Fußball

Alisson und Van Dijk begeistern Verlässlich auch in ganz großen Spielen

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Geschafft: Virgil van Dijk und Torwart Alisson Becker waren die fehlenden Teile in Jürgen Klopps Champions-League-Puzzle. Jetzt ist das Bild komplett.

(Foto: imago images / Pro Shots)

Im vergangenen Jahr verliert der FC Liverpool das Finale der Fußball-Champions-League auf der Torwart-Position, diesmal gewinnt er es auch dort. Der Sieg gegen Tottenham ist die Folge davon, dass Jürgen Klopps Klub mittlerweile viel Geld für Spieler ausgibt.

Ganz am Ende dieses drückend heißen Fußballabends trug sich tief unten im Metropolitano-Stadion von Madrid eine Szene zu, die in mehrfacher Hinsicht Symbolwert hatte. Der FC Liverpool hatte die Champions League gewonnen durch das 2:0 gegen Tottenham Hotspur, zum insgesamt sechsten Mal, und zum ersten Mal unter Jürgen Klopp.

Nach und nach verließen die Spieler den Ort der Veranstaltung, und einem von ihnen kam die ehrenvolle Aufgabe zu, den Pokal aus dem Stadion zu tragen und in den Mannschaftsbus zu überführen. Diesen Job erledigte Alisson Becker, der brasilianische Torwart mit Vorfahren im Saarland. Es hätte keinen besseren Aufpasser für den Silber-Cup mit den Riesenhenkeln gegeben, die Trophäe befand sich bei ihm wortwörtlich in den besten Händen. Er hatte ja zuvor schon den Sieg festgehalten, mit guten Paraden in der Schlussphase gegen Heung-min Son, Lucas Moura und einen Freistoß von Christian Eriksen.

Klopp brauchte die besten Spieler - und bekam sie

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Alisson als Wächter des Pokals – das stand auch sinnbildlich dafür, was sich bei Liverpool verändert hat. Wenn man sah, wie der Torwart gleich nach der Übergabe der Trophäe auf dem Rasen feierte, wie er sein grünes Trikot über dem Kopf kreisen ließ, da musste man zwangsläufig an das Finale vor einem Jahr denken, an das 1:3 gegen Real Madrid. Damals stand nach dem Spiel der deutsche Torwart Loris Karius vor der Fankurve, weinte so bitterlich, wie man beim Fußball selten jemanden hat weinen sehen, und hob entschuldigend die Hände, weil er die Niederlage mit zwei Fehlern maßgeblich zu verantworten hatte.

Klopp erkannte danach, dass er die besten Spieler braucht, wenn er den FC Liverpool zu alter Größe führen möchte. Der Verein stellte ihm die nötigen Mittel zur Verfügung, um die besten Spieler zu kaufen. Für rund 75 Millionen Euro kam Alisson zu dieser Saison vom AS Rom, das war für kurze Zeit die höchste Summe, die jemals für einen Torhüter bezahlt worden war. Der FC Liverpool hat sich verwandelt, dank Innenverteidiger Virgil Van Dijk, der ein halbes Jahr zuvor für 84 Millionen Euro vom FC Southampton gekommen war, und dank Alisson. Er ist dank ihnen von einem Überraschungsgast im Champions-League-Finale im vergangenen Jahr zum Gewinner in diesem geworden.

Wenn man Liverpools Europapokal-Saison betrachtet, dann taucht in entscheidenden Momenten immer wieder Alisson auf. Im Vorrunden-Finale gegen Neapel bewahrte er seine Mannschaft in der Nachspielzeit mit einer Parade gegen Arkadiusz Milik vor dem Aus. Beim wundersamen 4:0 an der Anfield Road im Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Barcelona parierte er mehrmals stark und verhinderte, dass den Gästen aus Katalonien ein Auswärtstor gelang, das ihnen nach dem 3:0 im Hinspiel wohl zum Weiterkommen gereicht hätte. Mit seinen Paraden im Finale hielt er das dünne 1:0, aus dem der eingewechselte Divock Origi kurz vor Schluss noch ein 2:0 machte. "Ali musste ein paar Bälle halten, er hat ein sensationelles Spiel gemacht und sah unbesiegbar aus", sagte Klopp später. "Ali war da, um uns zu retten", sagte Van Dijk.

Auch er selbst, der zweite Spieler, den Liverpool für viel Geld verpflichtet hat, machte ein herausragendes Spiel. Zusammen mit dem ebenfalls starken Ex-Schalker Joel Matip in der Innenverteidigung degradierte Van Dijk Tottenhams Sturm-Star Harry Kane zur Unsichtbarkeit in dessen erstem Spiel nach siebenwöchiger Verletzungspause – und vollendete eine erstaunliche Serie. Laut dem Datendienst Opta hat es in den vergangenen 64 Pflichtspielen kein einziger Gegner geschafft, an Van Dijk vorbei zu dribbeln. In Madrid zeigte er, was schon längst klar war, nämlich, dass auch in den ganz großen Spielen auf ihn Verlass ist. Englands Fußballer des Jahres ist er schon. Nach dem Gewinn der Champions League hat er ernsthafte Aussichten, als erster Abwehrspieler seit Italiens damaligem Weltmeister-Kapitän Fabio Cannavaro im Jahr 2006 Weltfußballer zu werden. Van Dijk will davon allerdings nichts wissen. "Messi ist immer noch der beste Spieler der Welt", sagte er: "Auch wenn er nicht im Finale war."

Messi ist bekanntlich mit seinem FC Barcelona an der Anfield Road untergegangen – gegen einen Klub, der viel Geld in die eigene Verwandlung investiert hat, und dafür an dem drückend heißen Abend von Madrid mit dem Champions-League-Titel belohnt wurde.

Quelle: n-tv.de

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