Fußball

Drei Elfmeter, zweimal Gelb-Rot Union kennt auch gegen Werder keinen Alltag

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Wo Union ist, ist Spektakel. Das lässt sich nach vier Spieltagen bereits festhalten.

(Foto: imago images / Camera 4)

Drei Strafstöße, zwei Videobeweise, zwei Gelb-Rote Karten und nicht nur ein zufriedener Trainer. Der SV Werder Bremen gewinnt ein sehr hitziges Bundesligaspiel beim 1. FC Union und freut sich schon aufs nächste Jahr. Die Berliner wissen, dass es hart wird.

Ist das jetzt der Bundesligaalltag für den 1. FC Union Berlin? Mit 1:2 (1:1) unterlagen die Fußballer aus Köpenick dem SV Werder Bremen an diesem vierten Spieltag in einer emotionsgeladenen Partie. Für den Aufsteiger war es die zweite Heimniederlage, die Gäste feierten dagegen ihren ersten Auswärtssieg und den zweiten in dieser Saison. Auch wenn das im Profisport keine belastbare Kategorie ist, wäre ein Remis vielleicht gerechter gewesen. Da Davy Klaassen und Niklas Füllkrug in der fünften und 55. Minute zwei Treffer erzielten, Sebastian Andersson nach einer Viertelstunde aber der einzige Berliner Torschütze blieb, ist es nun einmal wie es ist und die spielerisch bessere Mannschaft gewann.

Für die Berliner gab es keine Klatsche wie gegen RB Leipzig am ersten Spieltag, keine Sensation wie gegen Borussia Dortmund am dritten. Sie verloren nun einfach nur ein hitziges Spiel mit drei Elfmetern, zwei Videobeweisen und zwei Gelb-Roten Karten. Urs Fischer war mit den Köpenickern in der vergangenen Saison aufgestiegen und hatte ihnen "auf sportlicher Ebene den entscheidenden Funken Professionalität verliehen", wie die "Berliner Zeitung" schrieb. "Zudem hat der 53-Jährige im Gegensatz zu einer Reihe seiner Trainer-Vorgänger die richtige Distanz zu all dem positiven, ihn umschwirrenden Wahnsinn in Rot-Weiß, ohne dabei unnahbar zu wirken." Sein Klub jedenfalls hat ihm nun in dieser Woche über den "Kicker" angeboten, den am Ende der Saison auslaufenden Vertrag zu verlängern. Fischer sagte, dass er sich das grundsätzlich vorstellen könne.

Union Berlin - Werder Bremen 1:2 (1:1)

Tore: 0:1 Klaassen (5., Foulelfmeter nach Videobeweis), 1:1 Andersson (14., Handelfmeter nach Videobeweis), 1:2 Füllkrug (55.)
Berlin:
Gikiewicz - Trimmel, Friedrich, Subotic, Lenz - Gentner (84. Abdullahi), Andrich - Becker (73. Gogia), Bülter - Ujah (67. Polter), Andersson; Trainer: Fischer.
Bremen: Pavlenka - Lang, Gebre Selassie, Groß, Friedl - Sahin - Bittencourt (90. Goller), Klaassen - Osako (68. Sargent), Füllkrug, Johannes Eggestein (84. Pizarro); Trainer: Kohfeldt.
Schiedsrichter: Welz (Wiesbaden)
Zuschauer: 22.012 (ausverkauft)
Gelb-Rote Karten: Subotic wegen wiederholten Foulspiels (89.) und Sahin wegen unsportlichen Verhaltens (90.+1)
Besonderes Vorkommnis: Gikiewicz hält Foulelfmeter von Klaassen (55.)

Der Bremer Sieg, konstatierte er, sei nicht unverdient, "aber trotzdem ein bisschen unglücklich. Wenn ich mir die 90 Minuten anschaue, hätten wir einen Punkt verdient". Mit seinem Kollegen Florian Kohfeldt einte ihn, dass beide Trainer stolz auf die Mentalität ihrer Spieler waren. In der Tat hatten beide Mannschaften alles gegeben, auch wenn selten toller Fußball dabei herauskam. Aber nicht nur Kohfeldt hatte "Herz und Leidenschaft" gesehen. Er lobte sein Team, dem ja immerhin zehn verletzte Spieler gefehlt hatten. Und auch für den Gegner hatte der Bremer einige Komplimente parat. Die Atmosphäre sei einfach toll gewesen. "Es hat hier grundsätzlich sehr viel Spaß gemacht."

