Redelings Nachspielzeit

Bundesligisten vor der Pleite Fällt die 50+1-Regel in der Corona-Krise?

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Die Fans haben eine klare Meinung.

(Foto: imago/MIS)

Wie viele Fußball-Bundesligisten aufgrund der Coronavirus-Krise tatsächlich vor der wirtschaftlichen Pleite stehen, kann noch niemand genau sagen. Das hängt auch von der nahen Entwicklung ab. Doch ein Insider bringt nun ein Tabu-Thema auf die Tagesordnung, das bisher noch niemand auf dem Schirm hatte.

Der Mann ist nicht irgendwer im Fußball-Business. Er hat einen tiefen Einblick in die Finanzwelt des internationalen Fußballs. Mario Leo ist Experte in Sachen digitaler Kommunikation. Im Sommer 2018 errechnete er im Auftrag des italienischen Klubs Juventus Turin, dass sich alleine über die Marktmacht von Cristiano Ronaldo in den sozialen Medien der Transfer des Portugiesen von Real Madrid nach Italien schon nach kurzer Zeit amortisiert haben würde. Und er hatte Recht. Mehr noch: Seine Prognose wurde von der Realität noch übertroffen.

Zuvor hat der 49-Jährige bereits mit Borussia Dortmund, Bayern München und dem FC Barcelona zusammengearbeitet. Es ist der Blick eines Insiders hinter die Kulissen des internationalen Fußballgeschäfts, der aufhorchen lässt. Mario Leo mutmaßt in einem aktuellen Interview mit seinem Verlag, dass in Deutschland im Zuge der aktuellen Krise sehr schnell darüber diskutiert werden wird, dass "die 50+1-Regel fallen gelassen werden muss". Mit dieser These lenkt der Autor des Buchs "Kaufen Sie Ronaldo!" die momentane Debatte über Lösungswege aus der existenzbedrohenden Lage vieler Vereine in eine ganz neue Richtung.

Hohes Pleite-Risiko

Ben Redelings

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher "Chronist des Fußballwahnsinns" (Manni Breuckmann) und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Autor, Filmemacher und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein Schatzkästchen mit Anekdoten. Für n-tv.de schreibt er dienstags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Bens aktuellem Buch und seinem gleichnamigen Tourprogramm ("Fußball. Die Liebe meines Lebens") gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

Für Mario Leo kann es, wenn tatsächlich sämtliche TV-Erlöse in dieser Spielzeit wegfallen sollten, fast keine andere Lösung mehr geben. Denn Klubs wie Borussia Mönchengladbach oder der FC Schalke 04, die, wie er sagt "sportlich ambitionierte Ziele haben" und ihre Planungen voll und ganz auf diese ausgerichtet haben, sind nun fundamental ins "Schlingern geraten" und einem hohen Pleite-Risiko ausgesetzt. Der Insider des internationalen Fußballgeschäfts weiß, dass der Drang der DFL die Saison notfalls mit Geisterspielen zu beenden, einzig und allein mit diesen Einnahmen aus den Kassen der Rechteinhaber und der besonderen Situation der 50+1-Regel im deutschen Fußball zu tun hat.

Als Beispiel nennt er Klubs wie Bayer Leverkusen und den VfL Wolfsburg, von denen man in diesen Tagen wenig bis nichts in Richtung Existenzgefährdung hört. Aber vor allem beruft sich Leo in seinem Statement auf die anderen großen Fußballligen Europas, die allesamt nicht davon reden, dass der Spielbetrieb so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden muss.

Wer wehrt sich in der momentanen Situation?

Inwieweit die Vermutung des Experten in Sachen digitaler Kommunikation in Bezug auf das Fallen der 50+1-Regel in Deutschland zutrifft, ist in der augenblicklichen, sehr dynamischen Lage, in der sich nicht nur unsere Gesellschaft, sondern auch das Fußball-Business befindet, schwer zu sagen. Aber genau wie aktuell in der Politik jeden Tag aufs Neue weitere Maßnahmen verkündet werden, die auch immer mehr die verheerenden wirtschaftlichen Folgen der Krise berücksichtigen und dabei Dinge in Betracht ziehen, die bis vor Kurzem noch nicht einmal denkbar waren, so scheint es auch im deutschen Fußball wohl tatsächlich nur noch eine Frage der Zeit, bis das Thema auf den Tisch kommt.

Das aktuelle Buch ...

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Und da im Moment die Probleme nicht nur der Fußballfans ganz woanders liegen, kann man davon ausgehen, dass ein solcher Vorschlag, wenn er denn nachweislich dabei helfen sollte, die dramatische, finanzielle Schieflage der Klubs in den Griff zu bekommen, relativ schnell umgesetzt werden würde. Widerstände größeren Ausmaßes sind in der momentanen Situation nicht zu erwarten. Doch eins ist auch klar: Der Fußball in unserem Land wäre dann nach der Krise ein vollkommen anderer. Aber er würde wohl weiter existieren können. Und auch wenn das alles im Augenblick noch sehr weit weg und unwichtig erscheint: Vielleicht wäre das Wegfallen der 50+1-Regel am Ende das geringste Übel in der aktuellen Lage!

Quelle: ntv.de