Fußball

Bielefeld "klosammert" in Liga 2 Wie Arminia den HSV und den VfB überflügelt

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Läuft in dieser Saison bei Arminia Bielefeld.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach etwas mehr als einem Saisondrittel kommt der Spitzenreiter der 2. Fußball-Bundesliga nicht aus Hamburg oder Stuttgart, sondern Bielefeld. Trotz sportlicher Höhenluft auf der Alm bleibt die Arminia bodenständig. Ganz im Sinne von Trainer Neuhaus.

Der Treffer von Artur Wichniarek kommt zu spät. Nach mehreren Großchancen trifft der Angreifer endlich mal das Tor, allerdings erst in der 90. Minute. Nach dem 2:2 gegen Hannover 96 purzelt der DSC Arminia Bielefeld auf den letzten Tabellenplatz und steigt an jenem 23. Mai 2009 zum siebten Mal aus der Fußball-Bundesliga ab. "Nie mehr erste Liga", singen die Fans damals. Nun aber, etwas mehr als zehn Jahre später, haben sie in Bielefeld mächtig Bock auf die Rückkehr in die Bundesliga. Und spätestens nach dem 5:1-Sieg in Nürnberg ist klar: Der neue Spitzenreiter der 2. Liga gehört in dieser Saison zu den Favoriten auf den Aufstieg.

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Säulen des Bielefelder Erfolgs: Trainer Neuhaus und Angreifer Klos.

(Foto: imago images/Zink)

"Es ist kein Zufall, dass wir jetzt da oben stehen", hatte Mannschaftskapitän Fabian Klos bei Sky nach dem Auswärtskantersieg betont. Schließlich zeigten er und seine Kollegen "schon das ganze Jahr über gute Leistungen, wir sind ein verdienter Tabellenführer". Die Statistik bestätigt die wuchtige Identifikationsfigur des Klubs. Von 13 Liga-Partien hat das Team von Trainer Uwe Neuhaus acht gewonnen und nur eine verloren. Zudem sind die Arminen ligaweit die einzigen, die auswärts noch ungeschlagen sind.

Nun bietet sich eine scheinbar günstige Gelegenheit, die maue Heimbilanz von nur zwei Siegen aufzupolieren. An diesem Samstag (ab 13 Uhr im Liveticker auf n-tv.de und auf Sky) gastiert der unbeständige SV Sandhausen im Bielefelder Alm-Stadion, das schon seit 15 Jahren den Namen eines Spezialisten für Fenster und Türen trägt (und das auch noch in den kommenden fünf Jahren tun wird). Von Enthusiasmus beim Favoriten möchte Neuhaus allerdings nichts wissen. "Fortan werden auch wir gejagt, diese Situation müssen wir annehmen", mahnte der Trainer seine Spieler und behauptete, dass die Partie gegen die Gäste vom Hardtwald "ein richtiger Stresstest" werde.

Glücksbringer Neuhaus

Dabei darf Neuhaus, der Medienberichten zufolge bald mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2022 rechnen kann, durchaus mehr Zutrauen in sein Team haben. Aber gut, mit seiner störrischen und gleichwohl disziplinierten Art hatte er es seinerzeit in immerhin sieben Jahren beim 1. FC Union Berlin weit gebracht. Auch bei der Arminia kommt der unaufgeregte Neuhaus-Stil gut an. Seit seinem Jobantritt Anfang Dezember vergangenen Jahres in Bielefeld hat das Team satte 62 Punkte in 31 Spielen geholt.

