Fußball

Spektakulär gut in (DFB)-Form Über Mario Götze muss diskutiert werden

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Mario Götze zaubert wieder.

(Foto: imago images/Pro Shots)

Was für ein Saisonstart für Mario Götze: Beim 5:1 der PSV Eindhoven in der Champions-League-Qualifikation gegen Galatasaray zeigt er auf beeindruckende Weise seine Qualitäten. Für die PSV ist das nur eine gute Nachricht. Denn an einen Wechsel denkt Götze nur ein bisschen.

Ein Tor mit dem Schultereckgelenk hatte Mario Götze in seiner Karriere wohl auch noch nicht erzielt. Und wäre es nach Mario Götze gegangen, wäre es auch dabeigeblieben. Denn ursprünglich war sein Plan ja gewesen, eine wundervolle Flanke von Philipp Max per Kopf in den Winkel zu heben. Das war angesichts seiner Bewegung allzu offensichtlich. Nun, was soll’s, der Erfolg heiligt die Mittel. Zumindest manchmal. So wie am Mittwochabend, als der Weltmeister von 2014 das fünfte Tor für seine PSV Eindhoven erzielt hatte. Getroffen hatte Götze - jetzt wird es etwas sperrig - im Zweitrunden-Hinspiel der Champions-League-Qualifikation gegen Galatasaray Istanbul (5:1). Der Treffer mit dem Schultereckgelenk war sein zweiter im Spiel.

Man hatte ja tatsächlich lange nichts mehr gehört von Mario Götze. Außer natürlich man hatte sehr konkret nach ihm gesucht. Dann hätte man zum Beispiel erfahren, dass er sich ziemlich wohlfühlt bei seiner PSV. Und, dass er dort bleiben möchte. Mindestens noch ein Jahr. So lange läuft sein Vertrag mit dem niederländischen Spitzenklub noch. Es ist ein durchaus bemerkenswertes Bekenntnis, wenn auch kein ultimatives. Gegenüber der Zeitung "Voetbal international" hatte der 29-Jährige zuletzt ehrlich eingestanden, dass es derzeit keine anderen Angebote gebe. Aber er hatte eben auch gesagt: "Es muss schon etwas wirklich Gutes sein, wenn ich gehen will." Thema (vorerst) abgehakt.

Und mit Eindhoven bekommt er nun womöglich das, was er sich unbedingt wünscht. Was ihn reizt, was ihn stets angetrieben hat und immer noch antreibt. Spiele nicht nur in der heimischen Liga, sondern eben auch auf der ganz großen Bühne. Das Rückspiel gegen Istanbul dürfte auf dem Weg zurück in die Champions League keine all zu große Herausforderung werden. Zu dominant war die Mannschaft von Roger Schmidt. Zu überfordert waren die Türken mit dem aggressiven Pressing der Niederländer. Und mit der Spielfreude des Deutschen, der in dieser Saison als klassischer Spielmacher auflaufen darf. Bleibt dann wahrscheinlich nur noch eine Aufgabe, bevor die Königsklasse fix gebucht werden kann: Sie heißt entweder Celtic Glasgow oder FC Midtjylland, Hinspiel 1:1, sowohl bei Toren, als auch bei Platzverweisen. Starke Gegner, keine Frage. Aber eben auch machbare Gegner.

"Weil er fast immer alles richtig macht"

Vor allem mit Götze in der Verfassung und der Rolle vom Mittwochabend. Als Mann hinter Stürmer Eran Zahavi, der drei Tore erzielt hatte. Auch, weil der ehemalige Dortmunder als Spielmacher einige Angriffe mit eingeleitet hatte. "Es ist einfach toll, mit Mario zusammenspielen. Er macht mir das Leben auf dem Platz viel leichter, weil er fast immer alles richtig macht", lobte Zahavi. Sätze, die man über den so begnadeten Spielmacher lange nicht gehört hatte. Sehr lange nicht.

Die Idee von Schmidt, Götze zum zentralen Mann zu machen, ist eine, die bislang sehr überzeugend wirkt. Der Trainer hat dafür extra sein System verändert. Statt im 4-4-2 spielt Eindhoven nun im 4-2-3-1. Womöglich ist die Anpassung auch eine präventive Maßnahme, um auf den drohenden Abgang von Top-Talent Donyell Malen vorbereitet zu sein. Er war schließlich der zweite Mann in der Spitze neben dem Israeli Zahavi. Der 22-Jährige wird heftig vom BVB umworben. In Dortmund soll er helfen, den Abgang von Jadon Sancho zu kompensieren.

Nun, Götze können die Gründe reichlich egal sein, er bewegt sich wieder in seinem sportlichen Wohlfühlbereich. Er agiert dort, wo er mit seiner Technik, seiner Spielfreude und seiner Übersicht am stärksten und wertvollsten ist. Und er kann in dieser Rolle wichtige Argumente sammeln, um sich bei Hansi Flick ins Gespräch zu bringen. Denn auch der neue Bundestrainer wird zuletzt bei der Europameisterschaft sehr genau beobachtet, dass es für die träge Offensive der deutschen Nationalmannschaft dringend gute Impulse braucht. Natürlich wird Flick dabei vor allem seine alten Bayern-Jungs im Blick haben, aber eben auch Götze. Den wollte er nämlich im vergangenen Sommer zurück nach München holen. So hieß es damals. Die Idee stieß aber offenbar nicht auf Zustimmung bei den Bossen. Wieder einmal. Man kennt die Geschichte.

Letztes Länderspiel ist gefühlte Ewigkeit her

Zwar pflegte Götze auch zu Joachim Löw eine außergewöhnliche Beziehung. Der ewige Bundestrainer hielt schließlich jahrelang in einer bemerkenswerten Loyalität an seinem Weltmeistermacher fest. Auch, wenn es bei dem nicht lief. Aber irgendwann war es dann auch damit vorbei, denn berücksichtigt wurde der 29-Jährige schon länger nicht mehr. Das bislang letzte seiner 63 Länderspiele absolvierte er am 14. November 2017. Damals war er im Testduell gegen Frankreich (2:2) in der 65. Minute für İlkay Gündoğan eingewechselt worden. Dabei bereitete er in der 90. Minute den Ausgleich durch Lars Stindl vor.

Die folgende, jahrelange Abstinenz hatte gute Gründe, beim BVB war der Spielmacher in den vergangenen Jahren nur selten in einer Form, die ihn für die DFB-Elf qualifiziert hatte. Trainer Lucien Favre hat keine große Idee, was er mit dem feinen Techniker anfangen konnte. Hinzu kamen die gesundheitlichen Probleme. Eine Stoffwechselerkrankung setzte ihm hart zu. Das ist offenbar vorbei. Schon die vergangene Saison war gut, in 25 Pflichtspielen erzielte er sechs Tore, bereitete sieben weitere vor. Womöglich wäre noch mehr gegangen, wenn er nicht mit wegen der verletzten Leisten so lange hätte pausieren müssen (knapp acht Wochen).

Nun beginnt die neue Saison furios. Noch schöner als Tor mit dem Schultereckgelenk war sein erster Treffer zum 3:1. Perfekt freigespielt schlenzte der den Ball freistehend vor Keeper Fernando Muslera in den Winkel. Das war bereits Königsklasse. Und womöglich noch ein bisschen mehr. Niemand sollte sich wundern, wenn nun wieder häufiger von Götze zu hören ist.

Quelle: ntv.de

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