Fußball

Lizenz kann Millionen bringen Wird E-Sport-Abteilung Schalkes Bauernopfer?

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Schalke hat mit Erfolg viel Geld in die E-Sport-Abteilung investiert.

(Foto: imago images/RHR-Foto)

Für den schuldengeplagten FC Schalke 04 würde ein Abstieg in die 2. Bundesliga weitere finanzielle Einschnitte bedeuten. Neben Spielerverkäufen könnte auch die E-Sport-Abteilung des Vereins einen millionenschweren Geldregen einbringen. Dafür müssten die Berufszocker allerdings auf die internationale Bühne verzichten.

Der FC Schalke 04 trudelt unaufhaltsam dem Gang in die Zweitklassigkeit entgegen. Eine Lizenz für die 2. Fußball-Bundesliga würden die Knappen laut Finanzchefin Christina Rühl-Hamers wohl bekommen. Mit dem Abstieg aus der Fußball-Bundesliga wären aber drastische finanzielle Einschnitte verbunden. So scheinen die Königsblauen bereits das nötige Kleingeld für den Wiederaufbau zusammenzukratzen - zum Leidwesen der E-Sport-Abteilung des Vereins. Diese könnte zum Verkauf einer millionenschweren Lizenz gezwungen werden - immerhin wohl mit ordentlich Gewinn.

Schalke plagt weiterhin ein Schuldenberg. Den Verein drücken Verbindlichkeiten von rund 200 Millionen Euro. "Der Kader müsste natürlich an die Gegebenheiten und die Wettbewerbssituation in der 2. Liga angepasst werden", sagte Rühl-Hamers dem Sender Sport1. Der rund 80 Millionen Euro schwere Gehaltsetat würde bei Abstieg wohl um die Hälfte eingestampft werden. Betrachtet man den Kader der Königsblauen, fragt man sich ohnehin, wer aus dem aktuellen Kader noch übrig bleibt. Bei Weston McKennie (Juventus Turin) und Ozan Kabak (FC Liverpool) darf man hoffen, dass die Klubs die Kaufoption ziehen, bei Nabil Bentaleb, Alessandro Schöpf, Timo Becker, Steven Skrzybski und Michael Langer laufen die Verträge am Saisonende aus. Dazu kommen noch Suat Serdar, Mark Uth und Salif Sané, die bei Abstieg ablösefrei gehen können.

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In LoL steuern zwei Teams mit fünf Spielern Avatare mit speziellen Fähigkeiten und versuchen, die Basis der Gegner zu zerstören.

(Foto: imago images/Agencia EFE)

Im Gegensatz zur Bundesliga-Abteilung läuft der virtuelle Sport bei Schalke ganz erfolgreich. Nicht etwa Fußballsimulation Fifa, sondern das Team um das weltweit beliebte Strategiespiel "League of Legends" (LoL) bildet das Herzstück. Das internationale Quintett fährt auf nationaler Ebene regelmäßig Turniersiege ein und nimmt zusammen mit neun anderen Teams an der "League of Legends European Championship" (LEC) teil. Das Turnier stellt mit mehreren Hunderttausend Live-Zuschauern auf Youtube und Twitch quasi die Champions League in LoL dar und bindet Großsponsoren wie Coca-Cola oder American Express.

Die Teilnahme verläuft wie beispielsweise in den großen, finanzstarken US-Profiligen über Franchising. Die Lizenz zur Teilnahme muss erworben werden. Und das ist kein billiges Vergnügen. Zum Einstieg 2018 zahlte Schalke acht Millionen Euro, die gewachsene Reichweite der LEC machen die Lizenz heute aber deutlich teurer. "Die Lizenz ist sicherlich deutlich wertvoller als wir ursprünglich investiert haben. Wie viel genau ist zum jetzigen Zeitpunkt jedoch lediglich Spekulation. Das werden die anstehenden Verhandlungen zeigen", erklärte Schalkes E-Sports-Chef Tim Reichert ntv.de. Um die Lizenz könnte es entsprechend ein Wettbieten geben. Die französische Zeitung "L'Equipe" schätzt den Wert auf 20 Millionen Euro.

Den möglichen Verkauf hatte Schalke in einem Statement verbreitet. Was für die Öffentlichkeit überraschend wirkt, wurde intern bereits angekündigt. "Wir haben bereits im Vorfeld die schwierige sportliche und coronabedingte Situation des Vereins mit allen Mitarbeitern regelmäßig diskutiert, so dass das Team die Information ruhig und professionell aufgenommen hat", so Reichert. "Wir haben uns für das Jahr 2021 in allen Wettbewerben ambitionierte Ziele gesetzt und Ziel des Teams ist es, daran gemeinsam weiterzuarbeiten."

Während der Verkauf der Lizenz einen möglichen Geldsegen für den Gesamtverein bedeutet, würde die E-Sport-Abteilung darunter leiden. "Das LEC Team ist der zentrale Bestandteil des E-Sport-Invests. Natürlich würde ein Verkauf auch personelle Veränderungen nach sich ziehen, wenn wir das Team in der LEC nicht mehr unterhalten. Sowohl unsere Spieler als auch das Team dahinter möchten sich dem Wettbewerb auf höchster Ebene stellen", so Reichert, der aber betont, dass noch keine Entscheidung über den Verkauf gefallen sei.

Quelle: ntv.de

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