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Der Countdown zur Fußball-WM zeigt: Noch 100 Tage.
Der Countdown zur Fußball-WM zeigt: Noch 100 Tage.(Foto: Katrin Scheib)
Dienstag, 06. März 2018

"Erst mal 20 Minuten Feuerwerk": Warum Russlands Fußball-WM ein Fest wird

Exakt 100 Tage sind es noch, dann beginnt in Russland die Fußball-Weltmeisterschaft. Die deutsche Journalistin Katrin Scheib schreibt ab sofort für n-tv.de von Moskau aus den WM-Countdown und erzählt, wie es dort ist. Sie ist davon überzeugt, dass auch ein - nicht völlig unwahrscheinliches - frühes Ausscheiden der Mannschaft des Gastgebers der Stimmung bei diesem Turnier keinen Abbruch tun wird. Dafür seien die Russen viel zu gastfreundlich. Sie sagt im Interview: "Großereignisse opulent zu inszenieren ist hier im Land sehr wichtig."

n-tv.de: Hallo nach Moskau. Wie wir Ihrem Russball-Newsletter entnehmen, wird das eine ganz entspannte Fußball-WM im Sommer. Wir zitieren: "Russische und ausländische Fans dürfen psychotrope Substanzen zu WM-Spielen mitnehmen." Was ist da los?

Katrin Scheib: Klingt super, richtet sich aber an die wenigen Menschen, denen der Arzt zum Beispiel zur Schmerztherapie medizinisches Marihuana verschrieben hat. Wer zu dieser kleinen Gruppe gehört, der muss die komplette Dokumentation mitbringen - auch in der russischen Übersetzung. Es ist eine hübsche kleine Boulevard-Zeile, die die russische Tageszeitung "Nowaja Gaseta" da getitelt hat. Es ist aber nicht so aufsehenerregend, wie es klingt.

Gut, dann ist das geklärt. Und sonst so? Ein Land im weltmeisterlichen Fieber?

Unsere neue Kolumnistin: Katrin Scheib.
Unsere neue Kolumnistin: Katrin Scheib.(Foto: Pascal Dumont)

Es laufen hier diverse Aktionen, um die Vorfreude anzuschüren. Es werden die Volunteers geschult, das bekommt man schon mit. Aber für richtiges Fieber ist es 100 Tage vor der WM noch ein wenig zu früh.

Apropos: Es sind noch exakt 100 Tage, bis die russische Mannschaft am 14. Juni mit der Partie gegen Saudi-Arabien im Moskauer Luschniki-Stadion das Turnier eröffnet. Also dort, wo am 15. Juli auch das Endspiel stattfindet. Sie schreiben für n-tv.de den WM-Countdown, jeden Tag einen kleinen Beitrag. Worauf dürfen wir uns freuen?

Der Plan ist, das in vielen kleinen Blicken auf das Land zu erzählen - auf Moskau, aber auch auf die anderen Austragungsorte, auf den Alltag der Menschen, auf die Fußballkultur - und auf Organisatorisches: Worauf muss ich achten als Fan, wenn ich hierher reisen will? Was ich nicht vorhabe ist, zu erörtern, wie sich die Aufstellung der russischen Nationalmannschaft in der Defensive in den letzten anderthalb Jahren verändert hat. Das können andere besser. Aber ich lebe hier, kenne Moskau, kenne das Land, ich gehe hier ganz normal ins Stadion. Und ich hoffe, dass ich daraus viele interessante Geschichten entwickeln kann.

Unsere Kolumnistin

Katrin Scheib ist Journalistin, Schalke-Fan und kommt aus dem Rheinland. Als die deutsche Mannschaft 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister wurde, war sie gerade nach Moskau gezogen. Seitdem bloggt sie unter kscheib.de über ihren Alltag und informiert mit ihrem "Russball"-Newsletter jede Woche über den Fußball und die WM-Vorbereitungen in Russland. Und nun schreibt sie für n-tv.de den Countdown, bis das Turnier am 14. Juni beginnt.

Was empfehlen Sie denn dem deutschen Fußballfreund auf seinem Weg nach Moskau, Sotschi und Kasan, wo die DFB-Elf gegen Mexiko, Schweden und Südkorea spielt?

Zwei Sachen, erstens: Sich ein bisschen Russisch vorher draufschaffen, auch wenn's gruselig wirkt wegen der anderen Schrift. Ganz ehrlich: So schwer ist es nicht. Und wer nach Italien in den Urlaub fährt, der schaut auch, dass er seine Pizza vielleicht auf Italienisch bestellen kann. Es ist viel leichter, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, wenn man drei, vier Sätze höflich sein kann - ob in der Kneipe zum Kellner oder im Stadion zu dem, der neben einem sitzt. Wer mehr erleben will als Hotel, Shuttle zum Stadion und zurück, dem würde ich da sehr zu raten.

Und der zweite Tipp?

