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Die Kerle haben Eier inne Buxe! Wie viel Legat steckt im FC Remscheid?

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Alles für den FC Reeeemscheid: Torsten Legat.

(Foto: imago/Horstmüller)

Thorsten Legat ist zurück - als Trainer des Fußball-Landesligisten FC Remscheid. Seine markigen Sprüche machen ihn zum Internetstar. Beim Pokalspiel gegen Oberhausen nun der Legat-Härtetest: Ankündigung oder Fakt?

Die alten Recken sind schon da. 75 Minuten vor Anpfiff. Erstmal ein Bier. Nerven beruhigen. Karl-Heinz umklammert den Plastikbecher. Kalt ist es nicht. Das Bier schmeckt. Karl-Heinz sagt: "Wird schwer heute, aber is' ja Pokal. Und der Thorsten macht die Jungens schon heiß." Der Thorsten ist der neue Hoffnungsträger hier beim FC Remscheid. Seit fünf Wochen trainiert Thorsten Legat den beim Tabellenvorletzten der Landesliga Niederrhein 2. Und der Thorsten ist ein Instinkttrainer, wie er selbst sagt. Was das genau ist? Ist eigentlich auch egal. Der Instinkt des ehemaligen Bundesliga-Profis allein reicht, um hier, rund um 90 Jahre alte Wilhelm-Röntgen-Stadion in Remscheid eine Euphorie zu entfachen.

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Und mit dieser Euphorie soll an diesem Mittwochabend das Wunder her: Ein Sieg in der dritten Runde des Niederrheinpokals gegen den ambitionierten Regionalligisten RW Oberhausen. Karl-Heinz sagt: "Die treten auch nur vor den Ball." Na klar, und die Wahrheit liegt auf dem Platz. Der erstrahlt übrigens erst zum zweiten Mal in der alten ehrwürdigen Geschichte des Stadions unter Flutlicht. Vier behelfsmäßig an Kränen hochgezogene Strahler sorgen für eine ehrliche Pokalatmosphäre. "Wird voll heute", sagt Karl-Heinz. Voll, das bedeutet gut besucht. Aber ausverkauft? Nein, 12.463 wird das Röntgenstadion heute nicht beherbergen. Ein Zehntel vielleicht.

Groß ist aber das Medieninteresse: Knapp 30 Journalisten haben sich angekündigt. Wegen Thorsten. Und wegen seiner markiger Ankündigungen bei Dienstantritt. Da sprach er davon, dass er Leute brauche, die sich den "Allerwertesten aufreißen", "Eier in der Buxe haben" und deren "Einstellung immer Fakt" ist. Und wie er so sprach, hielt ein lokaler TV-Sender einfach die Kamera drauf. Ein kurzer Clip, ein absoluter Internet-Knaller. Legat hat die große Bühne für sich, auch wenn er das gar nicht mag. Der FC Remscheid ist plötzlich bundesweit bekannt. Und das Spiel gegen RW Oberhausen eines mit überregionalem Interesse. Karl-Heinz freut sich: "Ist doch gut", sagt er. Gleich ist Anpfiff.

Kurzer Gruß, abklatschen, los geht’s

Kurz vor 19.30 Uhr, die Mannschaften betreten das Feld. Im Fanblock der Gastgeber wird alles abgebrannt, was die Silvesterreserven und der Seenotrettungskoffer so hergeben: Feuerwerkskörper fliegen aufs Feld, Pyrotechnik wird abgebrannt. Gut 30 Polizisten einer Einsatzhundertschaft marschieren auf, in voller Montur. Pokalatmosphäre im Bergischen Land. Auf dem Rasen: Kurzer Gruß in die Runde, abklatschen, los geht’s. Am Rand: Thorsten Legat zieht seinen dicken Trainingsmantel aus. Enge, weiße Mütze auf dem Kopf, nimmt er im langen Sportdress auf dem Coaching-Sessel Platz. 90 + X Minuten arbeiten, kämpfen, beißen. Und wir fragen uns, wie viel legatsche Ankündigungsrhetorik steckt schon im FCR? Der Faktencheck (Wortlaut Legat):

