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Letzte Duschen für einen ganz Großen des deutschen Fußballs: Philipp Lahm hat seine Karriere beendet.
Letzte Duschen für einen ganz Großen des deutschen Fußballs: Philipp Lahm hat seine Karriere beendet.(Foto: imago/Sven Simon)
Dienstag, 26. Dezember 2017

Redelings' Jahresrückblick: "Brot kann schimmeln, ihr könnt nix"

Von Ben Redelings

Die Jahre ziehen vorüber, die Welt dreht sich unaufhörlich weiter, es passiert eine ganze Menge und doch ist nur eine einzige Sache sicher: Der FC Bayern München steht ganz oben in der Bundesliga-Tabelle! Schauen wir also lieber ganz gespannt auf die anderen Dinge, die uns in diesem Jahr bewegt haben.

Der Kommentatorensatz des Jahres

Bei der Pokalbegegnung zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem VfL Wolfsburg fällt die Pfeife des Schiedsrichters hinunter - mitten ins saftige Grün. Der Sky-Kommentator reagiert schnell und fragt sich pointiert: "Ich hoffe, dass die Pfeife jetzt nicht zu sehr nach Gras schmeckt!"

Der Aufreger des Jahres

In Mönchengladbach krachte es gleich mehrmals zwischen Zuschauern und Vereinsvertretern im Gebälk. Weltmeister Christoph Kramer formulierte seine Kritik so: "Wenn du entertained werden willst, dann zieh' nach München, geh' abends zu DSDS - oder hol' dir ne Bratwurst." Und nach dem Spiel der Fohlen gegen den HSV machte sich auch Manager Max Eberl Luft: "Ich finde es eine bodenlose Frechheit und da rede ich nicht von der Nordkurve, sondern von den Zuschauern, die ab und zu mal Fußball gucken wollen. Es geht mir so auf den Sack. Dann sollen sie zu Bayern München gehen, wenn sie immer nur Fußball nach vorne sehen wollen. Die Leute, die da wahrscheinlich gepfiffen haben, die haben die ganzen tollen Jahre nicht miterlebt, die haben aber auch die 2. Liga nicht miterlebt und die Torturen, die wir gehabt haben. Die kommen jetzt. Die können jetzt auch zu Hause bleiben."

Die Schlagfertigkeit des Jahres

Sky-Moderator Sebastian Hellmann sagt zum Neu-BVB-Trainer Peter Stöger nach dem Sieg der Dortmunder in Mainz: "Es mag auch am besseren Spielermaterial liegen!" Peter Stöger kontert: "Spieler sind kein Material." Hellmann: "Naja, Sie wissen ja, was ich meine." Stöger: "Sie wissen auch, was ich meine!"

Der Trainer-Trick des Jahres

"Ein Tor würde dem Spiel gut tun"

Ben Redelings ist "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und leidenschaftlicher Anhänger des VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt in Bochum und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Seine kulturellen Abende "Scudetto" sind legendär. Für n-tv.de schreibt er stets dienstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Sein Motto ist sein größter Bucherfolg: "Ein Tor würde dem Spiel gut tun".

Schalke-Trainer Domenico Tedesco kniet sich zur Halbzeit des Spiels des S04 beim BVB - zur Erinnerung sei erwähnt, dass es zu diesem Zeitpunkt 4:0 für die Dortmunder stand - auf den Boden und versammelt die Mannschaft ganz eng um sich herum. Dann holt er tief Luft und erzählt seinem Team von einem angeschlagenen, äußerst labilen Gegner. Er sagt seiner Mannschaft, dass es ab sofort wieder 0:0 steht und dass sie rausgehen und die zweite Halbzeit gewinnen soll. Was sie dann ja auch eindrucksvoll tat.

Die lustigste Aktion des Jahres

Nachdem mehrmals Plakate und Spruchbänder in den Stadien vom DFB beanstandet wurden und es nach diffamierenden Bannern gegen RB Leipzig sogar zu einer Sperre der Südtribüne in Dortmund kommt, initiieren Fans auf Twitter die humorvolle Aktion #faireGesänge. Bekannte Schlachtrufe werden dabei familienfreundlich umgedichtet. Hier eine kleine Auswahl: "Ihr seid Schalker, gesellschaftsfähige Schalker. Ihr schlaft in eurer Wohnung oder im Drei-Sterne-Hotel" / "Wer nicht hüpft, der wird wahrscheinlich gute Gründe dafür haben, die es zu respektieren gilt" / "Wolfsburg, wir hören nichts. Kann aber auch an uns oder den Windverhältnissen liegen".

