Fußball

Nachfolger von Favre in Gladbach Warum Mirko Slomka eine gute Idee wäre

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Lucien Favre (r.) ist weg, Mirko Slomka wird als Nachfolger gehandelt - und wäre sicher eine gute Idee.

(Foto: imago/Revierfoto)

Max Eberl hat nie das Gefühl gehabt, Lucien Favre könnte in Gladbach hinwerfen. Seit Sonntagabend weiß er: Favre kann. Einen Plan B hat der Sportdirektor noch nicht. Doch es gibt da einen Mann, der für die Nachfolge prädestiniert wäre.

Es ist keine 24 Stunden her, da hat Lucien Favre ganz Fußball-Deutschland überrascht. Der Schweizer macht die Flatter und verlässt Borussia Mönchengladbach. Noch während die Kommentatoren von Zeitungen und Online-Portalen ihre Meinungen zum Rücktritt verbreiten und sich im Kollektiv relativ eng um das Wort "feige" bewegen, läuft die Spekulationsmaschine für das verwaiste Traineramt auf Hochtouren. Wie üblich wird in den Schubladen gekramt und nach arbeitslosen Übungsleitern gesucht, oder auch ein beliebtes Spiel, völlig überraschende, aber doch irgendwie total gute Lösungen von Klubs aus unteren Ligen präsentiert. Das macht Spaß, weil Spekulieren immer Spaß macht. Und wird gern diskutiert, weil sich die Fußball-Interessierten gerne an den gehandelten Namen und ihrer Sinnhaftigkeit abarbeiten.

Doch wird in den Kommentaren, Meinungen, Einschätzungen nur allzu häufig die Realität außer Acht gelassen. Dass nun bei jedem ambitionierten Klub, der ins Schlingern gerät, der Name Jürgen Klopp gehandelt wird, ist nachvollziehbar, weil der Name Aufmerksamkeit verspricht. Aber genauso schnell, wie der Name Klopp auf der Agenda erscheint, kommt das Dementi seines Beraters. Mal vom Spaß an der Spekulation abgesehen, ist es genauso wenig zielführend Namen von verdienten Trainern ins Gespräch zu bringen, die bereits seit längerer Zeit nicht mehr wirklich für ein Amt bei einem so großen Verein, wie es die Borussia trotz des katastrophalen Saisonstarts noch ist, in Frage kommen. Ein Friedhelm Funkel oder ein Holger Stanislawski ist ebenso unwahrscheinlich wie eine Verpflichtung von Dresdens Uwe Neuhaus oder gar ein Bundesliga-Debüt des Ex-"Fohlens" Lothar Matthäus. Und warum sollte sich Jupp Heynckes, der bei den Bayern im Sommer 2013 mit dem Triple abgetreten ist, mit 70 Jahren noch einmal eine so anspruchsvolle Aufgabe wie das arbeitsintensive Aufrichten eines am Boden liegenden Kaders zumuten wollen? Weil er Gladbacher ist? Weil er dem Klub emotional extrem verbunden ist? Es wären ehrenwerte Motive, aber allein es fehlt der Glaube.

Slomka kann das, was Gladbach braucht

Also, bleiben wir realistisch. Auch wenn's vielleicht nicht so lustig ist, wie das Namen-Raten unter dem Motto "Ich-kenn-da-noch-einen-Trainer-der-es-bestimmt-auch-machen-könnte-oder-machen-würde", gibt's derzeit nur einen sehr eingeschränkten Kreis an sofort verfügbaren Übungsleitern, die der Borussia wirklich weiterhelfen würden. Einer der aus diesem Kreis heraussticht, ist Mirko Slomka. Warum? Weil Slomka all das kann, was die Borussia gerade braucht. Der 48-Jährige kann Abstiegskampf. Nachgewiesen als Retter von Hannover 96 in der Saison 2009/2010, als sich Robert Enke das Leben nahm und die Mannschaft mental völlig zerstört war. Slomka kann aber auch Champions-League. Den FC Schalke 04 führte er im Sommer 2007 in die Königsklasse und scheiterte in der kommenden Saison dort erst im Viertelfinale am FC Barcelona. Aber nicht nur die mehrfach nachgewiesenen Qualitäten an der Seitenlinie, machen Slomka zu einem ernstzunehmenden Kandidaten für den lahmenden "Fohlen-Stall".

Slomka steht als Trainer wie Favre für eine sehr ruhige und sachliche Art des Arbeitens. Beide sind keine emotionalen Ausnahmeathleten vom Schlag eines Jürgen Klopp oder allmachtausstrahlende Typen wie Josep Guardiola. Mit Slomka würde die Borussia keinen Wunderheiler, Traumtänzer oder Luftschlösser bauenden Coach verpflichten. Mit Slomka bekäme die Borussia einen Mann, der sich nicht scheut auch unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen, wenn nötig. Auf Schalke hat er das bewiesen, als er Saisonbeginn 2006/07 den langjährigen Stammtorwart Frank Rost nach dem frühen Aus in DFB- und Uefa-Pokal durch den damals 20-jährigen Manuel Neuer ersetzte. Auch der hoch veranlagte Mesut Özil feierte unter dem eloquenten Coach sein Bundesliga-Debüt.

Es braucht eine neue Statik

Gladbach hat eine junge, sehr talentierte Mannschaft, die in der vergangenen Saison fast immer am manchmal sogar über dem Limit gespielt hat. Dass die Mannschaft so katastrophal in die Saison gestartet ist, hat nichts mit der Qualität zu tun. Der Kader ist immer noch stark genug, um am Ende der Saison im oberen Drittel der Bundesliga zu landen. Die Probleme liegen woanders, wie unser n-tv.de-Taktikexperte Constantin Eckner erst Anfang des Monats analysiert hat. Die Statik des Spiels ist nach den Abgängen von Abräumer Christoph Kramer und Stürmer Max Kruse zerbrochen. Favre hatte offenbar keine Idee mehr, dem Team neue Sicherheit zu geben. Slomka hat den Nachweis zweimal erbracht, dass er das kann, was Favre sich nun nicht mehr zutraut. Und dass er bei seinem letzten Engagement bei vogelwilden Hamburgern ohne Perspektive im Herbst 2014 gescheitert ist, wie so viele Trainer andere auch, ist ganz sicher kein realistischer Maßstab für seine Arbeit.

Quelle: ntv.de