Redelings Nachspielzeit

Uli Borowka zum Foul an Salah Ramos? "Das war feige und brutal"

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Sergio Ramos hat Mohamed Salah "mit einer brutalen Aktion" vom Platz gejagt. Sagt Uli Borowka.

(Foto: AP)

Sergio Ramos, der Abwehrchef Real Madrids, erhitzte am Samstag in Kiew beim 3:1 gegen den FC Liverpool im Finale der Fußball-Champions-League die Gemüter. Doch waren seine Aktionen gegen Liverpools Angreifer Mohamed Salah und den deutschen Torhüter Loris Karius wirklich Vorsatz - oder einfach nur unglücklich? Unser Kolumnist fragt das den Mann, der sich in seiner Karriere in der Bundesliga den Spitznamen "Die Axt" verdiente: Uli Borowka.

n-tv.de: Uli, wie hast Du den Samstagabend verbracht?

Uli Borowka: Ich habe mich auf ein wahnsinnig geiles Fußballspiel gefreut, mit der vielleicht besten Offensive in ganz Europa - Roberto Firmino, Sadio Mané und Mohamed Salah beim FC Liverpool. Aber die wurde ja dann leider fürchterlich gesprengt. Aus meiner Sicht ist das Spiel an dieser Stelle gekippt, als Salah verletzt raus musste.

Die Frage muss kommen, wenn man einen echten Experten am Apparat hat. Die Aktion von Ramos gegen Salah: War die hart an der Grenze?

Nein, das war weit drüber. Aus meiner Sicht war das Vorsatz. Ramos ist eine abgezockte Sau. Der hat das gar nicht nötig in diesem Spiel so feige und brutale Aktionen zu setzen. Und das hat er gemacht. Er ist über Jahre hinweg ein wahnsinniger Abwehrspieler, aber diese Aktion ging weit übers Ziel hinaus. Er hat Salah bewusst runtergezogen und eingeklemmt, sodass er sich nicht mehr abstützen kann und brutal auf die Schulter kracht.

Kannst Du Dich selber an eine Aktion von Dir erinnern, die in dieselbe Richtung ging?

Ich muss sagen, ich habe immer mit offenem Visier gekämpft. Ich habe nie den Vorsatz gehabt, den Ramos hatte, den Spieler komplett auszuschalten. Natürlich habe ich zu vielen Mitteln gegriffen, drübergehalten und eine gelbe Karte riskiert - aber die haben gewusst, dass Salah der entscheidende Mann ist, der eine überragende Form hat und den musstest du irgendwie vom Platz kriegen. Und das hat Ramos mit diesen brutalen Mitteln gemacht.

Wirklich Vorsatz?

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Uli Borowka im Duell mit Diego Maradona - "aber ausschalten kannst du einen Maradona nie ganz".

(Foto: imago sportfotodienst)

Ja. Und ich bin sehr böse über seine Art, weil er das gar nicht nötig hat. Ich habe danach noch die Szene gesehen, wo er angeblich berührt wurde und den sterbenden Schwan macht und dann der Ellbogenschlag gegen Karius am ersten Pfosten. Schade. Ich war immer ein großer Fan von ihm, aber das hat sich nach diesen Aktionen relativiert. Besonders wegen seiner Reaktion hinterher. Wo er hingeht und ihn tätschelt: "Tut mir leid, dass du ausgewechselt wirst" - das ist mit Häme zu betrachten. Das muss man einfach so hart sagen, wie es war.

Von einem Trainer kommen aber solche Anweisungen nicht, oder?

Ich habe das große Glück gehabt gegen viele Große zu spielen - Marco van Basten, Diego Maradona und George Weah. Beim Europapokalendspiel mit Werder Bremen gegen den AS Monaco war mein Gegenspieler George Weah. Zu der Zeit vielleicht einer der drei Topstürmer in Europa. Er war meine Aufgabe. Der Trainer hat natürlich einige Anweisungen gegeben - der ist kopfballstark, der ist zweikampfstark, schnell und beidfüßig. Naja, da war der Kopf schon voll als Abwehrspieler (lacht). Und du musst dann schauen, wie kannst du ihn aus dem Spiel nehmen. Kannst du ihn vollquatschen, wie du das mit vielen Bundesligaspielern machen konntest, so dass die dann die Konzentration verlieren? Das ging aber bei ihm nicht. Also musstest du versuchen mit Zweikampfhärte zu agieren. Aber das ging bei ihm auch nicht. Der hat sich nicht einmal geschüttelt. Aber ein Trainer hat nie gefordert, dass du da was machen sollst. So etwas gab es nicht. Und den Vorsatz jemanden zu verletzen, sodass er monatelang ausfällt, schon einmal gar nicht. Ich war sicherlich ein harter Knochen, aber bewusst jemanden verletzen? Nein, das ist weit weg gewesen.

Stichwort: "Vollquatschen". Wie sah das aus?

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"Bleib besser unten. Denn wenn du aufstehst, tut es richtig weh." Uli Borowka und Karsten Bäron.

Bei einem Herrn Klinsmann oder einem Herrn Möller wurde dann schon einmal beim Einlaufen gesagt: "Kommt heute einer von euch hier über die Mittellinie, dann breche ich euch das Bein." Das hieß dann in der Folge: Ich hatte keinen Gegenspieler mehr. Klinsmann hat Linksaußen gespielt, Möller Doppellibero - und so stand ich da und habe gewartet, bis sich mal irgendeiner bequemte, mit mir in die Zweikämpfe zu gehen. Das ist dieser Trashtalk, der heute auch noch da ist, aber vielleicht nicht mehr in diesem Maße. Ich habe ja auch gewusst, wen kann ich anquatschen. Es gab auch einige, die haben nur darüber geschmunzelt, wenn ich sie angequatscht habe. Ein Ulf Kirsten, der ist immer wieder gekommen - egal wie hart die Zweikämpfe waren. Die meisten allerdings, die du angequatscht hast, waren einfach weg, weil sie Schiss hatten.

Und zu welchen Methoden hast Du bei Maradona gegriffen?

Gegen ihn habe ich all das versucht, in die Waagschale zu werfen, was geht. 90 Minuten kämpfen, rennen, ihn kratzen, ihn festhalten - aber das geht gegen Maradona nicht. Maradona ist der begnadetste Fußballer, gegen den ich dreimal in meinem Leben spielen durfte. Ich bin fast vor Ehrfurcht erstarrt. Okay, dann habe ich ihn zwei-, dreimal weggegrätscht, sodass er mich blöd angeguckt hat. Aber ausschalten kannst du einen Maradona nie ganz.

Bekommt man in so einer Situation nicht auch einmal schmutzige Gedanken?

Nein. Der Trashtalk gehörte dazu. Klar. Man hat es gesagt. Aber ich habe wirklich nie gedacht, dem musst du heute mal das Schienenbein brechen.

Es gibt da dieses Wahnsinnsfoto, das dich mit dem HSV-Spieler Karsten Bäron zeigt. Was war da los?

Er ging mir im ganzen Spiel schon auf den Senkel. Er hatte ein paar Kopfballduelle gewonnen - das war ja ein Leuchtturm. Da kam ich gar nicht dran und das nervte mich. Da habe ich ihn dann umgekachelt und ihm mit ausgestrecktem Zeigefinger gesagt: "Bleib besser unten. Denn wenn du aufstehst, tut es richtig weh." Ja, das weiß ich noch. So war das damals!

Mit Uli Borowka sprach Ben Redelings.

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Quelle: n-tv.de