Das Missgeschick des Jahres

So ein Ding wie das vom Mainzer Torhüter Robin Zentner bei der Partie der 05er in Mönchengladbach in dieser Spielzeit hat es in der fast 55-jährigen Geschichte der Fußball-Bundesliga noch nie gegeben. Wie Zentner statt des Balls, den er vor seinen Füßen vermutete, mit Feingefühl ein Loch in die feuchte Nachmittagsluft im Borussen-Park schoss - das macht ihm so schnell keiner nach. Der Mainzer Keeper reagierte nach seinem Missgeschick gegen Mönchengladbach übrigens bemerkenswert besonnen: "Es ärgert mich schon. Es ist schließlich eine Situation, die man nicht haben will. Aber es ist zum Glück nichts passiert. Deswegen kann man irgendwann mal darüber lachen."

Die Fangeschichte des Jahres

Berichtet von einem Anhänger des VfL Bochum live von der Herrentoilette in Block A. Zu diesem Zeitpunkt lag der VfL - nach einer katastrophalen ersten Hälfte - mal wieder zurück: "Kurz vor der Halbzeit. Man steht bereits in zweiter Reihe vor der Pissrinne. Einem armen Wicht fällt das Handy laut platschend in die Rinne. In Sekundenschnelle wird der Fauxpas bemerkt und die komplette Klogesellschaft biegt sich vor Lachen. Während der Typ also sein Handy aus der Suppe fischt, kommt ein anderer, klopft ihm aufmunternd auf die Schulter und sagt: "Hömma, da denkse dat Spiel is dat Schlimmste, wat Dir heute passieren kann - und dann sowat!

Der Abschied des Jahres

Einer der ganz Großen ("Ich bin bei meinen Eltern und Großeltern groß geworden - na ja, groß geworden nicht so. Aber bei ihnen aufgewachsen") beendet nach 385 Bundesligaspielen seine Karriere. Mehmet Scholl lobt Philipp Lahm live im Fernsehen: "Weil du gerade dastehst … jetzt hörst du es mal von mir persönlich: 75 Prozent aller Spiele, die du gespielt hast, hast du überragend gespielt. Und die anderen 25 Weltklasse." Sein Entdecker und Förderer Hermann Gerland erinnert sich an die Anfänge Lahms: "Ich habe zu Felix Magath gesagt: ‚Ich habe einen Spieler für Dich. Der sieht aus wie 15 und spielt wie 30. Der kann jede Position außer Torwart spielen, weil er ein super Fußballer ist.‘ Und dann hat er Philipp Lahm genommen, ohne ihn je gesehen zu haben. Ich habe immer gesagt: Philipp Lahm Fußball spielen zu sehen, ist, wie jeden Tag eine leckere Bratwurst zu essen!"

Der Ausblick des Jahres

Ansgar Brinkmann geht im Januar in den Dschungel. Als sein Ex-Trainer Rolf Schafstall in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feierte, kommentierte der weiße Brasilianer dies bei Facebook mit seinen eigenen Erinnerungen an den Ex-Coach: "Einen Tag vor dem Spiel hat er öfter kurz vor Mitternacht angerufen und gefragt, was im Fernsehen läuft. Auf der A1 zwischen Bakum und Vechta habe ich Stau gehabt und bin drei Minuten am Spieltag zu spät beim VfL Osnabrück auf dem Trainingsgelände angekommen. Der General hat mich fünf Minuten durchbeleidigt, aus dem Kader gestrichen und mir auch noch für einen Tag Stadionverbot erteilt. P.S.: Loben konnte er auch ... alles Gute zum 80. Geburtstag!" Und die Tage meldete sich Brinkmann aus seinem Urlaubsdomizil erneut zu Wort, als er gelesen hatte, dass sich sein Ex-Mitspieler Jürgen Klopp schon aufs Dschungelcamp freue: "Kloppo hat RTL in Liverpool und schaut jede Folge. Da fühle ich mich jetzt echt beobachtet. Vielleicht sollte ich lieber doch auf Mauritius bleiben und out of Order sein. Liebes RTL Team, ich würde nicht drauf wetten, dass ich im Januar abfliege ab Frankfurt nach Australien - vielleicht gehe ich auch ins Kino!"

Der Schlusspunkt des Jahres

Ach, ja: Für alle, die einmal ihren Gegenüber richtig beleidigen wollen, hat Bochums Felix Bastians - der kurz zuvor noch mit der Fair-Play-Plakette der Deutschen Olympischen Gesellschaft ausgezeichnet worden war - in diesem Jahr einen Spruch geliefert. Gegenüber dem Teambetreuer und einer anderen Person ließ er den Satz fallen: "Brot kann schimmeln, ihr könnt nix!" Es ist nicht ganz klar, ob sich Comedian Mario Barth schon vorher den thematisch identischen Spruch auf sein T-Shirt drucken ließ oder erst hinterher. Aber wie dem auch sei: Über Niveau lässt sich trefflich streiten. Und damit schließen wir das letzte Kapitel des Jahres 2017. Allen ein gutes und vor allem gesundes Jahr 2018. Glück auf!

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Quelle: n-tv.de