Redelings Nachspielzeit

Mourinho greift nach dem Rekord Der größte Sprücheklopfer der Trainerzunft

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Wer haut gern markige Sprüche raus?

(Foto: IMAGO/NurPhoto)

Heute Abend trifft der portugiesische Startrainer José Mourinho mit seinem Verein AS Rom im Finale der Conference League auf Feyenoord Rotterdam. Ob der Rekord, den der frühere Gewinner der Champions und Europa League mit dem möglichen Titelgewinn holen kann, Mourinho tatsächlich interessiert, darf bezweifelt werden. Der Mann strebt nach Höherem.

Vermutlich wird es José Mourinho nicht wirklich interessieren - oder wenigstens würde er es wohl nicht zugeben -, aber am heutigen Mittwochabend kann der Trainer der AS Rom in Tirana gegen Feyenoord Rotterdam tatsächlich Geschichte schreiben. Er kann einen Rekord holen, den nicht einmal sein Erzfeind Pep Guardiola oder der große Gewinner der Saison, Jürgen Klopp, innehat. Der Portugiese kann als erster Trainer die Champions League, Europa League und Conference League gewinnen.

Aber das dürfte für einen Mann, der über sich selbst sagt - "Wenn man mein Niveau erreicht hat, ist es schwierig, von anderen zu lernen, man muss von sich selbst lernen" - vermutlich eine Auszeichnung unter seinem Niveau sein. Und, nicht zu vernachlässigender Randaspekt: Es ist eben auch das erste Finale (21 Uhr/live bei RTL, auf RTL+ und im Liveticker bei ntv.de) der erstmals eingeführten Conference League.

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Es ist in den letzten Jahren etwas stiller um den Mann geworden, der einst unter Bobby Robson bei Sporting Lissabon als Dolmetscher und Co-Trainer für den englischen Coach startete. Der langjährige Nationaltrainer der "Three Lions" sagte einmal rückblickend über diese Zeit mit Mourinho: "Er sprach perfekt Englisch. Und er sah verdammt gut aus. Etwas zu gut für mein Gefühl." Und vermutlich wusste das José Mourinho auch schon frühzeitig selbst, denn er meinte einmal: "Gott denkt bestimmt, dass ich ein geiler Typ bin, deswegen hat er mir so viel gegeben."

Mourinho weiß, wie das Geschäft läuft

Ohne Zweifel ist der Portugiese eine der selbstbewusstesten Gestalten im Weltfußball. Und er ist jemand, der sein Mundwerk und seine Emotionen entweder richtig schlecht unter Kontrolle hat oder beides ganz bewusst einsetzt - mit allen Konsequenzen, die sein Handeln zur Folge hat.

José Mourinho ist gefürchtet für seine knallharten Ansagen und Sprüche. Erst neulich blaffte er wieder einmal einen Journalisten an, dass dieser sich doch vor ihm in die Hose scheißen würde. Medienmenschen stehen ohnehin schon immer ganz oben auf seiner Abschussliste. Einem TV-Reporter sagte der Portugiese einmal ins Gesicht: "Wahrscheinlich wollten Sie Trainer werden, aber dann hat es nur zum Journalisten gereicht." Eine bewusste Provokation eines Mannes, der weiß, wie das Geschäft läuft.

Als er damals zu Inter Mailand kam, verkündete er sogleich: "Ich glaube, für die Journalisten könnte es sehr unterhaltsam werden." Und so kam es auch. Wie eigentlich an allen Orten, an denen der kontrovers betrachtete heutige Coach der Roma in den letzten knapp dreißig Jahren arbeitete.

"Er spielt, weil ich keinen anderen habe"

Legendär sind die sprachgewaltigen, häufig etwas irren Vergleiche, mit den Mourinho den Profifußball erklären will. Als er einmal gefragt wurde, wie entscheidend gute Spieler für seinen Erfolg sind, antwortete er: "Es geht um Omeletts und Eier. Keine Eier, kein Omelett. Alles hängt von der Qualität der Eier ab. Im Supermarkt gibt es Eier der Klasse A, B oder C und manche sind teurer als andere und machen ein besseres Omelett. Also wenn es die A-Klasse-Eier im Supermarkt gibt und man dort nicht hingehen kann, hat man ein Problem."

Das Finale live bei NITRO und RTL+

NITRO: Moderatorin Laura Papendick und Experte Karl-Heinz Riedle melden sich um 20:15 Uhr aus der albanischen Hauptstadt Tirana mit ersten Analysen und Einschätzungen vom Spielfeldrand. Kommentatoren ab 21 Uhr sind Marco Hagemann und Steffen Freund.

