Fußball

Chelsea-Coach muss sich erklären "Warum hat Hazard nicht direkt gespielt?"

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Saß im Spiel gegen Eintracht Frankfurt die ersten 61 Minuten auf der Bank: Eden Hazard.

(Foto: Action Images via Reuters)

Der FC Chelsea kämpft um die Qualifikation für die Champions League. Eine Möglichkeit: Platz vier in der Premier League. Eine andere: Triumph in der Europa League. Im Halbfinal-Hinspiel in Frankfurt sorgt der Coach aber für Fragezeichen.

Kaum hatte der Medienbeauftragte des FC Chelsea die Fragerunde nach dem 1:1 (1:1) im Halbfinal-Hinspiel der Europa League bei Eintracht Frankfurt am Donnerstagabend in den Katakomben des Waldstadions freigegeben, platzte es aus einem englischen Journalisten heraus. Wieso habe Eden Hazard nicht von Anfang an gespielt, wollte er von Coach Maurizio Sarri wissen. Eden Hazard ist - für das Verständnis der Aufregung ist das nicht unwichtig zu wissen - der beste Fußballer beim FC Chelsea. Er ist auch einer der aktuell besten Fußballer dieser Erde. Der 28-Jährige gilt als so herausragend, dass er bei Real Madrid als oberste Priorität für den Wiederaufbau der in sanften Trümmern liegenden Königlichen gilt. Sein Marktwert liegt laut Transfermarkt.de bei 150 Millionen Euro. Das sind nur zehn Millionen weniger als Lionel Messi und 30 Millionen weniger als Neymar.

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Trainer des FC Chelsea: Maurizio Sarri.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Warum also hatte Hazard in der Europa League nicht endlich mal wieder in der Startelf gestanden? In einem so wichtigen Spiel gegen endlich auch mal einen richtig starken Gegner. Warum war er wie zuvor so oft in diesem Wettbewerb nur Einwechselspieler? Wie gegen die bislang eher schwächeren Teams aus Saloniki, Borissow, Vidi, Malmö, Kiew (der Beste aus diesem Kreis) und Prag. Warum nur? Das wollten sie wissen, die anwesenden englischen Journalisten. Warum in einem Spiel, das den FC Chelsea näher an das Wettbewerbsfinale am 29. Mai in Baku und vor allem näher an den Titel inklusive sicherer Qualifikation für die Champions League - der unanfechtbare Anspruch des Klubs - rückt. Sarri rückte das Mikrofon zurecht und erklärte. Er habe eine andere Idee gehabt. Er habe ihn schonen wollen. "Eden hat in dieser Saison für uns und auch für seine Nationalmannschaft sehr viele Matches bestritten. Er braucht mal Spiele, in denen er nicht über 90 Minuten gehen muss." Außerdem sei Hazard immer in der Lage, ein Spiel zu verändern, selbst wenn er nur von der Bank komme.

Das tat er noch. In der 61. Minute ersetzte der Belgier den angeschlagenen Brasilianer Willian. Seinen gut spielenden Ersatz. Hazard kam beim Stand von 1:1. Die Tore hatten Luka Jović (23.) zur Führung der Eintracht und Pedro Rodríguez Ledesma zum Ausgleich (45.) erzielt. Er kam in einer Phase, als das aufgedrehte Chelsea die wankenden Frankfurter nahe an den Kollaps trieb. Hazard kombinierte, Hazard schoss, aber prägender oder dominanter als irgendein anderer Londoner war er an diesem Abend nicht.

"Er ist halt auch nur ein Spieler"

Lustlos? Nein, das war er auch nicht. Unmotiviert? Ne. Wann habe Hazard denn erfahren, dass er nicht spielt, fragte ein anderer Journalist. Und wie habe er reagiert? Sarri: "Eden hat es in der Sitzung vor dem Spiel erfahren." Wie jeder andere Spieler auch. Eine Sonderrolle für den Superstar? Nein, "auch wenn er der Beste ist. Aber er ist halt auch nur ein Spieler". Glücklich sei er natürlich nicht gewesen, "aber er weiß doch auch selbst, dass er mal aussetzen muss".

Frankfurt - Chelsea 1:1

Tore: 1:0 Jovic (23.), 1:1 Pedro (45.)
SG Eintracht Frankfurt:
Trapp - Abraham, Hinteregger, Falette - Hasebe  da Costa, Fernandes (72. Paciencia), Gacinovic (90.+2 Willems, Rode, Kostic- Jovic
FC Chelsea: Kepa Arrizabalaga - Azpilicueta, Luiz, Christensen, Emerson - Jorginho, Kanté, Loftus-Cheek (82. Kovacic) - Pedro, Giroud, Willian (61. Hazard)
Schiedsrichter: Carlos del Cerro Grande (Spanien)
Zuschauer: 48.000 (ausverkauft)

In den kommenden zwei Wochen, so erklärte der italienische Coach weiter, habe seine Mannschaft eben auch fünf Spiele mit der absolut gleichen Wichtigkeit zu absolvieren, da müsse eben rotiert werden. Fünf Spiele? Aber klar, zwei noch in der Meisterschaft und drei - inklusive des gerade beendeten - in der Europa League. Das Weiterkommen gegen Frankfurt ist demnach bereits fest einkalkuliert.

Das erklärte Ziel: die Qualifikation für die Champions League. "Wir wollen es auf beiden Wegen erreichen." Charmanter Nebeneffekt: Ein Titel, in einer Saison, in der die "Blues" in der Meisterschaft vom sich erbittert duellierenden Duo Manchester City und FC Liverpool deutlich abgehängt wurden und sich als Tabellenvierter der Gegenwehr des FC Arsenal und von Manchester United erwehren müssen. Das Ligapokal-Finale ging derweil dramatisch verloren - inklusiver bizarrer Torwart-Posse.

"Eintracht ist immer gefährlich geblieben"

Und ging's in der Fragerunde auch um das Spiel? Ein bisschen. Die ersten 25 Minuten jedenfalls haben Sarri gar nicht gefallen. Ein Mentalitätsproblem unterstellte er seiner Mannschaft gegen die wuchtig pressenden, präsenten und wachsamen Frankfurter. Der Rückstand - verdient.

"Erst ab der 25. Minute haben wir angefangen, richtig Fußball zu spielen", fasste Sarri den Spielverlauf zusammen. "Wir hatten die Partie lange im Griff. Aber die Eintracht ist immer gefährlich geblieben, insbesondere über Konter. Letztlich hätten wir den Sieg aus meiner Sicht verdient gehabt, aber ein 1:1 auswärts ist in Ordnung. Wir spielen nun zu Hause und wollen ins Finale" Frankfurts Trainer Adi Hütter sieht "die Trümpfe" ebenfalls "bei Chelsea in der Hand". Der größte aber ist in Europa meistens nur Ersatz: Eden Hazard.

Quelle: n-tv.de

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