"Ein besonderer Bundesliga-Standort"

Denn was heißt schon Alltag? Die Unioner berauschen sich an sich selbst. Niemand weiß, wie lange das noch geht mit der ersten Liga. Es hat ja gerade erst angefangen. Dass es hart wird, hatten sie geahnt. Und so zeigten sie vor der Partie noch einmal auf der Videoleinwand die drei Tore gegen Dortmund vor zwei Wochen. Dieser Erinnerung nimmt ihnen niemand mehr. Auch bis Bremen hatte sich herumgesprochen, dass die Stimmung im Stadion An der Alten Försterei mit nur 3.617 Sitzplätzen, aber 18.395 Stehplätzen schon ganz gut ist. Natürlich sei das "ein besonderer Bundesliga-Standort" hatte Kohfeldt gesagt. Auch beim dritten Heimspiel in dieser allerersten Erstligasaison waren 22.012 Zuschauer da, ausverkauft. In der Tat können die gehörig Lärm machen.

Aber zurück zum Spiel. Die erste Halbzeit ist schnell erzählt, zweimal Videobeweis, zwei Elfmeter, zwei Tore, 1:1. In der zweiten Minute legte der Berliner Linksverteidiger Christopher Lenz den Ball zurück zu seinem Torhüter Rafal Gikiewicz. Das Problem war nur, dass ihm, also Lenz, die Rücklage zu kurz geriet, sodass Bremens Kapitän Klaassen fix heraneilte und im Duell mit Gikiewicz und Lenz hinfiel. Der Unparteiische Tobias Welz entschied auf Strafstoß, sah sich das Ganze aber auf Anraten des Videoschiedsrichters Bastian Dankert noch einmal auf dem Bildschirm an. Es blieb dabei. Klaassen verwandelte in der fünften Minute humorlos mit einem Schuss in die Mitte des Tores. Neun Minuten später der Ausgleich. Dieses Mal ging es um ein Handspiel des Bremers Christian Groß, auch hier vergewisserte sich Welz am Monitor, Berlins Angreifer Andersson traf vom Punkt.

Klassischer Fall von zu früh gefreut

Nach der Pause bekamen die Bremer wieder einen Elfmeter, dieses Mal ganz ohne Videogucken. Nach einem Eckball hielt Unions Kapitän Christopher Trimmel seinen Gegenspieler Theodor Gebre Selassie am Trikot fest, doch Gikiewicz wehrte den Schuss von Klaassen ab. Das war für die Köpenicker aber ein klassischer Fall von zu früh gefreut. Nuri Sahin trat den folgenden Eckball, Niklas Füllkrug flog durch die Berliner Luft und köpfte in der 55. Minute den Ball zum 1:2 ins Tor.

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Für so eine Aktion kann man schon des Feldes verwiesen werden: Neven Subotic sah Gelb-Rot.

(Foto: imago images / Nordphoto)

Danach versuchten die Berliner alles, brachten für Anthony Ujah mit Sebastian Polter einen frischen Angreifer, der in der 77. und 87. Minute kurz vor des Gegners Tor knapp am Ball vorbeirauschte. Marius Bülter, der gegen den BVB zweimal getroffen hatte, verlor in der 81. Minute den Zweikampf gegen Bremens Torhüter Jiri Pavlenka. Und Andersson hatte in der Nachspielzeit eine ganz große Chance. Da waren Innenverteidiger Neven Subotic und Werders Mittelfeldspieler Nuri Sahin nach ihren Gelb-Roten Karten in der 89. und 91. Minute schon draußen. Subotic hatte in der Hitze des Gefechts Leonardo Bittencourt an die Bande gedrückt, worauf alle auf der Bremer Bank empört aufsprangen. Kohfeldt sah dafür Gelb. Sahin hatte einen Freistoß ausgeführt, obwohl Schiedsrichter Welz den Ball noch nicht freigegeben hatte, eine ungleich härtere Entscheidung.

Für die Berliner hat es am Ende nicht ganz gereicht, aber immerhin hatte Kohfeldt noch ein Kompliment für den Gegner in petto, dass er sehr elegant verpackte: Die Köpenicker seien "eine absolute Bereicherung für die Liga. Ich freue mich auf unser Auswärtsspiel im nächsten Jahr." Es ist davon auszugehen, dass er nicht damit rechnet, dass beide Mannschaften absteigen.

Quelle: ntv.de