Redelings Nachspielzeit

Uli Borowka im Fragen-Hagel Lutscher? Nein, einfach nur die Axt!

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Der beste Fußballer der Welt, Diego Maradona und Uli Borowka.

(Foto: imago/Magic)

Uli Borowka hätte gerne als Sheriff im Wilden Westen gelebt. Das passt. Denn die "Axt" war als beinharter Verteidiger gefürchtet. In unserer Fragerunde "22 + 3 Antworten sollt ihr sein!" verrät Borowka auch, dass er Matthäus für den Größten hält - obwohl er kein Wort mehr mit ihm redet!

Welche Fußballmannschaft war die erste Liebe Ihres Lebens?

Das ist natürlich als erste Frage gleich böse für mich. Ich habe zwei Mannschaften gehabt - und wenn ich die eine nenne, habe ich die anderen als Gegner und bei der anderen genau anders herum. Am besten, damit alle gegen mich sind, sage ich einen ganz anderen Verein: Bayern München (lacht). Nein, im Ernst: Zur einen Hälfte Borussia Mönchengladbach und zur anderen Hälfte Werder Bremen.

Von welchem Spiel schwärmen Sie noch heute?

Von meinem ersten Länderspiel gegen Argentinien in Berlin 1988 gegen Maradona. Für mich war er, vielleicht mit zwei anderen Personen dazu, der Größte auf der Welt. Und für mich war es deshalb das größte Spiel. Erstes Partie im Trikot der deutschen Nationalmannschaft, dann noch gegen Argentinien und Maradona und 1:0 gewonnen, da geht nichts drüber. Und am Ende hat er mir auch noch sein blutverschmiertes Trikot rüber geworfen. Herrlich!

Welche Vorzüge hatte das Leben mit 20?

Dass ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe und dass ich einen Traum leben durfte, an den ich mit 15 Jahren noch nicht dran gedacht habe, als ich an der Werkbank stand in der Lehre als Maschinenschlosser. Und dass ich so mit 20 schon ein Junge war, dem auch die Mädels nachgeschaut haben, weil ich Fußballprofi war.

Welche Nachteile hatte das Leben mit 20?

Ganz ehrlich: Ich kann mich da an keinen Nachteil erinnern. Und ich kann da auch keinen Nachteil sehen, wenn man so eine Chance bekommt wie ich und erleben durfte, was ich erlebt habe - nee, da gab es keine Nachteile.

Wer ist Ihr Lieblingsspieler aller Zeiten?

Obwohl wir nicht mehr die besten Freunde sind und wenn ich alles Zwischenmenschliche rauslasse, dann muss ich sagen: Lothar Matthäus. Das muss ich einfach so sagen, wenn ehrlich zu mir selbst bin. Ich habe in meiner ganzen Karriere keinen so grandiosen Fußballer gesehen, der mit einer solchen Dynamik Spiele umgerissen hat und der vorweg marschiert ist.

Wer ist Ihr Lieblingstrainer aller Zeiten?

Ja gut, da muss ich jetzt natürlich wieder zwei nennen. Jupp Heynckes und Otto Rehhagel. Beides sensationelle Trainer, beides sensationelle Menschen auf ihre Art und Weise. Ohne den einen wäre ich nie in die Bundesliga gekommen und ohne den anderen hätte ich nie einen Titel gewonnen.

Was ist Ihr Lieblingsstadion aller Zeiten?

Da muss ich ebenfalls zwei nennen: Den Bökelberg und das Weserstadion.

Worin besteht der Sinn des Lebens?

Der Sinn des Lebens besteht darin, dass man seine Erziehung und seinen Charakter nicht durch den Profisport ändern sollte. Das fällt mir gerade spontan dazu ein, denn viele verlegen, vergessen, ändern ihren Charakter und das alleine nur durch den Profisport. Der Sinn des Lebens sollte deshalb darin bestehen, dass man die Erziehung vom eigenen Elternhaus, wenn sie vernünftig war, mitnimmt und auch nach einer gewissen Zeit eine Vorbildfunktion für Kinder, eigene Kinder, aber auch andere und allgemein für alle Menschen einnimmt. Und dem sollte man dann dauerhaft gerecht werden. (nach einer kurzen Pause) Ich finde, da ist mir aber was richtig Gutes eingefallen, oder? Ohne Quatsch: Ich habe mich da gerade selbst ein wenig über mich gewundert. (lacht)

Was ist Ihr Lieblingswitz?

Mir fällt immer wieder der eine Witz ein, den man mir mal einer in der Lehre erzählt hat. Was ist der Unterschied zwischen zwei Krokodilen? Je grüner, desto weiß. Der ist so bescheuert, den finde ich gut.

Lieber ein Abendessen mit Cristiano Ronaldo oder Rihanna?

Da bin ich ganz ehrlich: Cristiano Ronaldo.

