Fußball

Mit der Mentalität des Kimmich Zur Not erstolpert der FC Bayern seine Titel

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Ein gestolperter Sieg.

(Foto: REUTERS)

Hansi Flick ist weiter erfolgreich mit der "Mission Maximum". Fünf Titel waren für den Trainer des FC Bayern bislang möglich. Fünf Titel hat er gewonnen. Gegen Borussia Dortmund kann er sich im Supercup dieses Mal auf die Top-Mentalität seiner Mannschaft verlassen.

Nach dem Titel ist vor dem Titel. Diesen Satz hat Sepp Herberger zwar so nie gesagt. Er stimmt dennoch. Vor allem für die Fußballer des FC Bayern. Die haben sich zwar gerade erst in der Fußball-Bundesliga eine wuchtige Ohrlasche von (Sebastian) Hoeneß' Hoffenheimern eingefangen und sollen sich seither in bester Tradition mit einer Verpflichtung von Andrej Kramaric beschäftigen, dem mutmaßlich besten Spieler der TSG, aber wenn es drauf ankommt, wenn es um Titel geht, dann sind die Münchner der Ära von Trainer Hansi Flick eben da. Immer und erfolgreich. Mit 3:2 (2:0) ernüchterte die Mannschaft am Mittwochabend in der heimischen Arena den BVB. Der war zwar mitunter richtig gut, aber in den entscheidenden Phasen nicht gut genug.

"Am Ende haben wir den Pokal, das fühlt sich gut an", sagte Joshua Kimmich, der den Sieg für den FC Bayern spektakulär erstolpert hatte. "Wir haben für den Pott gefightet, auch wenn es nicht unser bestes Spiel war. Aber man hat gesehen, dass wir die Mentalität besitzen, auch ein Spiel, in dem wir nicht so super spielen, für uns zu entscheiden." Kimmichs brutale Willensleistung beeindruckte auch seinen Trainer. "Joshua hat eine ganz besondere Mentalität, enorme Qualitäten. Deswegen ist er auf einem richtig guten Weg, einer dieser Spieler zu sein, der diesen Verein prägt. Kompliment."

Tatsächlich war es wieder einmal der wuchtwillige Mittelfeldchef, der eine nur phasenweise dominante Mannschaft aus München anführte und sie nach einem 15-minütigen Tempohagel des BVB inklusive der beiden Gegentore wieder in die Spur brachte. Sein wichtigster Adjudant: Torwart Manuel Neuer, der mit einer sensationellen Parade gegen Erling Haaland den möglichen 2:3-Rückstand verhinderte. So stand am Ende der nächste Pokal. Der fünfte in der Ära von Coach Flick. Das ist das absolute Maximum. Und so soll es weitergehen. Unmittelbar nach dem Supercup-Erfolg formulierte der 55-Jährige das nächste Ziel: einen Triumph bei der Klub-WM. Alle sechs möglichen Titel, das hat bislang nur der FC Barcelona um Superstar Lionel Messi 2009 unter Trainer Josep Guardiola geschafft.

Wann's den nächsten Titel gibt, ist unklar

"Ich habe diesen Wettbewerb auch nach dem Supercup direkt angesprochen. Die Mannschaft würde es schon gerne spielen", sagte Flick über den interkontinentalen Vergleich. Allerdings ist aktuell noch offen, ob die Fifa für die im Dezember in Katar angedachte Klub-WM noch 2020 einen Termin findet. Zuletzt war eine Verschiebung ins Frühjahr 2021 im Gespräch. Normalerweise steigt das Turnier kurz vor Weihnachten - die Bayern müssen dann aber, einen Sieg im Nachholspiel gegen den Fünftligisten 1. FC Düren am 15. Oktober vorausgesetzt, ihre Zweitrundenpartie im DFB-Pokal austragen.

Es ist eine aberwitzige Terminhatz, eine, die den Kader an die Grenzen der Belastung bringt. Und so hat Flick wieder und wieder angemahnt, das mächtig dünne Aufgebot dringend noch mal aufzurüsten. An Gerüchten (mehr dazu lesen Sie später bei uns) mangelt es nicht, an Vollzugsmeldungen schon. Nun hat die Geschichte des FC Bayern gelehrt, dass Last-Minute-Zugänge keine Panikkäufe sind. Ein Arjen Robben kam einst kurz vor dem "Rien ne va plus" am Transfermarkt, oder aber auch Xabi Alonso und Mark van Bommel. Sie alle, das weiß man, waren stil- und äraprägend.

Weil aber noch nichts Frisches da ist, stellte Flick zwei Leute in die Startelf, die als gefühlte Neuzugänge gelten. Rekordmann Lucas Hernández, der auch wegen Verletzungen ein sehr schwieriges erstes Jahr in München erlebt hatte, und Corentin Tolisso, der auch wegen Verletzungen bislang nie seine mögliche Unverzichtbarkeit für den Rekordmeister nachweisen konnte. Dass die beiden Weltmeister, einmal das reicht ja als Klassenachweis, in dieser Spielzeit tatsächlich sehr wichtig werden könnten, das jedenfalls deuteten sie am Mittwochabend an. Hernández legte eine Zweikampfhärte an den Tag, die es in der Bundesliga so selten gibt. Die Atlético-Schule von Diego Simeone eben.

FC Bayern - Borussia Dortmund 3:2 (2:0)

Tore: 1:0 Tolisso (18.), 2:0 Müller (32.), 2:1 Brandt (39.), 2:2 Haaland (55.), 3:2 Kimmich (82.)
München
: Neuer - Pavard (76. Richards), Süle, Hernandez, Davies - Kimmich, Martinez (84. Musiala), Tolisso - Müller, Coman (54. Gnabry) - Lewandowski (83. Zirkzee). - Trainer: Flick
Dortmund: Hitz - Can, Hummels (76. Piszczek), Akanji - Meunier (67. Schulz), Dahoud, Delaney, Passlack - Brandt (76. Bellingham), Reus (72. Reyna) - Haaland (68. Renier). - Trainer: Favre
Schiedsrichter: Bibiana Steinhaus (Langenhagen)
Zuschauer: keine (in München)
Gelbe Karten: Hernandez

Und Tolisso war nicht nur wegen seines Treffers zum 1:0 auffällig. Seine fleißigen Seitenverlagerungen waren oft wichtig und sehr gut getimt. Es ist eine neue, eine andere Komponente für das Spiel. Eine für Souveränität und Ballbesitz. Keine überraschende, wie sie der abgewanderte Thiago perfektioniert hatte. Zwei wichtige Optionen auf sehr hohem Niveau könnten die beiden Franzosen aber endlich werden. Aber dahinter? Dahinter wird's dünn. Ein Experiment, wie Patron Uli Hoeneß zuletzt mal angedeutet hatte. Gegen Dortmund brachte Flick schließlich den 20-jährigen Chris Richards für den nicht fehlerfreien Benjamin Pavard, Joshua Zirkzee für den zuletzt angeschlagenen Robert Lewandowski und schließlich den erst 17-jährigen Jamal Musiala für den ausgelaugten Javi Martinez.

Für die großen Ambitionen des Klubs sehr gewagt. Ein bisschen zu gewagt? "Wir haben Spieler hier, die sind Weltklasse und haben alle ihre Ziele, genauso wie der Trainer. Wir brauchen einen gewissen Kader, wenn wir unsere Ziele erreichen wollen." Welche das sind, das will Flick erst nach dem 5. Oktober, nach dem Ende der Transferphase verraten. Aber klar ist: Nach dem Titel ist vor dem Titel.

Quelle: ntv.de