Collinas Erben

"Collinas Erben" starten souverän Hawk Eye debütiert, Spahic kommt davon

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Bastian Dankert hatte den Bundesligaauftakt zwischen FC Bayern und Hamburger SV bis auf zwei Schönheitsfehler sehr gut im Griff.

(Foto: imago/MIS)

Am 1. Spieltag rücken junge Schiedsrichter aus der zweiten Reihe in den Bundesliga-Fokus und überzeugen trotz Schönheitsfehlern. Die Torlinien-Technologie besteht ihre Feuertaufe in Darmstadt so locker wie der FC Bayern seinen Ligastart.

Wenn mehrere Spieler eines Klubs allmählich in die Jahre kommen und Zug um Zug durch jüngere ersetzt werden, ist häufig von einem Umbruch die Rede, in dem sich die Mannschaft befinde. Einen solchen Umbruch kann es auch im Team der 22 Bundesliga-Schiedsrichter geben, das zeigt sich gerade deutlich. Denn weiterhin gilt für die deutschen Unparteiischen im Profifußball eine Altersgrenze von 47 Jahren. Nachdem deshalb am Ende der vergangenen Saison bereits Peter Gagelmann und Thorsten Kinhöfer ihre Laufbahn beenden mussten, werden im Anschluss an diese und die nächste Spielzeit insgesamt sieben weitere sehr gute und erfahrene Referees zwangsläufig in den Ruhestand gehen: Für Florian Meyer, Knut Kircher und Michael Weiner ist Mitte Mai 2016 Schluss, ein Jahr später folgen Wolfgang Stark, Peter Sippel, Günter Perl und Jochen Drees.

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Ein beträchtlicher Aderlass also, der erst einmal kompensiert werden muss. Doch Herbert Fandel, dem Vorsitzenden der DFB-Schiedsrichter-Kommission, ist vor dieser Entwicklung nicht bange. "Bei meinem Amtsantritt im Jahr 2010 wusste ich schon, dass dies auf uns zukommt, deswegen konnten wir die entsprechenden Weichen stellen", sagt er. In der zweiten und dritten Liga gebe es "ein riesiges Reservoir an jungen Talenten", aus dem man für die erste Liga schöpfen könne.

Collinas Erben

"Collinas Erben" - das ist Deutschlands einziger Schiedsrichter-Podcast, gegründet und betrieben von Klaas Reese und Alex Feuerherdt. Er beschäftigt sich mit den Fußballregeln, den Entscheidungen der Unparteiischen sowie mit den Hintergründen und Untiefen der Schiedsrichterei. "Collinas Erben" schreiben jeden Montag auf n-tv.de über die Schiedsrichterleistungen des Bundesligaspieltags. Unser Autor Alex Feuerherdt ist seit 1985 Schiedsrichter und leitete Spiele bis zur Oberliga. Er ist verantwortlich für die Aus- und Fortbildung in Köln, Schiedsrichterbeobachter im Bereich des DFB und arbeitet als Lektor und freier Publizist.

Eines davon, der 26-jährige Benjamin Brand aus dem bayerischen Bamberg, ist nun ins Oberhaus aufgestiegen, kam dort am ersten Spieltag aber noch nicht als Schiedsrichter zum Einsatz. Doch insgesamt fiel auf, dass gleich zum Auftakt dieser Saison viele jüngere Unparteiische eingesetzt wurden, die bislang nicht zur allerersten Garde gehörten, nun aber an größere Aufgaben herangeführt werden.

Beförderungen für die "zweite Garde"

So kam beispielsweise Bastian Dankert die anspruchsvolle und viel beachtete Aufgabe zu, das Eröffnungsspiel zwischen dem Deutschen Meister FC Bayern München und dem Hamburger SV zu leiten. Der 35-jährige Rostocker pfiff unaufgeregt und souverän. Zudem bewies er früh Mut zur Konsequenz, als er den Bayern-Stars Xabi Alonso und Jérôme Boateng nach taktischen Fouls jeweils die Gelbe Karte zeigte. Dass Medhi Benatias Unterarmeinsatz an der Torauslinie gegen Hamburgs Neuzugang Sven Schipplock nicht einmal mit einem Freistoß geahndet wurde, obwohl sich der Schiedsrichter-Assistent in unmittelbarer Nähe des Zweikampfs befand, war allerdings falsch. Und der bereits verwarnte Hamburger Verteidiger Emir Spahic hätte in der 50. Minute für seinen Tritt auf das Sprunggelenk von Robert Lewandowski, als der Ball bereits nicht mehr spielbar war, die Gelb-Rote Karte verdient gehabt. In einer ansonsten sehr soliden Partie des Referees waren das zwei Schönheitsfehler, mehr aber auch nicht.

