Collinas Erben

"Collinas Erben" sehen Rot Daridas Kopftreffer, Okazakis Bluttor

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Torjubel oder Schmerz? Okazaki nach dem 2:0.

(Foto: imago/Rene Schulz)

Ein wenig martialisch ging es am 5. Spieltag der Fußball-Bundesliga zu. Freiburgs Darida traf Hoffenheims Schwegler im Gesicht, der Mainzer Okazaki mit klaffender Wunde ins Frankfurter Tor. Ja, dürfen die das denn?

Fallrückzieher gehören zweifellos zum Spektakulärsten, was der Fußball zu bieten hat. Insbesondere das artistische Moment, das ihnen innewohnt, verzückt die Zuschauer im Stadion wie an den Fernsehschirmen. Folgerichtig war es ein Fallrückzieher, der zum "Tor des Jahrhunderts" gewählt wurde, nämlich jener von Klaus Fischer im Länderspiel zwischen Deutschland und der Schweiz am 16. November 1977.

Doch nicht immer sorgt eine solche akrobatische Einlage für Begeisterung. Manchmal fügt sie einem Spieler sogar Schmerzen zu - und wird deshalb nicht mit einer Auszeichnung, sondern mit einer Roten Karte bedacht. So wie am Dienstagabend, als der Freiburger Vladimir Darida bei einem Klärungsversuch in der 81. Minute nicht etwa den Ball, sondern den Kopf des Hoffenheimers Pirmin Schwegler traf. Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer zögerte keine Sekunde und stellte Darida vom Platz.

Wenig Spielraum für den Referee

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Schwegler liegt am Boden, Kinhöfer zeigt Darida glatt Rot.

(Foto: imago/Hartenfelser)

Nicht wenige fanden diese Entscheidung zu hart. Darida habe den in seinem Rücken heraneilenden Schwegler schließlich nicht kommen sehen können, deshalb sei ihm kein Vorwurf zu machen, argumentierten sie. Ein nachvollziehbarer Einwand. Doch letztlich trägt ein Spieler, der sein Bein freiwillig in eine potenziell gefährliche Höhe begibt, auch das Risiko für sein Vorgehen. Wenn sich - wie bei Fischers Traumtor - in der Nähe kein Gegenspieler befindet, dann ist diese Spielweise erlaubt. Muss ein gegnerischer Akteur ausweichen, um nicht getroffen zu werden, dann spricht man von "gefährlichem Spiel", das lediglich einen indirekten Freistoß nach sich zieht. Kommt es dagegen zu einem Kontakt, wird aus dem gefährlichen ein verbotenes Spiel.

Die Folge ist dann nicht nur ein direkter Freistoß (oder, wenn das Foul im Strafraum geschah, ein Elfmeter), sondern auch eine persönliche Strafe, sprich: eine Karte. Deren Farbe hängt maßgeblich davon ab, ob mit dem Rückzieher eine Verletzung des Gegenspielers in Kauf genommen wurde, also nicht ausgeschlossen werden konnte. Ist der Fuß sogar im Gesicht des Gegners gelandet - ob absichtlich oder nicht, ist dabei von nachrangiger Bedeutung -, dann hat der Schiedsrichter keine andere Wahl, als zur Roten Karte zu greifen. Denn er muss die Gesundheit der Spieler schützen, dieser Grundsatz hat höchste Priorität.

Okazakis Treffer musste zählen

Der Schutz der Gesundheit ist auch der Grund, warum ein blutender Spieler vorübergehend das Feld verlassen und seine Wunde versorgen lassen muss. Zum einen geht es dabei um sein eigenes Wohlergehen, zum anderen sollen die Gegenspieler nicht gefährdet werden - schließlich können durch das Blut Krankheiten übertragen werden. Erst wenn die Blutung gestillt ist, darf der Spieler - nach vorheriger Kontrolle durch den Schiedsrichter - wieder den Platz betreten.

So verfuhr auch Felix Brych, der Unparteiische des Spiels zwischen Eintracht Frankfurt und Mainz 05, in der 18. Minute, nachdem sich der Mainzer Shinji Okazaki einen "Cut" über dem Auge zugezogen hatte: Brych wies ihn an, die Wunde außerhalb des Feldes behandeln zu lassen. Okazaki kam schließlich mit einem Pflaster zurück auf den Platz, doch das medizinische Personal der Mainzer schien keine sonderlich nachhaltige Arbeit geleistet zu haben. Denn als Okazaki in der 44. Minute das 0:2 erzielte, sah man beim Torjubel deutlich, dass er erneut über dem Auge blutete.

Hätte der Treffer also annulliert werden müssen? Nein – denn dem Schiedsrichter ist es nicht zuzumuten, permanent zu kontrollieren, ob eine Blutung auch wirklich dauerhaft gestoppt worden ist. Bemerkt er jedoch, dass dies nicht der Fall ist, dann muss er den Betreffenden erneut vom Feld schicken. Das bedeutet gleichwohl nicht, dass ein von diesem Spieler erzieltes Tor ungültig wäre - auch deshalb nicht, weil der Referee nicht mit Bestimmtheit sagen könnte, dass die Wunde schon vor der Torerzielung wieder aufgebrochen ist.

Ein überzeugender Neuling

Überrascht waren viele von der Schiedsrichter-Ansetzung bei der Partie zwischen dem FC Bayern und dem Überraschungs-Tabellenführer SC Paderborn 07. Denn für Sascha Stegemann war es nach seiner gelungenen Premiere am zweiten Spieltag bei der Begegnung zwischen Mainz und Hannover erst der zweite Erstligaeinsatz - und dann gleich, zumindest tabellarisch gesehen, bei einem Spitzenspiel unter Beteiligung des deutschen Rekordmeisters in der ausverkauften Münchner Allianz Arena. Doch der Sprung ins kalte Wasser gelang, Stegemann rechtfertigte das Vertrauen, das die Schiedsrichter-Kommission des DFB in ihn setzte.

Der mit 29 Jahren derzeit jüngste Bundesliga-Schiedsrichter bewegte sich unaufgeregt und umsichtig durch das Match, und auch wenn ihm die Fairness der Akteure und der klare Spielverlauf die Arbeit fraglos erleichterten, so ist es doch bemerkenswert, dass er ohne eine einzige Gelbe Karte auskam. Dass Robert Lewandowski bei seinem Tor zum 2:0 um eine Fußspitze im Abseits stand, war für Stegemanns Assistenten kaum zu erkennen - wegen der gegenläufigen Bewegungen des Bayern-Stürmers und der Paderborner Verteidiger. Deshalb auch kein Vorwurf an das Gespann. Wie es aussieht, ist die Bundesliga um einen zukunftsträchtigen Unparteiischen reicher geworden.

Quelle: n-tv.de

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