Sich einzulesen und schon einmal anzuschauen, was einen abseits vom Fußball interessiert. Die Städte sind sehr unterschiedlich, von riesig wie Moskau bis hin zu Saransk mit seinen knapp 300.000 Einwohnern. Es ist ja nicht jeder Tag ein Spieltag und es lohnt sich, die Orte, in denen man sich aufhält, zu entdecken.

Welche WM-Gastgeberstadt hat das schönste Stadion?

Durchaus atmosphärisch: Das Fisht-Stadion in Sotschi.
Durchaus atmosphärisch: Das Fisht-Stadion in Sotschi.(Foto: Giannakoulis)

Mir gefällt das Fisht-Stadion in Sotschi am meisten. Beim Confed Cup habe ich dort ein Spiel gesehen. Es hat schon Charme, sich in der Pause ein Bier zu holen, über die Brüstung zu schauen - und das Schwarze Meer zu sehen. Die Luft ist lau, der Himmel schon fast dunkel und das Stadion beleuchtet. Das ist eine ganz besondere Atmosphäre.

Der deutschen Nationalmannschaft hat es in Sotschi auch gut gefallen …

Daher habe ich mich gewundert, dass sie sich dort nicht einquartiert hat. Leon Goretzka hat doch gesagt, es sei nicht falsch, beim Frühstück aufs Meer zu blicken. Sotschi ist eine Stadt, die im Vergleich zu Moskau sehr viel weniger unter Staus, Gedränge und Geschiebe leidet. Es ist dort auch viel milder, obwohl das im Sommer nicht die große Baustelle ist.

Nun logiert die DFB-Elf im Moskauer Umland in Watutinki. Schön da?

Da gibt es so ein "Watutinki Hotel Spa Complex", das ist noch halb im Bau, deshalb kann man auch nicht richtig berichten, wie es da ist. Wer als Fan dort hinfahren möchte, der wird ein Taxi brauchen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln dürfte das eher unerfreulich werden. Das ist ziemlich isoliert. Und als Sportler wirst du dort von Moskau nicht viel mitbekommen.

Wie ist das für Sie, als deutscher Fußballfan in Russland? Wobei nach dem olympischen Finale die Frage eher dem Eishockey gelten müsste.

Die Stimmung ist sehr wohlwollend, weil die deutsche Mannschaft mit der Silbermedaille bei den Winterspielen in Pyeongchang etwas Gutes geleistet hat, sich aber nicht herausgenommen hat, die Russen zu schlagen. Das ist mit russischem Blick eine zufriedenstellende Perspektive. Und ich finde, das ist auch aus deutscher Sicht total okay, das war doch eine tolle Leistung.

Wie ist der russische Blick auf die Fußball-WM?

Ich habe manchmal den Eindruck, die Russen sind viel überzeugter davon, dass die DFB-Elf ihren Titel erfolgreich verteidigt, als man das in Deutschland so ist. Mir sagte der Taxifahrer, der mich am Tag des olympischen Endspiels zum Flughafen brachte: "Hey, das ist Eishockey, die große russische Tradition. Im Sommer ist die Fußball-WM, dann gewinnt ihr Deutschen wieder."

Und was erwarten die Menschen in Russland von ihrem Team?

Alle, mit denen ich rede, sagen: Es wäre ein Wunder, wenn es Russland über die Vorrunde hinaus schafft. Auch wenn die Gruppe mit Saudi-Arabien, Ägypten und Uruguay nicht die härteste ist, wären selbst die wohlwollenden Fans überrascht, wenn es zu mehr reichen würde.

Das atmosphärische Wohl des Turniers hängt nicht am Abschneiden des Gastgebers?

Großereignisse opulent zu inszenieren ist hier im Land sehr wichtig - ob das nun die Olympischen Winterspiele in Sotschi sind, der Confed Cup oder, in der sowjetischen Tradition, die alljährlichen Maiparaden. Ich lebe seit vier Jahren in Russland und habe in meinem Leben bisher zusammen nicht so viel Feuerwerk gesehen wie in dieser Zeit. Wenn wir in Deutschland sagen: Da mach' ich mir mal ein Bier auf, heißt es hier: Da machen wir erst mal 20 Minuten Feuerwerk. Die können hier einfach total gut feiern, die genießen das. Und die Gastgeberrolle ist ganz wichtig. Das ist eine Ehrensache. Wenn Russland also nach der Vorrunde rausfliegen sollte, dürfte das der Stimmung hier keinen Abbruch tun.

Eine Sache zum Schluss: Wird es Bier in den Stadien geben?

Bei Spielen der russischen Premjer Liga ist Bier verboten. Alkoholismus ist hier immer noch ein großes und ernstzunehmendes Problem, das gerade bei Männern die Lebenserwartung extrem runterzieht. Hinzu kommt die Angst vor Krawallen. Bei der WM aber wird dann in den Stadien doch Bier ausgeschenkt - die Fifa und ihre Sponsoren machen's möglich.

Mit Katrin Scheib sprach Stefan Giannakoulis

Quelle: n-tv.de