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"Das muss man einem ausländischen Spieler zugestehen. Ich kann versichern: Er weiß jetzt, wer Holstein Kiel ist." Wolfsburgs Trainer Bruno Labbadia über Divock Origi.
"Das muss man einem ausländischen Spieler zugestehen. Ich kann versichern: Er weiß jetzt, wer Holstein Kiel ist." Wolfsburgs Trainer Bruno Labbadia über Divock Origi.(Foto: imago/regios24)
Donnerstag, 17. Mai 2018

Holstein? Nie gehört!: VfL Wolfsburg kann nur alles verlieren

Die Zahlen sind eindeutig. Ginge es nur danach, hätte Holstein in der Relegation zur Fußball-Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg keine Chance. Genau die wollen die Kieler nutzen - gibt es beim VfL doch Spieler, die noch nie etwas vom Gegner gehört haben.

Für die einen sind es große Zitterpartien, für die anderen, wie sie sagen "Bonusspiele" und "das Highlight des Jahres". In jedem Fall aber sind die Relegationsspiele zwischen dem VfL Wolfsburg und Holstein Kiel ein Duell der Gegensätze. An diesem Donnerstag (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) steigt beim Bundesliga-Drittletzten in Wolfsburg im mit seinen 30.000 Plätzen ausverkauften Stadion am Mittellandkanal das Hinspiel. Das Rückspiel findet am Pfingstmontag, ebenfalls ab 20.30 beim Zweitliga-Dritten in Kiel statt.

Wie hocjh fliegen die Störche? Steven Lewerenz und Kapitän Rafael Czichos.
Wie hocjh fliegen die Störche? Steven Lewerenz und Kapitän Rafael Czichos.(Foto: imago/Jan Huebner)

Die Ausgangslage ist klar, die Wolfsburger sind favorisiert. Allerdings musste Trainer Bruno Labbadia seinen Profis erst einmal einbimsen, dass von Holstein ernsthafte Gefahr ausgeht. Angreifer Divock Origi zum Beispiel hatte nach eigenem Bekunden bis zum vergangenen Wochenende noch nie etwas von Holstein Kiel gehört, Mittelfeldspieler Josuha Guilavogui Zweitliga-Torschützenkönig Marvin Ducksch mit seinen 18 Treffern überhaupt nicht auf dem Radar. "Das zeigt, was für verschiedene Welten aufeinandertreffen", sagte Holsteins Kapitän Rafael Czichos: "Hier Spieler, die bei Weltmeisterschaften spielen oder von Liverpool kommen. Und dann wir, die den Fußball von einer etwas anderen Seite kennen."

Das hindert die Kieler dennoch nicht daran, an ihre Chance zu glauben, als erster Klub aus Schleswig-Holstein in die Bundesliga einzuziehen. "Wir wollen Ergebnisse erzielen, damit wir etwas Historisches schaffen. Das primäre Ziel ist es, dass wir uns gut verkaufen", sagte Trainer Markus Anfang, der so oder so in der zweiten Liga bleibt. Er wechselt im Sommer zum 1. FC Köln. Holstein ist jedenfalls nicht zufällig auf Rang drei des Unterhauses gelandet. Die Störche haben nur sechs Niederlagen kassiert - die wenigsten in der Liga. Dazu stellten sie mit 71 Toren den besten Sturm - und wollen auch gegen Wolfsburg offensiv agieren. Die Zahlen aber sprechen dann doch eher für den Bundesligisten.

Etat: Der VfL Wolfsburg bekommt vom Mutterkonzern Volkswagen pro Jahr etwa 60 bis 70 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das Gehaltsbudget des Zweitligisten Kiel beträgt 6,2 Millionen Euro. "Das sind etwa zwei Top-Spieler unseres Gegners", sagte Kiels Sportlicher Leiter, Ralf Becker, im Interview mit der "Sport Bild". Holstein ist erst in der vergangenen Saison aus der dritten Liga aufgestiegen.

Marktwert: Die Kollegen von transfermarkt.de haben ausgerechnet, dass jemand, der den gesamten Spielerkader des VfL kaufen wollte, dafür 142,85 Millionen Euro ausgeben müsste. Das Wolfsburger Personal ist damit etwa zehnmal so viel wert wie das der Kieler, die zusammen auf 14,53 Millionen Euro kommen.

Erfolge: Beide Klubs waren je einmal deutscher Meister. Bei Holstein liegt das mehr als hundert Jahre zurück. 1912 feierte Kiel den Titel. Wolfsburg war 2009 Meister und holte sechs Jahre später den DFB-Pokal. Die Niedersachsen spielen seit 21 Jahre ununterbrochen in der Bundesliga. Kiel stieg im vergangenen Sommer erstmals überhaupt in die eingleisige zweite Liga auf.

Vereine: Die Kieler Sportvereinigung Holstein wurde 1900 gegründet und ist bis heute ein eingetragener Verein. Der VfL wurde 1945 gegründet. 2001 übernahm Volkswagen 90 Prozent der ausgegliederten Fußball-GmbH. Seit 2007 ist der VfL eine hundertprozentige VW-Tochter.

Spruch: "Für die ist es das größte Highlight der Saison. Sie haben etwas sehr Schönes geschafft. Die können nur gewinnen, wir alles verlieren." Wolfsburgs Kapitän Paul Verhaegh.

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Quelle: n-tv.de