Gleich zwei Matchstrafen gab es dafür im phasenweise ruppigen Spiel zwischen dem FC Augsburg und Hertha BSC. Erst sprang der Augsburger Raul Bobadilla kurz vor der Pause dem Berliner Kapitän Fabian Lustenberger in die Parade, dann grätschte der Herthaner Roy Beerens in der 66. Minute Markus Feulner von hinten nieder. Beide Gelb-Roten Karten gingen vollauf in Ordnung. Auch der Strafstoß für die Gäste kurz nach dem Seitenwechsel, den es für ein klares Foul von Ragnar Klavan an Salomon Kalou gab. Schiedsrichter Tobias Welz lag damit in allen wesentlichen Situationen der Partie richtig.

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Schiedsrichter Tobias Stieler zeigte im Borussenduell eine starke Leistung.

(Foto: imago/Ulmer)

Einen guten Eindruck hinterließ auch Tobias Stieler im Samstagabendspiel zwischen den beiden Borussias aus Dortmund und Mönchengladbach – ebenfalls eine Schiedsrichter-Ansetzung des DFB, die darauf hindeutet, dass hier ein Unparteiischer in der internen Rangfolge aufgestiegen ist. Besonders bemerkenswert war sein Gespür in der 33. Minute, als der Referee trotz eines Foulspiels des Gladbachers Lars Stindl an Dortmunds Youngster Julian Weigl kurz vor dem BVB-Strafraum weiterspielen ließ, weil der BVB in Ballbesitz blieb und eine gute Kontermöglichkeit hatte. Daraus resultierte schließlich das Tor zum vorentscheidenden 3:0 – womit Stieler geradezu vorbildlich etwas umsetzte, das in der Regel 5 (Der Schiedsrichter) verzeichnet ist. Dort heißt es nämlich, dass der Schiedsrichter "von einer Spielunterbrechung abzusehen" hat, "wenn dies von Vorteil für dasjenige Team ist, gegen das sich das Vergehen richtete". Und der größtmögliche Vorteil besteht bekanntlich immer noch in der Torerzielung.

Hawk-Eye: In Darmstadt erstmals gebraucht

Insgesamt verlebten die Schiedsrichter einen recht ruhigen ersten Spieltag. Auch die Schwerpunkte, auf die sie in dieser Saison besonders achten sollen, waren noch kein Thema. Schiri-Chef Fandel hatte die Unparteiischen zum einen angewiesen, das Halten, Klammern und Zerren im Strafraum künftig strenger zu ahnden und bei diesen Vergehen schneller auf Elfmeter zu entscheiden. Zum anderen soll gegen rücksichtslos einsteigende Torhüter härter durchgegriffen werden. Doch bislang mussten die Referees in dieser Hinsicht nicht aktiv werden. Vielleicht auch deshalb, weil die Klubs vor Saisonbeginn in eigenen Schulungen durch DFB-Schiedsrichter auf diese Schwerpunktsetzungen hingewiesen wurden.

Eine vieldiskutierte Neuerung, nämlich die Torlinientechnologie, wurde bislang nur in einem Stadion gebraucht. Als der Hannoveraner Kenan Karaman beim Spiel seiner Elf in Darmstadt mit einem Kopfball die Unterkante der Latte traf und der Ball von dort auf den Boden prallte, signalisierte das "Hawk Eye" (zu Deutsch: "Falkenauge") zuverlässig: kein Tor. Eine Entscheidung, die Schiedsrichter Felix Brych und sein Assistent Stefan Lupp allerdings auch ohne technische Hilfe getroffen hätten. Aber sicher ist bekanntlich sicher.

Quelle: ntv.de