Fußball

Ab "in de kleine ruimte" Wenn bald die "Götze-Mania" ausbricht ...

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Hohe Ansprüche von außen und an sich selbst: Götze will es bei PSV Eindhoven noch mal wissen.

(Foto: imago images/Revierfoto)

Mario Götze steht vor seinem Debüt bei der PSV Eindhoven. Die Erwartungen sind hoch in den Niederlanden: Ein Magazin ruft die "Götze-Mania" aus, um den Rio-Weltmeister entsteht schon jetzt eine Seifenoper. Götze selbst bestärkt seine Ansprüche - und will "den Meistertitel holen".

An diesem Donnerstag konnte Mario Götze tief durchatmen. Zwar waren auf dem Campus "De Herdgang" von PSV Eindhoven am Oirschotsedijk zwei schweißtreibende Trainingseinheiten angesetzt, aber beide hinter verschlossenen Türen und ohne Pressetermine. Götze stahl sich also noch einmal kurz aus dem Rampenlicht, und alle Zeitungen schauten auf die Nationalmannschaft, die nach drei Spielen unter dem neuen Bondscoach Frank de Boer immer noch sieglos ist.

Oranje trage jedoch nach dem achtbaren 1:1 in Italien wieder "blosje op de wangen", also ein wenig Farbe im Gesicht, kommentierte die Zeitung "AD". Ähnlich Belebendes erwartet die PSV von ihrem Sensationstransfer, wenn am Sonntag in Zwolle um 16.45 Uhr endgültig die "Götze-Mania" losbricht, wie ein niederländisches Fußballmagazin in einer großen Reportage vermutet.

Das anstehende Debüt des Weltmeisterhelden von 2014, der die Champions League gewinnen wollte, aber in der beschaulichen Eredivisie landete, wird promotet wie eine Seifenoper. Folge 1: "Ein Instinktfußballer auf der Suche nach sich selbst." (Voetbal International)

PSV-Stil à la Jürgen Klopp

Es wäre verwunderlich, wenn Trainer Roger Schmidt seinen neuen Anführer im Mac3Park-Stadion von PEC Zwolle nicht zumindest als Joker vorstellen würde. Darum, ob Götze bereits "wedstrijdfit" sei, also körperlich voll auf der Höhe, wird allerdings gerätselt. Er wolle "fit werden und den Meistertitel holen", sagte Götze Voetbal International, "und dann denke ich erst an die Nationalmannschaft."

Das Vertrauen in seine Fähigkeiten scheint dem 28-Jährigen auch bei der "Eindhovense Voetbalvereniging Philips' Sport Vereniging" nicht abhanden gekommen zu sein. In einem extrem jungen Kader, dem fünf weitere Deutsche angehören (darunter der frühere Augsburger Philipp Max), soll Götze einerseits seine bekannten technischen Qualitäten ausspielen - er soll aber auch Leitwolf sein. Daher will er auch "nicht ständig nach Deutschland reisen, sondern in Eindhoven wohnen".

Die Niederländer nennen den PSV-Stil "chaosvoetbal" und ziehen Vergleiche zur Jürgen-Klopp-Methode. Hohes Pressing, viel Stress für den gegnerischen Ballführenden, blitzschnelles Umschalten. Allerdings werden viele Gegner tief stehen, sie werden "inzakken", also absinken, und wenn es dann eng wird, kann Mario Götze "in de kleine ruimte" schnelle, direkte Lösungen finden. So stellen sie sich das vor.

Licht fällt nur auf Götze

Götze selbst sieht sich im zentralen Mittelfeld, "da bin ich am stärksten". Möglicherweise wird er noch ein wenig vorgezogen, auf eine Position, die vor einigen Jahren als "falsche Neun" populär wurde. Die Niederländer nennen sie "halve 10", Götze versichert: "Solch eine kann ich sein."

In Noord-Brabant im Süden der Niederlande könnte er ein Glück finden, das ihm seit seinem Tor zum WM-Titel zumindest fußballerisch verschlossen geblieben ist. Götze hat sich eine relativ kleine Bühne gesucht, was viele Vorteile hat, aber auch den Nachteil, dass alles Licht fast nur auf ihn fällt. Mit der Ruhe wird es dann vorbei sein.

Quelle: ntv.de, dbe/sid