Fußball

"Das war das beste Tor" Werner befreit RB von Herbstmeister-Last

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Timo Werner trifft schon wieder doppelt. Damit ist er bei 20 Saisontoren angelangt.

(Foto: imago images/osnapix)

Tabellenführer RB Leipzig startet schwerfällig in den Rückrundenauftakt der Fußball-Bundesliga. Der 1. FC Union Berlin geht sogar in Führung - bis Nationalstürmer Timo Werner einen ganz feinen Kunstschuss zielsicher im Tor versenkt. Und sogar nochmal nachlegt.

Als Timo Werner jüngst Marcel Sabitzer für dessen Kunstschuss gegen Zenit St. Petersburg die Plakette für das Tor des Monats überreicht hatte, hatte er seinem Teamkollegen noch sehnsüchtig gratuliert. So ein Tor, sagte Werner anerkennend, werde er wohl niemals schießen. Bei RB Leipzigs 3:1 (0:1) gegen Union Berlin zum Rückrundenauftakt hat sich der RB-Torjäger nun zumindest herangetastet. Eine missglückte Kopfballabwehr von Unions Marius Bülter nahm Werner volley und schoss den Ball von der Strafraumkante unter die Latte (52.). Ein technisch anspruchsvolles Traumtor zum 1:1, das RB nach frühem Rückstand und zähen ersten 35 Minuten auf Kurs brachte.

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Trainer Julian Nagelsmann hatte dann doch noch Spaß am Spiel.

(Foto: imago images/osnapix)

Distanzkracher gehörten bislang keineswegs zum Repertoire von Werner, der sonst ausschließlich im Strafraum wenige Meter vor dem Tor gefährlich wird. "Das war das beste Tor, was ich je im Profifußball geschossen habe", jubelte der gebürtige Stuttgarter im ZDF. "Der Ball hüpft so auf, dass ich ihn perfekt nehmen. Dass er dann so einschlägt, ist meinem Lauf und dem der Mannschaft geschuldet."

Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann befand dennoch, dass das Tor "bisschen typisch für Timo" gewesen sei. Nicht aufgrund der Torentfernung, eher wegen der Qualität der Chance. "Er macht auch mal aus einer Aktion ein Tor, in der man nicht zwingend eins macht. Wenn der drüberginge, würde nirgends stehen: Timo Werner vergibt hundertprozentige Torchance."

Werner trifft zum sechsten Mal mindestens doppelt

Was Nagelsmann meinte: In der ersten Hälfte war der Nationalstürmer allein auf den starken Union-Keeper Rafael Gikiewicz zugeeilt, war aber hängen geblieben (40.). Wenn dann aber erst einmal der Befreiungsschlag geglückt ist, trifft Werner meist noch ein zweites Mal; gegen Union zum 3:1-Endstand nach Flanke von Marcel Sabitzer – diesmal wieder typisch von Halblinks im Strafraum (83.). Sein 20. Bundesligator, und bereits das sechste Mal in dieser Saison, dass Werner mindestens doppelt traf in einer Bundesligapartie. Sabitzer hatte nach einer Ecke und gewonnenem Kopfballduell von Dayot Upamecano das 2:1 artistisch mit der Fußspitze erzielt (57).

Begonnen hatten die Leipziger jedoch schwerfällig, ohne Energie, teilweise wie gelähmt vom Gerede um den Meistertitel in der Winterpause. Es dauerte 24 Minuten, ehe Patrik Schick den ersten Torschuss abgab. Da führte Union schon 1:0 durch Bülter nach toller Vorarbeit von Sebastian Andersson (10.), der Interims-Innenverteidiger Lukas Klostermann den Ball durch die Beine spielte (10.). Vorausgegangen war ein schlampiges Zuspiel von Marcel Halstenberg auf Tyler Adams im defensiven Mittelfeld, der den Ball so nicht mehr behaupten konnte.

