Fußball

"Noch ist es nicht zu spät" Wie der DFB die Nachwuchs-Wende plant

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Aus und vorbei: Marco Reus und Leon Goretzka am 27. Juni in Kasan.

(Foto: imago/Matthias Koch)

Nach dem Vorrunden-Aus der deutschen Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland steht die Förderung junger Fußballer im Fokus. Welcher Weg führt aus der Krise? Und hätte man sich nicht viel früher darum kümmern müssen? Schließlich braucht es Jahre, bis ein Konzept greift. "Schon vor der WM waren wir an diesen Themen dran, da wir um unsere Schwachstellen wussten", sagt Meikel Schönweitz. Er leitet die U-Nationalmannschaften im DFB. "Nun ist bei allen Beteiligten die Bereitschaft gestiegen, angestrebte Dinge tatsächlich in die Praxis umzusetzen. Insofern wohnt dem Misserfolg auch eine große Chance inne."

Wie bewerten Sie nach dem WM-Aus der Nationalelf die Kritik an der Nachwuchsarbeit?

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"Nun ist bei allen Beteiligten die Bereitschaft gestiegen, angestrebte Dinge tatsächlich in die Praxis umzusetzen": Meikel Schönweitz.

(Foto: imago/Eibner)

Meikel Schönweitz: Die Nationalmannschaft hat seit 2004 hervorragende Ergebnisse eingefahren - und oftmals einen tollen Fußball gespielt. Auch mit unseren U-Nationalteams sind wir einen sehr erfolgreichen Weg gegangen und haben neben einigen Titeln auch zahlreiche Spieler an die A-Mannschaft herangeführt. Uns war seit einiger Zeit klar, dass wir an mehreren Stellschrauben dringend drehen müssen, um nachhaltig in der Spitze zu bleiben. Schon vor der WM waren wir an diesen Themen dran, da wir um unsere Schwachstellen wussten. Nun ist bei allen Beteiligten die Bereitschaft gestiegen, angestrebte Dinge tatsächlich in die Praxis umzusetzen. Insofern wohnt dem Misserfolg auch eine große Chance inne.

Der Nachwuchschef

Meikel Schönweitz, 38 Jahre alt, wechselte zur Saison 2014/2015 als U16-Trainer sowie Koordinator der Bereiche U15 bis U17 zum Deutschen Fußball-Bund. Mittlerweile leitet er alle U-Mannschaften und trainiert die U20.

Was machen andere Nationen wie etwa England derzeit besser. Und was haben sie in den vergangenen Jahren besser gemacht?

Erst die WM hat eindrucksvoll gezeigt, wie weit man mit Mentalität und Variabilität kommen kann. In Sachen Tempo, Durchsetzungsfähigkeit und Dynamik sind uns die Franzosen, Engländer und andere Nationen voraus. Die körperlichen Veranlagungen kann man nur bedingt trainieren. Daher müssen wir unsere Jungs auch vom Kopf her schneller machen. Mit unserer DFB-Akademie haben wir die ersten Projekte dazu bereits gestartet. Hinzu kommen auch hier gesellschaftliche Faktoren: Viele Talente aus den Pariser Vororten spielen, ähnlich wie Jungs in Südamerika, heute noch auf der Straße Fußball und sie sehen im Fußball oft die einzige Chance, ein besseres Leben zu führen. Der soziale Druck ist in einigen Ländern viel höher und treibt an. Davon abgesehen wurde in Frankreich in den letzten Jahren viel an den Basics gearbeitet und - wie auch in England - sehr stark in den Ausbildungsbereich investiert.

Ist es zu spät, um einen Bruch und ein Abrutschen des deutschen Fußballs in den kommenden Jahren zu verhindern?

Zu spät ist es auf keinen Fall. Wir hatten und haben seit Jahren ein gutes System, das mittlerweile enorme Dimensionen angenommen hat. Das bedeutet, dass die Voraussetzungen von vor zehn oder 15 Jahren nicht mehr gegeben sind. Also müssen wir einige Anpassungen vornehmen, damit das System bestmöglich funktionieren kann. Wir müssen uns aber bewusst sein, dass sich der Ertrag unserer Veränderungen im System Fußball, die wir derzeit anpacken, nicht morgen auswirken wird, sondern erst in vier bis sieben Jahren. Parallel wird unser Anspruch immer lauten, Spitzentalente über unsere U-Teams und die Vereine auszubilden, damit wir eine erfolgreiche deutsche Nationalmannschaft haben.

Christian Kunz und Miriam Schmidt, dpa

Quelle: n-tv.de

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