Schon einmal darüber nachgedacht, wie es wäre, das entscheidende Tor in einem WM-Endspiel geschossen zu haben?

Nee, brauche ich nicht. Ich habe das entscheidende Tor im Pokalendspiel gegen den 1. FC Köln im Elfmeterschießen geschossen. Das ist für mich gleichzusetzen mit einem entscheidenden Tor in einem WM-Finale.

Welcher Mensch außerhalb des Fußballs imponiert Ihnen?

Au, au, au. Aufgrund der jetzigen Situation, in der wir uns befinden und dieser ganzen Phase, sage ich ganz ehrlich, ist da keiner, der mir direkt einfällt.

Gibt es in Ihrem Leben "erfolgsorientierte Rituale", wie Peter Neururer sie nennen würde?

Die gab es früher. Da habe ich vor den Spielen immer erst den linken Schienenbeinschoner angezogen und dann den linken Schuh. Heute ist es immer noch so, dass die eine oder andere Kleinigkeit noch da ist. Wenn ich an der Tankstelle fertig bin, gehe ich immer noch einmal links ums Auto rum. Ich weiß nicht wieso - aber es ist so. (lacht)

Welche Umarmung werden Sie nie vergessen?

Es war eine Umarmung im Jahr 2000 in der Suchtklinik Bad Fredeburg. Nach sechs Wochen in der geschlossenen Anstalt, in denen ich nicht nach draußen und keinen Menschen sehen durfte, haben meine Eltern mich für einen Ausgang abgeholt. Diese Umarmung werde ich nie vergessen. Die war sehr schön damals.

Würden Sie Werbung für Toilettenpapier machen?

Ja, natürlich. Da kannst du ja schließlich ein Schweinegeld mit verdienen. (lacht)

Würden Sie mit Helene Fischer ein Lied aufnehmen, wenn der Erlös für einen guten Zweck ist?

Nur dann. Aber dann gerne. Die eine Hälfte wäre für einen guten Zweck, den sie bestimmen dürfte und die andere Hälfte würde an unseren gemeinnützigen Verein "Uli Borowka Suchtprävention und Suchthilfe e.V." gehen.

Tiger, Ente, Lutscher. Wenn Sie sich selbst einen Spitznamen geben sollten, wie würde er lauten?

Die Axt. Ist einfach, oder?

Wann hat Sie Ihr Verein das letzte Mal zu Tränen gerührt?

Es waren keine Freudentränen. Es waren Tränen der Enttäuschung auf dem Nachhauseweg, als Werder Bremen in dieser Hinserie zu Hause 0:5 gegen Mainz 05 verliert und die Spieler sich anschließend in der Kurve haben abklatschen lassen. Ich bin danach anderthalb Stunden nach Hause gefahren und habe Tränen der Enttäuschung verdrückt, weil das eine Sache war, die ich bis heute nicht verstehen kann.

Wohin würden Sie mit einer Zeitmaschine reisen?

In den Wilden Westen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Sheriff im Wilden Westen genau mein Ding gewesen wäre.

In welchem Film hätten Sie gerne die Hauptrolle gespielt?

"Spiel mir das Lied vom Tod".

Was war die netteste Begegnung, die Sie je hatten?

Damals wusste ich das noch nicht - aber viele Jahre später: die erste Begegnung mit meiner jetzigen Frau.

Uli Hoeneß antwortet einmal auf die Frage: "Liebe oder Fußball - was würden Sie wählen?" mit: "Muss ich und würde ich Fußball wählen". Und wie würden Sie antworten?

Ich würde mich für Uli Hoeneß entscheiden. (lacht) Nein, ich würde genau wie er antworten. Und das weiß meine Frau auch. Aber über die Jahrzehnte ist das natürlich schon wahnsinnig abgeflacht.

Was ist die tollste Telefonnummer, die Sie abgespeichert haben?

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Es sind die Nummern von zwei von meiner Mit-besten-Freunde, die mit mir durch die ganz schwere Zeit gegangen sind und die damals zu mir standen und heute immer noch da sind. Solche Nummern und Freunde kann man mit Gold nicht aufwiegen.

Was ist die schönste Erinnerung an früher?

Dass ich noch in einer Zeit aufwachsen durfte, in der es dieses ganze Multimedia-Gedöns noch nicht gab. Fortschritt ist Fortschritt, aber ich glaube, dass es mittlerweile ein bisschen zu viel des Guten ist. Normal aufzuwachsen, ohne von allen Seiten zugeflasht und zugedröhnt zu werden, das ist das Schönste für mich im Nachhinein.

Berti Vogts hat auf die Frage nach seinem Lebensmotto geantwortet: 'Heute ist der schönste Tag der Woche'. Was Ihr Motto?

Wer ist Berti Vogts? (lacht) Ich freue mich einfach, wenn ich die liebsten Menschen um mich herum habe. Da brauche ich kein Motto.

Mit Uli Borowka sprach Ben Redelings

Quelle: ntv.de