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11. August 1999: Waldemar Hartmann in Wallung, Astrid Kumbernuss beteuert ihre Unschuld - und in der Mitte lächelt Hans Georg Noack.
11. August 1999: Waldemar Hartmann in Wallung, Astrid Kumbernuss beteuert ihre Unschuld - und in der Mitte lächelt Hans Georg Noack.
Dienstag, 24. Oktober 2017

Redelings über eine Pannen-Show: Als das DFB-Pokal-Los im Bio-Müll landete

Von Ben Redelings

Skandal bei der Pokalauslosung: Plötzlich ist eine Kugel weg. 1999 streiten ARD-Moderator Waldemar Hartmann, Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss und DFB-Justiziar Götz Eilers live im Fernsehen vor einem Millionenpublikum. Was war passiert?

Wenn an diesem Dienstag (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) die Spiele der zweiten Runde des DFB-Pokals beginnen, schielen alle Mannschaften, die noch dabei sind, bereits mit einem Auge nach Dortmund. Schon bald wird dort im Deutschen Fußballmuseum die dritte Runde ausgelost - und alle hoffen, dass nicht noch einmal solch ein Fauxpas passiert wie am Abend des 11. August 1999. Damals wurde deutsche Pokalgeschichte geschrieben, live in der ARD - obwohl an diesem Tage kein einziges Spiel stattfand.

Doch was ist damals genau passiert?

Moderator Waldemar Hartmann, der Justiziar des Deutschen Fußball-Bundes Götz Eilers, der DFB-Spielleiter Hans Georg Noack und nicht zuletzt Kugelstoß-Olympiasiegerin Astrid Kumbernuss als Losfee an der Trommel, hatten an diesem denkwürdigen Abend ein Problem. Dabei wollten sie doch nur die 16 Partien der dritten Runde ermitteln.

Doch als Kumbernuss Kugel Nummer 29 zieht, hält sie lediglich zwei bereits geöffnete Hälften in der Hand - beide innen schwarz, kein Vereinsname steht drauf. Und nun? Letztlich finden sie die fehlende Kugelhälfte, auf der Eintracht Trier steht - im Müll. Ein schwerer Fehler, wie sich rausstellen sollte. Der verbale Schlagabtausch hatte Comedy-Format, wie diese Ausschnitte im Wortlaut zeigen:

"Ein Tor würde dem Spiel gut tun"

Ben Redelings ist "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und leidenschaftlicher Anhänger des VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

Kumbernuss: "Jetzt haben wir zweimal schwarz …" Hartmann: "Die tun wir jetzt mal weg, äh, und was machen wir jetzt?" Kumbernuss: "Hm!" Eilers: "Äh, da muss ich die Frau Kumbernuss fragen: Wie kommt es zu diesen beiden Teilen?" Kumbernuss: "Keine Ahnung, die lagen so da drinnen." Eilers: "Als wir sie eingefüllt haben vorhin, unter meiner Aufsicht, da waren alle Kugeln geschlossen." Hartmann: "Da kommt Freude auf." Eilers: "Es ist erkennbar, dass hier keine Vereinsbezeichnungen drin sind. Wir müssen allenfalls feststellen, ob sich da etwas gelöst hat in der Trommel selbst." Hartmann: "Also, Herr Eilers, da ist keine drin, hier sind drei …" Eilers: "Es könnte allenfalls sein, dass bei den weggetanen Hälften eine beschriftet ist. Wir könnten also mal in dem Sack nachschauen. Das wäre die Rettung." Hartmann: "Ich sehe einen Juristen sprachlos. Das gefällt mir ganz gut." Eilers: "Wir sollten in dem Behältnis nachsehen, um die Möglichkeit zu schaffen, dass die Auslosung nicht wiederholt werden muss." Hartmann: "Aber: Wie kriegen wir denn den Sack hier raus? Wie kriegen wir das hin? Müssen wir das jetzt auseinanderbauen?" Eilers: "Dafür bin ich nicht verantwortlich." Hartmann: "Von hinten ist da ’ne Schublade, und die ziehen wir jetzt raus. Also, liebe Zuschauer, ich hab’ da unten natürlich nichts gefummelt und nicht verdreht." Eilers: "Lassen Sie mich, lassen Sie mich nachschauen." Hartmann: "Natürlich, bitte." Eilers: "Wir haben hier schon eine beschriftete ... mit der Vereinsbezeichnung Eintracht Trier." Hartmann: "Also: Wir haben aus dem getrennten Müll hier sofort erkannt: Das war die Bio-Kugel von Eintracht Trier."

Die Auslosung fand damals, wie gewohnt live, in der Halbzeitpause der Partie Hertha BSC gegen Anorthosis Famagusta in Berlin statt. Und nachdem sich alle Beteiligten etwas gesammelt und die Lage analysiert hatten, sprach DFB-Justitiar Eilers die folgenden denkwürdigen Worte: "Die Rechtsordnung entscheidet. Und ich habe entschieden: Es gilt!".

Anschließend erklärte er noch etwas ausführlicher, wie er zu diesem Schluss gekommen war: "Ich habe mich davon überzeugt, dass eine Manipulation durch einen der Beteiligten an der Ziehung nicht vorgelegen hat." Tage später konnten Eilers und der DFB aufatmen. Zwar hatte man deutschlandweit über die spektakuläre Pannenshow zur besten Sendezeit gelacht - doch man war noch einmal um eine Wiederholung des ganzen Vorgangs herum gekommen. Alle Vereine verzichten auf einen Protest. Eilers zeigte sich zufrieden: "Das überrascht mich nicht, denn es war eine unbeeinflusste und manipulationsfreie Auslosung. Die beiden Blindhälften hatten sich beim Mischen gelöst, aber es war nachvollziehbar, dass Eintracht Trier der geloste Verein war."

Ach, übrigens: Eintracht Trier schaffte es in diesem Jahr sogar bis ins Achtelfinale des DFB-Pokals und scheiterte erst am späteren Halbfinalisten Hansa Rostock. Beide Vereine dürfen heute und morgen ohnehin nur zuschauen.

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Quelle: n-tv.de

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