Zwar hatte Neuhaus von seinem Vorgänger Jeff Saibene eine gut bestellte Mannschaft übernommen, doch fehlten damals Spielglück und klare Zuordnungen. Und Erfolgserlebnisse. Neuhaus hat ein intaktes Gefüge kreiert, das meist auch dann reüssiert, wenn es heikel wird. Dabei helfen nicht nur die kompakte 4-3-3-Formation, die die Konkurrenz regelmäßig vor Probleme stellt, sondern auch klare Zuordnungen innerhalb des Teams. Die Blauen treten dominanter auf als in den Jahren zuvor. Neuhaus wäre allerdings nicht Neuhaus, wenn er nicht auch in dieser Hinsicht auf die Euphoriebremse treten würde. "Wir haben noch Luft nach oben, gerade in der Souveränität", sagte der 59-jährige aus dem Ruhrgebiet. Bodenständigkeit lautet beim DSC das Motto der Stunde.

Wirtschaftliche Bergfahrt

Das gilt auch für die Finanzabteilung beim Deutschen Sportclub. Dort wirtschaften sie nach verschwenderischen Jahren nun wieder solide. Erst in der vergangenen Woche hatte Geschäftsführer Markus Rejek mitgeteilt, dass die Arminia im vergangenen Geschäftsjahr einen Gewinn in Höhe von drei Millionen Euro erzielt hat. Von Novembertristesse ist also auch wirtschaftlich keine Spur.

Vor zwei Jahren sah die Situation noch anders aus. Im Dezember 2017 hatten zahlreiche Fehltritte die Arminia finanziell in die Knie gezwungen. Mit einem Schuldenberg von fast 30 Millionen Euro deutete vieles auf eine Insolvenz hin, bis das "Bündnis OWL" entstand. Die Verbundenheit namhafter Unternehmen aus Bielefeld und der Region Ostwestfalen-Lippe mit dem Klub machte es möglich. Dr. Oetker und Co. wendeten das Schlimmste ab und seither sprechen sie nördlich des Teutoburger Waldes stolz von der "ostwestfälischen Antwort auf 50+1".

"Klosammer" als Erfolgsgarantie

Mit der wirtschaftlichen Konsolidierung und Trainer Neuhaus kehrte dann auch der Erfolg zurück. Dabei ist einer der derzeitigen Erfolgsgaranten schon lange mit dabei: Seit acht Jahren spielt Angreifer Klos für die Arminia, stets treffsicher und mit vollem Einsatz. In wettbewerbsübergreifend 306 Spielen erzielte er 141 Tore - zehn davon in dieser Zweitligasaison. Gemeinsam mit Andreas Voglsammer bildet der 31-Jährige eine gefürchtete Offensive, die DSC-Anhänger gern als "Klosammer" bezeichnen. Satte 18 der bislang 29 Liga-Tore gehen auf das Konto des bulligen Sturmduos. "Manchmal haben Stürmer einfach einen Lauf - und 2019 haben wir beide einen ziemlichen Lauf", erklärte Klos das simple Erfolgsgeheimnis. Den Fans gefällt's.

Hatte die Arminia in der vergangenen Saison mit durchschnittlich 19.127 Zuschauern pro Spiel schon einen klubinternen Zweitliga-Rekord erreicht, sind es nun vor dem siebten Heimspiel bereits 21.057 Menschen, die das schwarz-weiß-blaue in der 26.515 Plätze fassenden Arena verfolgen wollten. Tendenz steigend. Kein Wunder, stehen nach 13 von 34 Spieltagen doch nicht die Topfavoriten Hamburger SV und VfB Stuttgart an der Spitze, sondern eben die Neuhaus-Truppe. Der eigene Siegeszug sowie der Misserfolg des SC Paderborn eine Liga höher nähren die Hoffnung darauf, schon bald wieder sportliche Nummer eins in Ostwestfalen zu sein. Der Trainer aber, Sie ahnen es, bemüht sich weiter um Bodenhaftung: "Wir dürfen nicht anfangen, rumzuspinnen", mahnte Neuhaus. Muss ja auch nicht sein. Gewinnt sein Team gegen den Tabellenachten aus Sandhausen, dürfen die Arminen zumindest träumen - von der Bundesliga-Rückkehr nach elfjähriger Abwesenheit.

Quelle: ntv.de