"Wir haben 'ne Mammutaufgabe. Und da brauche ich Leute, die sich nicht nur den Allerwertesten aufreißen, sondern die für den FC Reeeemscheid den Gefallen tun und sich den Allerwertesten noch mal aufreißen": Nun, wenn Fußball, wie Trainer und Manager immer wieder behaupten, ein Ergebnissport ist, dann hat die Mannschaft nicht verstanden. Denn nach 90 Minuten, stand ein ziemlich ernüchterndes 1:7 auf dem Spielberichtsbogen. Nun ist aber Pokal, wie Karl-Heinz sagt. Und da kommt eine Mannschaft nach Remscheid, die Ambitionen hegt, bald wieder Profi-Fußball - in Liga drei - zu spielen. Da braucht's eben andere Indikatoren als das Ergebnis, um die Ankündigung des Ex-Profis zu härtetesten. Indikatoren für ehrliche Arbeit auf dem Platz: Einsatzbereitschaft, Kampfgeist und Mut. Und was sollen wir sagen? Vorbildliche Arbeit, Männer. An der Tugendhaftigkeit der Remscheider gibt’s gegen die drei Klassen höher spielenden Gäste absolut nichts zu kritisieren, trotz sieben Gegentreffern. Klingt komisch? Ist aber so.

"Was ich jetzt brauche, sind Kerle mit Eier inner Buxe": Und was für Eier sie, also jetzt sprichwörtlich, in der Buxe haben. Da wird gegen die physisch überlegenen Oberhausener kein Zweikampf gescheut. Angst? Bitte, was ist das? Immer Vollgas. Immer bereit, die Duelle anzunehmen. Über 90 Minuten. Der eigene Körper wird nicht geschont. Alles rausgehauen. Wie der Thorsten früher selbst. Kerle, von seinem Schlag, die hat er, der Thorsten.

"Die Einstellung ist immer Fakt": Kein Zweifel. Der Thorsten hat bei seiner Antritts-PK nicht zu viel versprochen. Die Einstellung der Jungs ist absolut vorbildlich. Auch nach dem 0:3, als wirklich jeder Glaube an das Wunder schwand, knickten die Jungens nicht ein. Energisch bei der Arbeit gegen den Ball und mutig im Spiel nach vorne. Und wenn die Einstellung eben immer Fakt ist, dann wirste auch belohnt. Spät zwar, aber sehr sehenswert schweißte Graziano Vincenzo den Ball zum 1:6 in der 81. Minute in den Winkel des Oberhausener Gehäuses – ein überragendes Tor!

"Eins kann ich: Ich kann in den Köpfen der Spieler eins sagen: dass sich andere Zeiten hier in Reeeemscheid ändern. Hundertprozentig": Das können wir leider nicht seriös bewerten. Aber fragen wir doch mal den Trainer selbst. Herr Legat, Ihre Einschätzung zum Spiel? "Das Ergebnis geht in der Höhe in Ordnung, mit unserer Chancenauswertung kann ich nicht zufrieden sein. Aus meiner Sicht war RWO heute verwundbar, wir haben zu wenig aus unseren Chancen gemacht. Als Siebtligist haben wir uns genügend Möglichkeiten erspielt. Dafür ein Kompliment an meine Mannschaft. Mit dem einen oder anderen Oberligaspieler in unseren Reihen hätte das Spiel auch 7:4 ausgehen können." Remscheid spielt in der sechsten Liga, nun gut. Kurz vor 22 Uhr, Karl-Heinz ist längst weg. Viele andere auch. Vor dem Stadion steht noch ein Grüppchen. Einer sagt zum Abschied: "Bis Sonntag, wennwa da so spielen wie heute, hamwa ne Chance." Um 14.30 Uhr ist dann mit dem Düsseldorfer SC der Tabellenfünfte zu Gast im Röntgenstadion. Liga-Alltag. Abstiegskampf für den FCR. Aber eines bleibt: Die Einstellung ist immer Fakt!

Quelle: n-tv.de

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