösung Julian Draxler wird diese Fähigkeit in Frankreich des Öfteren abgesprochen. Trainer Tuchel forderte daher klipp und klar: "Wir können Neymar nicht ohne Neuverpflichtung verlieren. Das ist schlicht nicht möglich!" Nachdem Philippe Coutinho vom FC Barcelona sich für den FC Bayern entschieden hat, drängt sich vor allem Paulo Dybala von Juventus Turin auf. Es ist bekannt, dass der 25-jährige Argentinier wechselwillig ist. Auch der erst 19-jährige Vinicus Jr. wird als Teil eines Neymar-Deals mit Real Madrid gehandelt. Wie wichtig diese Verstärkung wäre, stellt "Le Parisien" klar: "Es muss gesagt, wiederholt und eingehämmert werden: Paris wird ohne Neymar nicht stärker sein." Doch solange keine Klarheit um Neymar herrscht, kann Thomas Tuchel kaum auf weitere Verstärkung hoffen.

Sie wollen die Champions League gewinnen - um jeden Preis. Sportdirektor Leonardo (links) und Nasser Al-Khelaifi, Präsident von PSG.

Sie wollen die Champions League gewinnen - um jeden Preis. Sportdirektor Leonardo (links) und Nasser Al-Khelaifi, Präsident von PSG.

(Foto: picture alliance/dpa)

Gerade mit Blick Richtung Europa könnte ihm das noch zum Verhängnis werden. Es ist bekannt, dass die Besitzer aus Katar hohe Ziele haben. Die Champions-League-Trophäe soll her, und zwar lieber heute als morgen. Die Vergangenheit hat gezeigt: Geduld ist nicht die größte Stärke der Scheichs. Will er seinen Job behalten, sollte Tuchel ihnen so schnell keinen weiteren Grund zur Sorge geben. "L'Equipe" gibt ihm maximal ein halbes Jahr, um seine Bosse zu überzeugen. Oder wie eurosport.fr schreibt: "Tuchel ist nicht der einzige Verantwortliche. Aber er ist der Trainer. Und zwar ein Trainer an einem Faden, der noch nie so dünn schien." Er selber will davon nichts wissen: "Ich habe keinen Druck. Ich bin Trainer und ein glücklicher Mensch, das ist ein Geschenk. Ich führe ein glückliches Leben."

Quelle: n-tv.de