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Adams spricht die Leipziger Sehnsüchte aus: "Wir wollen Deutscher Meister werden."

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Die Gastgeber hatten Probleme, den Gegentreffer zu verdauen, besetzten die Räume nicht wie gewünscht und zogen ihr Tempo-Kreativspiel gegen die Berliner Defensive zu statisch auf. Oft waren die langen Bälle und Schnittstellenpässe leichte Beute für defensiv gut eingestellte Unioner, die immer auch mal wieder mit Mut nach vorn spielten. Mit der neu einstudierten 4-2-3-1- beziehungsweise teils 4-2-1-3-Formation mit drei Stürmern kam die Nagelsmann-Elf nicht gut zurecht und wechselte in der zweiten Hälfte ins gewohnte 4-2-2-2, sodass vor allem Sabitzer besser ins Spiel fand. Doch schon in den letzten zehn Minuten der ersten Hälfte machte RB über die rechte Seite und Nordi Mukiele Druck. Doch es fand sich keiner, der in die gefährlichen Hereingaben des Franzosen an den langen Pfosten hineingrätschen mochte.

"Wir wollen Deutscher Meister werden"

Insgesamt blieb die Erkenntnis, dass RB den lähmenden Titeldruck – Bürde der Herbstmeisterschaft – nur eine halbe Stunde lang spürte und sich dann kämpferisch befreite und sein wahres Gesicht zeigte. "Wir haben nicht das größte Feuerwerk abgebrannt, aber viel Druck erzeugt, Überzeugung ausgestrahlt und nicht aufgesteckt", sagte Nagelsmann. Kein Auftritt, der der Konkurrenz das Fürchten lehrte, aber doch wuchtig und kämpferisch eindrucksvoll genug – mit einem Timo Werner, der selbst in einem für ihn durchwachsenen Spiel zweimal trifft – um zum fünften Mal in dieser Saison einen Rückstand aufzuholen. "Wir wollten für uns selber ein Zeichen setzen, dass wir voll da sind und bereit sind, alles zu investieren und uns nicht auf der Hinrunde ausruhen, sondern uns beweisen, dass wir weiterhin für das kämpfen, was wir erreichen möchten", sagte der Chefcoach.

Das ist zweifellos der Titel, wie Rückkehrer Adams, der den abgewanderten Diego Demme nach anfänglich überhastetem Spiel auf der Sechs gut ersetzte, sogar auf der Klubwebseite sagen durfte: "Wir wollen Deutscher Meister werden. Das ist mein Ziel und das der gesamten Mannschaft."

Fischer gratuliert Nagelsmann

Die Aussichten auf die Sensation sind nun angesichts des Fehlstarts der Gladbacher nicht schlechter geworden. Fünf Punkte Vorsprung hat Leipzig auf Rang zwei – zumindest bis zum Spiel der Münchener bei Hertha BSC (15.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de).

Gäste-Trainer Urs Fischer, der nicht immer daran geglaubt hatte, dass RB tatsächlich zu den Meisterkandidaten zählen würde, bekannte: "Ich muss mich korrigieren. Ihr zählt tatsächlich zu den Mannschaften, die um die Meisterschaft mitspielen können", sagte er zu Nagelsmann.

Und Timo Werner schloss im Sky-Interview: "Der Ansporn, da oben bleiben zu wollen, ist auf jeden Fall bei uns da. Ich will jetzt keine Meisterschaft als Ziel ausrufen. Aber warum sollen wir am Ende nicht oben stehen?"

Am Sonntag will dann der FC Bayern München ab 15.30 Uhr bei Hertha BSC seine Aufholjagd in Richtung Tabellenspitze fortsetzen. Ab 18 Uhr schließen der SC Paderborn und Bayer Leverkusen den 18. Spieltag ab. Alle Spiele können Sie im Liveticker auf ntv.de verfolgen.

Quelle: ntv.de