RTL+: Ab 20 Uhr melden sich Anna Kraft, Robby Hunke, Arnd Zeigler und Ansgar Brinkmann. Als Gast ist Thomas Kessler dabei, der Leiter der Lizenzspielerabteilung beim 1. FC Köln, und wirft einen Blick voraus auf die Saison- und Kaderplanung des Klubs, der in den Playoffs der kommenden Europa-Conference-League-Saison spielt. Kommentator ist Cornelius Küpper.

Nun würde man denken, dass er deshalb die vermeintlichen "A-Klasse"-Spieler besonders umhegen und pflegen würde, doch das war noch nie Mourinhos Art. Über einen der absoluten Superstars dieser Saison, Karim Benzema, meinte der Portugiese damals bei Real Madrid: "Er spielt, weil ich keinen anderen habe. Wenn man keinen Hund zum Jagen hat, muss man eine Katze nehmen." Und zu Pedro Leon sagte er: "Du würdest im nächsten Spiel nicht mal dann spielen, wenn das Flugzeug von Real Madrid abstürzen würde und du als Einziger zu Hause säßest." Das ist natürlich harter Tobak - aber ganz genau so tickt José Mourinho.

Für ihn gilt: "Ich will keinen Spieler, der ein perfekter Mann ist und einen fantastischen Charakter hat. Das ist der Typ, den ich für meine Tochter als Mann will." Und genau deshalb liebt Mourinho Spieler wie Zlatan Ibrahimović. Als beide 2009 bei Inter Mailand beschäftigt waren, verweigerte der Portugiese dem schwedischen Nationalspieler sogar einmal auf skurrile Art und Weise die Auswechslung. Zlatan war an diesem Tag sauer, dass ihm seine Mitspieler keine guten Bälle auflegten - und wollte raus.

Jesus wurde ja auch nicht von allen geliebt, sagt Mourinho

Doch Mourinho tat so, als würde er ihn nicht verstehen. Er sagte zu Ibra: "Was ist? Willst du etwas trinken? Möchtest du vielleicht etwas Wasser? Hier, bitte, nimm einen Schluck und dann los." Und tatsächlich: Der schwedische Superstar schoss kurz darauf ein herrliches Tor. Aber Mourinho kannte auch dann noch keine Gnade. Ganz im Gegenteil: Er trieb das Spiel mit Ibrahimović sogar auf die Spitze. Denn als letzten Spieler wechselte er nicht den Schweden, sondern den Torhüter aus.

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Bestseller-Autor und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein legendäres Anekdoten-Schatzkästchen. Für ntv.de schreibt er montags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und seinem Buch mit den besten Kolumnen ("Zwischen Puff und Barcelona") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

"Mou ist ein schrecklicher Typ", hat Ibrahimović erst kürzlich gesagt - und es voller Zuneigung gemeint. Die Beziehung dieser beiden außergewöhnlichen Menschen ist stark. Als Zlatan nach seiner ersten Zeit mit Mourinho beim FC Barcelona auf Pep Guardiola traf, erklärte er schon recht bald: "Wir brauchen den Philosophen nicht. Der Zwerg und ich reichen vollkommen."

Mit Philosoph war sein Trainer und mit Zwerg natürlich sein Mitspieler Lionel Messi gemeint. Als Guardiola ihn nach dieser Attacke quasi kaltstellte, legte Zlatan mit folgenden Worten nach: "Du hast keine Eier und scheißt dir vor Mourinho in die Hose. Im Vergleich zu ihm bist du ein Nichts - fick' dich!" Deutlicher kann man seine Bewunderung für den einen und die Abneigung für den anderen kaum in einem Satz in Worte fassen.

Heute Abend nun kann es Mourinho seinem Starspieler, der gerade mit dem AC Milan den Scudetto geholt hat, nachmachen - und die Saison mit einem Titelgewinn abschließen. Man darf allerdings so oder so gespannt sein, was der Portugiese nach dem Finale sagen wird. Denn der "geile Typ", dem "von Gott so viel gegeben" wurde, wird sicherlich nach dem Endspiel im Fokus der Medien stehen. Schließlich ist es ihm ganz egal, dass ihn einige Menschen wegen seiner Sprüche nicht ganz so prickelnd finden: "Auch Jesus wurde nicht von allen geliebt."

Quelle: ntv.de

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